Philippus C.


Philippus Cluverius aus Wikipedia
Philipp Clüver (1580-1622), der seinen Namen in Philippus Cluverius latinisierte, gilt als Begründer der historischen Geographie. In Italien nennt man ihn Filippo Cluverio.

C. wurde 1580 in Danzig geboren und war zum Juristen und Diplomaten bestimmt. Sein Vater, der Münzmeister von Danzig, schickte ihn zum Studium ins südholländische Leiden an die dort 1575 gegründete Universität. Unter dem Einfluss von Joseph Justus Scaliger wandte sich aber der Student den Altertumswissenschaften und besonders der antiken Geographie zu. Wie Peter Fuchs in der Neuen Deutschen Biographie schreibt, war C. „im übrigen, ein gut aussehender, leichtsinniger junger Mann“, der „ein lustiges Studentenleben führte.“ Der Vater brach mit ihm, als er von dem Wechsel der Studienrichtung erfuhr. Mittellos schlug sich C. daraufhin als Soldat in Böhmen durch und musste wegen der Veröffentlichung einer politischen Schrift später in Leiden ein paar Monate ins Gefängnis.

Mit heimlicher Unterstützung der Mutter reiste Philippus C. zwischen 1607 und 1613 durch ganz Europa. In England heiratete er ein „armes Mädchen“ und ließ sich dann endgültig in Leiden nieder. An der Universität wurde er auf Grund seiner Schrift „Germania antiqua“, einer bebilderten deutschen Altertumskunde, zum Geographus Academicus mit einem Jahresgehalt von 500 Gulden ernannt. In seinen Arbeiten verband er das humanistische Studium mit empirischen Kenntnissen, die er sich – neben den alten auch mehrere moderne Sprachen sprechend – auf seinen Reisen aneignete.

Italien Karte
Karte aus: Italia antiqua (1624)

In den Jahren 1617/18 unternahm er zusammen mit dem jungen Hamburger Lukas Holste, dem späteren Leiter der Vatikanischen Bibliothek, noch einmal eine Studienreise zu Fuß durch ganz Italien, wobei er auch Sizilien und sogar Sardinien besuchte. Bei seiner Rückkehr „selbst gesundheitlich geschädigt, fand er daheim seine Frau schwer leidend“. Wie Fuchs schreibt, verarbeitete er „mitten in häuslicher Not und eigener Krankheit“ die Ergebnisse seiner Reise, „bis ihn 1622 ein frühzeitiger Tod abrief.“

Das Verlagshaus Isack Elzevier ließ die Kinder von Cluverius „im Elend verkommen“, obgleich es an seinen Büchern kräftig verdiente. Urheberrecht war im damaligen Europa weitgehend unbekannt. Das posthum erschienene Italien-Buch wurde in zahlreichen Auflagen und Bearbeitungen verbreitet. Ein Jahrhundert lang galt es als Grundlage für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Geographie und für den Unterricht.

Zu seinen Arbeiten gehören unter anderem:
Sicilia antiqua cum minoribus insulis adiacentibus, item Sardinia et Corsica, Leiden 1619
Italia antiqua, hrsg. von D. Heinsius, 2 Bände, Leiden 1624 (posthum erschienen, sein Hauptwerk), vgl. dazu L. Holstenius, In Italiam antiquam Ph. Cluverii annotationes, hrsg. von Kardinal. F. Barberini, Rom 1666

Die Neue Deutsche Biographie führt ihn in Band 3 (1957) auf. Über Leben und Werk von Cluverius findet man auch eine Kurzfassung bei Wikipedia.