Wirtschaft


Fiktion und Realität vermischen sich in dem Kinofilm „Anna“ von Marco Amenta über einen Bauskandal an der Südküste Sardiniens. Erinnerungen an einen alten Bauern und Hirten, der am Capo Malfatano ein Konsortium von Großunternehmern herausforderte, werden wach Mailand (Cinema Palestrina)/Cagliari – Als eines Tages Baumaschinen vor ihrer Haus- und Stallanlage unweit des Meeres an der Küste Sardiniens auftauchen, versteht Anna die Welt die mehr. Auf einem Grundstück, das , so glaubt sie, einst ihrem verstorbenen Vater gehört hat, soll ein luxuriöser Hotelkomplex entstehen. Die junge Hirtin und Bäuerin, die sich nach einer gescheiterten Ehe in Mailand aufs Land ihrer Heimat zurückgezogen hat, um mit einer kleinen Ziegenherde und einer Kuh Käse für den lokalen Markt zu produzieren, beginnt einen schier aussichtslosen Kampf um ihre Existenz und den Schutz der Natur ihrer Heimat. Das ist die dramatische Ausgangssituation im Spielfilm „Anna“ von Marco Amenta, der in den italienischen Kinos angelaufen ist. Die Protagonistin – großartig interpretiert von Rose Aste – mag eine cineastische Erfindung sein, doch ruft der Film wirkliche Vorgänge wach.

IN DER SCHWEBE


Die Welten des Marco Polo, der vor 700 Jahren bei einer Jahrzehnte langen Reise China und Europa näher brachte, in einer Ausstellung des Palazzo Ducale von Venedig. Im friedlichen Austausch, im Geben und Teilhaben suchte Marco Polo die Erfüllung eines Weltbilds, das bis heute, 700 Jahre nach dem Tod des Venezianers, nichts von seiner utopischen Kraft verloren hat Venedig – Ohne China geht nichts. Die wirtschaftliche Großmacht ist trotz politischer Widersprüche und seiner Probleme mit Menschenrechten aus den europäischen Handelsbeziehungen nicht wegzudenken. Zudem gewinnt Peking geopolitisch immer mehr an Bedeutung. Dass dabei die Beziehungen zum „Reich der Mitte“ und dem euroasiatischen Raum eine Tradition haben, die weit vor die Entdeckung Amerikas zurückgehen, zeigt die Ausstellung „I Mondi di Marco Polo“ (Die Welten des Marco Polo). Miit mehr als 300 Exponaten ist sie bis Ende September im Palazzo Ducale von Venedig zu sehen ist.

DIE HEIMAT IN DER FREMDE SUCHEN



Zwischen Ausblick und Retrospektive: Fragen der Nachhaltigkeit, der Architektur und der Mobilität in zwei wichtigen Veröffentlichungen von Vittorio Magnago Lampugnani und Erik Wegerhoff im Wagenbach Verlag Mailand – Rund 80 Prozent der Weltbevölkerung wird im Jahr 2050 in Städten leben. In urbanen Räumen wird sich entscheiden, ob es der Menschheit gelingen kann, durch eine radikal nachhaltige Entwicklung die Klimakatastrophe wenigstens zu mindern. Architektur und Mobilität fallen damit im Rahmen der Stadtplanung eine entscheidende Rolle zu. Zwei Bände, die gerade im Wagenbach Verlag erschienen sind, beschäftigen sich – wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen – mit diesem brennenden Thema. Der Architekturhistoriker Vittorio Magnago Lampugnani (72) wendet sich in einem brillant formulierten Essay „Gegen Wegwerfarchitektur“. Sein Kollege Erik Wegerhoff (49) schlägt mit „Automobil und Architektur“ detailreich einen großen Bogen durch die jüngere Stadtgeschichte. In der hat das Auto, so seine These, als „ungleich bewegter Gegenspieler“ die Architektur von der Moderne bis zur Gegenwart beeinflusst.

PAMPHLET UND HOMMAGE


Der Krimi „Groll“ von Gianrico Carofiglio, der sich mit der Ermittlerin Penelope Spada ein weibliches Alter ego geschaffen hat. Mailand – Staatsanwalt, Politiker, Fachbuchautor, Kampfsportler: Gianrico Carofiglio, 1961 in Bari geboren, ist in seinem Leben bereits in viele Rolle geschlüpft – und hat sie wieder verlassen. Seit Jahren feiert der Intellektuelle und gesellschaftlich kritisch engagierte Schriftsteller auch im deutschen Sprachraum Erfolge mit seinen Kriminalromanen. Im Folio-Verlag ist gerade der Titel „Groll“ erschienen. Darin geht es um den unerwarteten Tod eines bekannten Chirurgen und Professors der Medizin. Ein natürlicher Herzinfarkt, wie von ärztlicher Seite bestätigt, oder ein Verbrechen, wie die Tochter des Verstorbenen vermutet? Widerwillig nimmt die private Ermittlerin Penelope Spada sich dieses Falles an.

RICHTIG FRAGEN



Peter Kammerer hat für die spannende Buchveröffentlichung „Geheimsache Italien“ von Giuliano Turone eine „Gebrauchsanweisung“ als Einleitung mit Seitenblicken auch nach Deutschland geschrieben. Hier Auszüge Mailand – Das Buch „Geheimsache Italien – Politik, Geld, Verbrechen“, das gerade im Verlagshaus Römerweg erschienen ist, behandelt die Vorgänge in Italien zwischen dem Ende der 1970er- und dem Anfang der 1980er-Jahre. Der ehemalige Staatsanwalt und emeritierte Richter des römischen Kassationsgerichtshofes Giuliano Turone geht in einer akribisch recherchierten und zugleich spannend zu lesenden Dokumentation auf Basis von juristischen Quellen den verbrecherischen und antiinstitutionellen Machenschaften nach, die Gesellschaft und Politik erschütterten und die Italien an den Rand einer Staatskrise führten. Der Autor nimmt den Leser mit auf eine nicht immer leicht zu verfolgende Erzählung zwischen u.a. der Geheimloge P2, organisierter Kriminalität und terroristischen Verbindungen. Die Originalausgabe des Buches erschien 2019 im Mailänder Verlag Chiarelettere. Peter Kammerer bahnt in einer der deutschen Übersetzung vorangestellten „Gebrauchsanweisung“ den Weg durch eine Fülle von Fakten und Beziehungen und schlägt Brücken auch zu deutschen Verhältnissen. Im Folgenden werden weite Abschnitte zitiert (und mit Zwischentiteln versehen).

DIE DEMOKRATIE UND DIE ZAUBERLEHRLINGE