KULTURELLES GEDÄCHTNIS


Aleida und Jan Assmann werden mit dem Balzan Preis 2017 geehrt

Aleida und Jan Assmann

Auf den langen Wellen der Geschichte: Balzan Preisträger Aleida und Jan Assmann

Mailand – Der Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann und seine Frau, die Anglistin und Literaturwissenschafterin Aleida Assmann werden mit dem Premio Balzan 2017 in Fachbereich Geschichte (Kollektives Gedächtnis) ausgezeichnet. In diesem von dem Franzosen Maurice Halbwachs begründeten Bereich der Geschichts- und Gesellschaftsforschung haben die beiden Assmann die Theorie vom „kulturellen Gedächtnis“ entwickelt, nach der Traditionen, Kulte und Gebräuche, die über viele Generationen vermittelt werden, unser Zeitbewusstsein und unser Selbst- und Weltbild ebenso prägen wie die Art der Vermittlung.

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Der Schweizer Historiker Thomas Meissen (Paris/Heidelberg) begründete am 11.9. in Mailand die Preisverleihung an Aleida und Jan Assmann

Jan Assmann (79) ist Emeritus der Universität Heidelberg, Aleida Assmann (70) unterrichtet an der Universität Konstanz. Mit dem 1957 ins Leben gerufenen renommierten Wissenschaftspreis, der von einer binationalen Stiftung in Mailand und Zürich unterstützt wird, werden in diesem Jahr außerdem die Inderin Bina Agarwal (Gender Studies), der Belgier Michael Gillon (Forschungen zu den Planeten des Sonnensystems) sowie die Amerikaner James P. Allison und Robert D. Schreiber (Immunologische Ansätze in der Krebstherapie) geehrt. Der im vergangenen Jahr nicht verliehene Preis für Internationale Beziehungen geht an den Amerikaner Robert O. Keohane.

Auszeichnung in Bern

Der Premio Balzan ist mit je 750.000 Schweizer Franken (rund 660.000 Euro) nach dem Nobel einer der höchst dotierten Wissenschaftspreise. Die Hälfte der Preissumme soll zur Finanzierung von Forschungsprojekten mit jungen Wissenschaftlern verwendet werden. Der Preis wird in jährlich wechselnden Fachgebieten verliehen, wobei zwei aus den Geistes- und zwei aus den Naturwissenschaften kommen. Im jährlichen Austausch findet die Auszeichnung in den Hauptstädten Italiens und der Schweiz durch das jeweilige Staatsoberhaupt statt. Die diesjährigen Preisträger nehmen die Auszeichnung am 17. November in Bern aus der Hand der Bundespräsidentin der Schweiz Doris Leuthard entgegen.

Info: balzan.org