Unterwegs


Cremona, ein Tag vor Ostern 2016 – Sonnabends ist Markttag. Rund um den prächtigen Dom reihen sich die Stände mit Obst, Gemüse und allerlei Gebrauchswaren. Gegen Mittag ist Schluss, dann rollen die Putzkommandos an, und es gibt wieder Platz für die Radfahrer, die zur Stadt gehören wie der an ihrem südlichen Rand geruhsam vorbeifließende Po. Am Nachmittag spaziert oder radelt man auf den Vordeichen bis zum Dorf Bosco und wieder zurück. Bei Bosco zieht sich ein Naturpark um den Bach Morbasco bis hin zum Fluss, wo die Leute sich im Sommer am sandigen Ufer sonnen und ganz Mutige ins Wasser springen.

In Cremona


Africo Vecchio, Ende Februar 2016 – Im Herzen des Aspromonte, rund 800 Meter oberhalb der Küste des Ionischen Meeres, liegt von Eichenwäldern umgeben das alte Africo. Man erreicht es nur auf einem Trampelpfad zwischen Dornen und Gesteinsbrocken. Die Erinnerungen an die Gründung des Ortes verlieren sich in der griechischen Antike, die in diesem Teil Kalabriens deutliche Spuren hinterlassen hat. Basilianer Mönche bauten im Mittelalter ein Kloster, der Heilige Leo von Bova und Africo lebte hier am Ausgang des 11.Jahrhunderts. Ziegenhirten und Bergbauern trotzten mit rebellischem Geist Jahrhunderte lang Erdbeben, Unwettern – und der Armut, die sie zeitweilig zwang, sich von Brot aus Eichelmehl zu ernähren.

In Africo



Bozen, Anfang Februar 2016 – Blau leuchtet der Himmel über dem Waltherplatz. Auf den Talferwiesen vor dem Museion sonnen sich die Menschen. Im müden Flussbett rinnt das Wasser gemächlich zu Tal. Ist das ein Winter? Graugrün zeigen sich die Gipfel rund um die Südtiroler Landeshauptstadt. Kein Schnee nirgends, dafür muss man schon höher hinauf. Manch einer macht sich Sorgen. Auch um Schengen. Eine Grenzschließung am Brenner wäre „indirekt auch eine Ohrfeige für die Südtiroler Autonomie“, schreibt das Wochenmagazin „ff“.

In Bozen


Venedig, Mitte Januar 2016 – Nach der Festtagszeit, bevor die Karnevalswochen beginnen, atmet Venedig ein paar Tage durch. Durch engste Gassen kommen die Einwohner nicht nur früh morgens schnellen Schritts voran. Die Wollmützen weit über die Ohren gezogen. Auf den Vaporetti gibt es freie Sitzplätze. Mittags kann man auf den Bänken des Campo Santa Margherita den Sonnenschein genießen, der für kurze Zeit die kalte Jahreszeit vergessen lässt. Die Lokalpresse diskutiert über Sicherheitsmaßnahmen für den Karneval – Köln hat auch hier viele verschreckt.

In Venedig



Pesaro im Januar. Was bringt das Jahr 2016? Zu Beginn einen strahlenden Neujahrstag und einen langen Spaziergang am Meer. Kilometerlang zieht sich der breite Sandstrand Richtung Fano hin. Die tiefe Vormittagssonne scheint ins Gesicht, kaum merklich geht ein Wind. Hier und da tollen Hunde ausgelassen, gelegentlich begegnet man Joggern – sportlich auch am ersten Tag des Jahres. An der blauen Linie des Horizonts tauchen weiße Segel auf. In der Weite relativiert sich, was die Auguren in den Medien laut raunend für das neue Jahr erwarten. Einen Bürgermeister der Grillini in Rom, Giuseppe Sala für den Job in Mailand. Juve gewinnt das Campionato, für das Festival von Sanremo ist ein offenes Rennen vorausgesagt. Italien könnte sich militärisch in Libyen (mit UNO-Mandat?) engagieren und der Flüchtlingsstrom wird nicht abbrechen. Auch 2016 schafft es keiner, das Geheimnis der Identität von Elena Ferrante zu lüften. Sicher scheint allein: uns erwartet der heißeste Sommer seit langem. Nur Geduld – flüstern die Wellen, die leise ans Ufer schlagen.

In Pesaro