Der Transformationsprozess in Städten, die Mobilitätswende und die Bedeutung der Natur und des öffentlichen Raums bei der urbanen Entwicklung. Dokumentation eines Gespräch mit Uwe Schneidewind, Wirtschaftswissenschaftler und Oberbürgermeister von Wuppertal, für das LANDmagazin Vol. 3 „In-between landscape“ Mailand – Die Wissenschaft nutzt den Begriff der „Großen Transformation“, um Epochenumbrüche des 21. Jahrhunderts im Lichte einer nachhaltigen Entwicklung zu kennzeichnen. Rund 80 Prozent der Menschen werden 2050 in Städten leben. Für den Gesamtrahmen einer erfolgreichen Zukunftspolitik bildet „die Urbane Wende“ damit einen „Knotenpunkt“. So die These auch des Buches „Die Große Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels“(1) des Wirtschaftswissenschaftlers Uwe Schneidewind, das im Rahmen seiner Tätigkeit bis 2020 als Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie entstanden ist.
Architektur
Der Landschaftsarchitekt Andreas Kipar, ein Brückenbauer zwischen Mailand und der Ruhrmetropole, wurde mit dem den Halstenberg-Preis geehrt Mailand/Dortmund – Als 24-Jähriger kam der in Essen frisch diplomierte Landschaftsarchitekt Andreas Kipar 1984 nach Mailand. Hier fand er ein Betätigungsfeld, in das er seine Erfahrungen aus dem Ruhrgebiet einbringen konnte. Hier wie dort ging es um die Nutzung ehemaliger Industrieflächen und um städtische Freiraumplanung. Aus ersten italienischen Erfahrungen sowie der Gründung des eigenen Büros LAND (Landscape Architecture Nature Development) in Mailand fand Andreas Kipar den Weg auch wieder zurück an Ruhr und Emscher. Dem Brückenbauer zwischen Mailand und der Ruhrmetropole hat jetzt die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) Nordrhein-Westfalen den Halstenberg-Preis verleihen, mit dem sie hervorragende und wegweisende Leistungen in der Stadt- und Landesplanung würdigt.
EIN PINGPONG AN PROJEKTEN
Melania G. Mazzucco entwirft mit ihrem Roman „Die Villa der Architektin“ ein farbenreiches Fresko der Gesellschaft und der Kunstszene im barocken Rom des 17. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Plautilla Bricci, die erste Architektin der europäischen Kunstgeschichte. Rom/Mailand – Warum einen historischen Roman wie „Die Villa der Architektin“ von Melania G. Mazzucco lesen, der jetzt im Folio Verlag in deutscher Übersetzung erschienen ist? Rom führt Europa im 17. Jahrhundert vor, wie man eine Metropole der Gegenreformation gestaltet. Die Päpste, die Monarchen gleich regieren, lassen mit Aufträgen für prächtige Kirchenbauten wie für üppig ausgestaltete Familienpaläste eine barocke Stadtlandschaft wachsen. Und der römische Adel macht es ihnen nach. Eine opulent sinnliche Bildersprache zeigt in der Spannung von Lebenslust und Vanitas kraft- und ausdrucksvoll, wie richtiger Glaube auszusehen habe (und wie bedeutungsvoll die jeweils herrschende Familie sei). Während anderswo in Europa Katholizismus und Protestantismus sich kriegerisch bekämpfen, der Dreißigjährige Krieg Landschaften verwüstet, versetzen Künstler wie Bernini, Borromini oder Pietro da Cortona die Stadt Rom, die machtpolitisch im Abseits liegt, in einen ästhetischen Taumel. Nur Künstler? Gibt es keine Künstlerinnen?
PLAUTILLA, DER ABT UND EINE MATRATZE
Die vielen Rollen der Edicola im italienischen Alltag und ihre Krise. Eindrücke auf einer Fotoausstellung über Zeitungskioske in Ferrara Mailand/Ferrara – Wenn man nach typischen Unterschieden im Erscheinungsbild zwischen deutschen und italienischen Stadtlandschaften sucht, gehört die Edicola dazu. Nördlich der Alpen hat sich der Zeitungskiosk meist als Laden in die Häuserfront eingegliedert, wo man neben Zeitungen oft auch Getränke oder andere Waren kaufen kann. In südlicheren Breiten findet man ihn (noch) als frei stehende Einrichtung, in denen hauptsächlich Druck-Erzeugnisse angeboten werden. Das ist gerade auf einer kleinen Ausstellung mit rund 30 großformatigen Fotografien von Ulrich Wienand in Ferrara nachzuvollziehen. Sie wird in der kommunalen Biblioteca Giorgio Bassani unter dem Titel Vado a prendere il giornale („Ich geh die Zeitung holen“) gezeigt.
APOTHEKE GEGEN DIE DUMMHEIT
Zwischen Ausblick und Retrospektive: Fragen der Nachhaltigkeit, der Architektur und der Mobilität in zwei wichtigen Veröffentlichungen von Vittorio Magnago Lampugnani und Erik Wegerhoff im Wagenbach Verlag Mailand – Rund 80 Prozent der Weltbevölkerung wird im Jahr 2050 in Städten leben. In urbanen Räumen wird sich entscheiden, ob es der Menschheit gelingen kann, durch eine radikal nachhaltige Entwicklung die Klimakatastrophe wenigstens zu mindern. Architektur und Mobilität fallen damit im Rahmen der Stadtplanung eine entscheidende Rolle zu. Zwei Bände, die gerade im Wagenbach Verlag erschienen sind, beschäftigen sich – wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen – mit diesem brennenden Thema. Der Architekturhistoriker Vittorio Magnago Lampugnani (72) wendet sich in einem brillant formulierten Essay „Gegen Wegwerfarchitektur“. Sein Kollege Erik Wegerhoff (49) schlägt mit „Automobil und Architektur“ detailreich einen großen Bogen durch die jüngere Stadtgeschichte. In der hat das Auto, so seine These, als „ungleich bewegter Gegenspieler“ die Architektur von der Moderne bis zur Gegenwart beeinflusst.
