Architektur


Parma, Mitte März – Der Himmel liegt grau über der Stadt Correggios und Toscaninis, aber Regen will nicht fallen. Der Fluss Parma verliert sich in seinem tief gelegenen Bett. Er tröpfelt dahin, als sei Hochsommer, dabei blühen gerade erst die Kirschbäume. In der Caffetteria an dem Viale Toschi glitzert noch die Weihnachtsdeko über dem Tresen. Bevor man bestellt, weist der Gast sich durch seinen „Greenpass“ aus. Auf einem der Tische liegt die Gazzetta di Parma. 450 Flüchtlinge aus der Ukraine sind angekommen. Die meisten finden Unterkunft bei Verwandten und Bekannten oder in religiösen Einrichtungen. Tagesgespräch ist das Fußballstadion. Das neue „Stadio Ennio Tardini“ soll das alte (aus den 1920er Jahren, zuletzt umgebaut 1993) nicht komplett ersetzen, sondern am selben Ort erweitern und modernisieren.  Am Teatro Regio laufen die letzten Proben für Bellinis „Norma“ dirigiert von Sesto Quatrini aus Vilnius (Litauen). Während man am späten Vormittag vorbei am Verdi-Denkmal auf den Palazzo della Pilotta zugeht, warten einige Schüler und Studenten aber auch Rentner auf den kniehohen Einfassungen der Piazza della Pace sitzend vergeblich auf Sonne. Hunde werden spazieren geführt.

In Parma


Triest, im Februar – „Wir sind heute mit dem Hofzug angekommen“, schreibt Constantin Christomanos, Griechisch Lehrer und Begleiter der Kaiserin Elisabeth („Sissi“), im späten Winter 1892 in sein Tagebuch. „Auf dem Bahnhof von Grignano ausgestiegen. Der Park des Schlosses reicht bis hier herauf, und er duftet und dampft nach dem Regen.“ Den Bahnhof Triest-Grignano gibt es nicht mehr. Park und Schloss Miramare, wo Sissi sich mehrfach in der Sommerresidenz der Habsburger aufhielt, sind dagegen heute eine Attraktion für Touristen und Triestiner gleichermaßen.

Im Castello Miramare



Vor dem G20 Gipfel in Italien und der COP26 in Schottland eine Tagung der Stiftungsplattform F20 in Mailand. Ein Gespräch mit Stefan Schurig, Secretary General Foundations Platform F20, über die Ziele der F20 und die Rolle der Stiftungen in den G20 Staaten Mailand:  Ende September 2021 kam die internationale Stiftungsplattform F20 mit einem „Climate Solutions Forum“ nach Mailand, um im Vorfeld des G20-Gipfels in Italien aktuelle Probleme zu diskutieren und Leitgedanken zu formulieren. Die Plattform F20 wurde 2017 in Hamburg vor dem G20 Gipfel in Deutschland ins Leben gerufen. Als Mitinitiatorin der Stiftungsplattform F20 setzt sich die deutsche Stiftung Zukunfsfähigkeit mit Sitz in Bonn für gemeinsame Wege ein, um ermutigende und nachhaltige Transformationsprozesse einzuleiten.

HALTUNG ZEIGEN, STELLUNG BEZIEHEN


Cagliari Anfang August – Strahlend kreist ein Riesenrad abends hinter Palmen an der Hafenfront der sardischen Regionalhauptstadt. Das „City-eye“, das aus Salerno stammt – deshalb das große „S“ im Zentrum –, erreicht eine Höhe von 45 Metern. Vor genau einem Jahr wurde es aufgestellt und spaltete sogleich die öffentliche Meinung in zwei Lager. Für die einen ein Schandfleck vor dem  Meerespanorama, für die anderen ein neuer touristischer Anziehungspunkt. Sechs Monate sollte es sich drehen (Eintritt 10 Euro pro Kopf), doch bald stand es im Lockdown still, wurde im März diesen Jahres wieder geöffnet, nach einem weitern Lockdown erneut geschlossen, dann abermals eröffnet. Und wird Cagliari wohl noch diesen heißen Sommer lang begleiten.

In Cagliari



Parma: Die Italienische Kulturhauptstadt in Zeiten der Pandemie  Mailand/Parma – Eine Schriftinstallation des Neonkünstlers Maurizio Nannucci zieht sich seit wenigen Monaten in Parma durch den Hof der ehemaligen Farnese-Residenz, dem Palazzo della Pilotta aus dem 17. Jahrhundert: „Time present and time past are both present in time future.“ Das Thema der Zeit, die vergangen oder gegenwärtig in der Zukunft präsent bleibt, bildet auch den Grundbass für das Programm, das die norditalienische Universitätsstadt für das Jahr 2020 entwickelt hatte, als ihr der Titel einer „italienischen Hauptstadt der Kultur“ zugesprochen worden war.

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