Bosa, Anfang September 2016 – Auf dem Weg nach Bosa an der Westküste Sardiniens geht es über Nebenstraßen kreuz und quer durch die Hochebene der Planargia. Manchmal fällt die Straße in engen Kurven ab, um einen Wasserlauf zu überqueren. Doch sind die schmalen Flüsse um diese Jahreszeit fast ausgetrocknet. Wie der Rio Badu Crabolu, der nach starken Winterregen zu einem reißenden Gewässer werden kann. Gleich hinter der Brücke steigt die Straße wieder steil an und gibt den Blick frei auf eine Nekropolis aus der Jungsteinzeit mit ihren in den Basalt geschlagenen Gräbergängen.
Unterwegs
Taranto, Ende Juli 2016 – Am Abend leuchtet die Stadt auf, die dem prächtigen Golf am ionischen Meer seinen Namen gegeben hat. Doch die Wasser sind verschmutzt, die Luft auch. In Vierteln, die an das Stahlwerk Ilva grenzen, das Taranto in den vergangenen Jahrzehnten mit giftigen Dämpfen überzogen hat, haben Krebskrankheiten dramatisch zugenommen. Seit Jahren tobt ein Kampf zwischen Justiz, den Eigentümern und der Politik. Das Recht auf Gesundheit gegen das Recht auf Arbeit und umgekehrt.
In Taranto
Matera im Juli 2016 – Schwalben jagen über die Dächer der vielleicht ältesten Stadt der Welt. Aber was heißt schon Dächer. Die Altstadt – die Sassi – hat sich seit Jahrtausenden in Höhlen an den Hängen eines Felssporns, auf dem die Kathedrale thront, ausgebreitet. Was einst als „soziale Schande“ (Carlo Levi) galt, hat sich nach der Umsiedlung der Bewohner in neue Stadtviertel ab 1952 zu einem Anziehungspunkt für Touristen entwickelt. Mit Andenkenläden und Restaurants, etwas zweifelhaften Höhlenmuseen und beeindruckenden Höhlenkirchen. Und Erinnerungsorten zur Geschichte Materas als Drehort für dutzende Filme – von Pasolinis „Evangelium nach Matthäus“ bis Gibsons „Passion Christi“.
In Matera
Fermignano/Urbino im Juni 2016– Kurvenreich erreicht man von Urbino aus die antike Römerstraße Flaminia. Das war für fast 2000 Jahre die wichtigste Verkehrsverbindung von Rom über den Apennin Umbriens und der Marken zur oberen Adria bis nach Rimini. Ein Pilger- und Handelsweg, der gelegentlich auch militärische Bedeutung erlangte. Heute führt die Via Flaminia auf den Gebirgsstrecken in Naturschutzgebiete wie etwa das der Gola del Furlo unweit von Fermignano. Eine Paralleltrasse nimmt inzwischen den modernen Verkehr auf. Der alte Weg verläuft entlang des Candigliano, eines Zuflusses des Metauros, durch eine enge, atemberaubende Schlucht zwischen dem Monte Pietralata (889 Meter hoch) und dem Monte Paganuccio (976 Meter).
Durch die Gola del Furlo
Cagliari, Mitte April 2016 – Nach einem stürmisch kühlen Tag ist der Frühling zurückgekehrt. Die Schwalben jagen über die Dächer und, wo immer die Natur Boden findet, grünt und blüht es. Gelber Ginster überall. Baustellen erschweren Spaziergänge in der Innenstadt oder auf dem Kastell-Hügel. EU-Gelder sollen bei Instandsetzungen und Restaurierungen helfen. Die Zeitungen erinnern an ein Fährunglück der Linie Livorno Olbia vor 25 Jahren, bei dem 140 Personen ums Leben kamen. Noch immer sei die Schuldfrage nicht geklärt. Nach jüngsten Berechnungen des staatlichen Statistikamtes Istat bleibt Sardinen das Armenhaus Italiens. Die privaten Einkommen gingen gegenüber dem Vorjahr um über vier Prozent (Landesdurchschnitt 2,7 Prozent) zurück, die sardischen Provinzen Ogliastra und Medio Campidano liegen auf den letzten beiden Plätzen der 110 Provinzen Italiens. Cagliari hält immerhin Position 34.
