Touristenflut, Korruption und ein tölpelhafter neuer Bürgermeister Venedig. Das kulturelle Klima in der Lagunenstadt zeigt sich trotz eines milden Spätsommerwetters eher trübe. Man zankt über einen klotzigen Neubau am Canal Grande, während der Streit um das historische deutsche Kaufmannslager Fondaco dei Tedeschi, das Benetton zu einem Einkaufszentrum umbauen lässt, weiter schwelt. Auch die Filmbiennale hat in diesem Jahr weniger Glamour in die Serenissima als sonst gebracht. Und während sich Touristen drängelnd und stoßend Zugang zu den Vaporetti, den Booten des öffentlichen Nahverkehrs, verschaffen, verlieren sich die Besucher der Kunstbiennale in den Giardini und im Arsenale. Derweil bleibt ein Moschee-Kunstprojekt des Schweizers Christoph Büchel für den isländischen Pavillon der Biennale geschlossen. Der entweihte Kirchenraum, in der die Moschee-Installation untergebracht ist, darf nach Anordnung der Stadtverwaltung „nicht für religiöse Zwecke“ genutzt werden. Ist Kunst Religion?
Venedig
Vom Kolosseum in Rom zum Hotelbau in Venedig – Debatte um Kulturgüter Italien diskutiert wieder einmal heftig über den Umgang mit Kulturgütern. Anlass sind unter anderem ein Hotelbau am Canal Grande in Venedig und die mögliche Nutzung des römischen Kolosseums als Veranstaltungsort. Rund 80 Millionen Euro Steuergelder aus einem Sondertopf hat das Kulturministerium jetzt zwischen Aquileia, Pavia und Caserta zur „Valorisierung“, also zur kulturellen und touristischen Nutzung von denkmalgeschützten Einrichtungen verteilt. Der Löwenanteil von 18,5 Millionen Euro fällt dem Kolosseum in Rom zu. Während die antike Arena gerade mit Hilfe von Sponsoren wie Diego Della Valle („Tod’s“) restauriert wird, soll sie anschließend auch Publikumsveranstaltungen offen stehen.
EIN KLOTZ AM CANAL GRANDE
Venedig. In der Lagunenstadt hat am Donnerstag (30. Juli) die Theater-Biennale 2015 begonnen. Den Auftakt machte die Basler Inszenierung „Das Weiße vom Ei“ von Christoph Marthaler nach einer Vorlage von Eugène Labiche. Der Schweizer Regisseur wurde außerdem mit einem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Theater-Biennale gehört bereits seit 1934 zu den Sparten der venezianischen Kulturstiftung, die allerdings in der Öffentlichkeit vorwiegend mit der Kunst (bzw. Architektur) und dem Film verbunden wird. Kaum wahrgenommen werden ebenso die Biennalen zur Gegenwartsmusik (seit 1930) und zum Tanz (seit 1999). Die diesjährige internationale Theater-Biennale, die der Spanier Alex Rigola leitet, steht dabei ganz im Zeichen deutschsprachiger Aufführungen. Darunter auch Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“ in der Regie von Thomas Ostermeier (Schaubühne Berlin / Kammerspiele München) sowie Arbeiten des Berners Milo Rauch („Hate Radio“) oder des Hamburgers Falk Richter („Never Forever“). Bis zum 9. August ergänzen Inszenierungen aus Spanien (zum Beispiel von Llius Pasqual), Litauen (Oskaras Korsunovas) oder Italien (Antonio Latella) das Programm. Die Regisseure halten zudem Workshops ab. Dass dabei auch politische Untertöne hörbar werden, zeigt ein Interview von Thomas Ostermeier mit dem Corriere della Sera. Darin beklagt Ostermeier etwa die „Hegemonie“ Deutschlands in Europa, durch die „ganzen Generationen besonders in Griechenland, […]
Theaterbiennale im Zeichen deutschsprachiger Inszenierungen
Venedig : Charles Pollock, geboren 1902 in Denver, ist der ältere von fünf Brüdern der Familie LeRoy/Pollock. Sozial engagiert studierte er Kunst bei Thomas Hart Benton in New York, bei dem er sich vor allem der Murales-Malerei widmete.
Charles Pollock in Venedig
Okwui Enwezor blickt auf „seine“ Biennale Venedig. Er ist 51 Jahre alt, in Nigeria geboren, hat eine US-amerikanischen Pass und leitet – nicht unumstritten – seit 2011 in München das Haus der Kunst. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Okwui Enwezor bekannt, als er 2002 die documenta 11 verantwortete. Zuvor hatte er bereits wichtige Kunstveranstaltungen wie die Johannesburg Biennale in Südafrika geleitet oder eine Zeitschrift über afrikanische Gegenwartskunst (NKA) ins Leben gerufen. Seit er im Dezember 2013 zum Leiter der diesjährigen Kunstbiennale berufen wurde, wird er nicht müde in unzähligen Interviews über die Welt der Kunst und die Welt an sich nachzudenken, „die in Trümmern liegt.“
