Frauen


Emma Dante inszeniert am Piccolo Teatro eine neue Arbeit über Humanität und Hoffnung am Bodensatz der Gesellschaft Mailand (Piccolo Teatro Grassi bis 16.2.2020) – Drei etwas heruntergekommen wirkende Frauen sitzen in einer Reihe auf der Bühne. Sie stricken, sie streiten, sie beschimpfen sich. Zwischen ihnen ein junger Mann in einem kindlichen Kleid, geistesschwach, unfähig still zu sitzen und seine Bewegungen zu kontrollieren. Bald lernt der Zuschauer, es sind drei Prostituierte, die so tagsüber ihre Zeit verbringen, während sie sich nachts wohl nicht weniger heruntergekommenen Freiern anbieten. Der Junge aber ist das Kind einer Kollegin, die von ihrem Vater brutal erschlagen worden war, seine Verhaltensstörungen sind Folgen dieser Tat. Die Drei haben ihn aufgezogen.

im Theater: Misericordia


Der Spazio Ilisso in Nuoro zeigt Arbeiten der deutschen Fotografin Marianne Sin-Pfältzer über das Leben auf Sardinien zwischen Tradition und Wandel  Nuoro (Spazio Ilisso bis 30.April)- Marianne Sin-Pfältzer, 1926 in Hanau geboren, kam 1955 zum ersten Mal nach Sardinien – und fand auf der Insel ihren Lebensmittelpunkt. Sie starb in Nuoro 2015. In ihren Fotos, die jetzt im Spazio Ilisso (Nuoro) präsentiert werden, zeigt sich die „Wucht der Gegensätze zwischen Tradition und Wandel“, wie es einmal der Schriftsteller und Anthropologe Giulio Angioni (1939 – 2017) formuliert hat. Die Arbeiten von Marianne Sin-Pfältzer (s/w wie color) spiegeln das Leben auf Sardinien bis in die 1970er Jahre wieder. In abgelegenen Dörfern oder einsamen Landstrichen, an der Küste oder in Städten wie Cagliari, bei der Arbeit oder bei Feierlichkeiten. Und immer kann man Menschen in die Augen schauen.

Heimkehr ins Dorf von gestern



Das Teatro delle Albe aus Ravenna und zwei Gastspiele in Mailand. Eine Arbeit von Marco Martinelli und eine Vorlage von Luca Doninelli interpretiert jeweils von Ermanna Montanari. Mailand (Teatro dell’Elfo/Teatro Oscar) – fedeli d’Amore („Gläubiger der Liebe“) ist ein „Polyptichon“, wie es der Autor und Regisseur Marco Martinelli nennt. Sieben Szenen, die sich um die letzten Stunden von Dante Alighieri drehen, um seine Phantasien, Ängste oder die Tochter Antonia, die zum letzten Abschied an sein Bett tritt: „Padre, sono qui, mi senti? – Vater, ich bin hier, hörst Du mich?“. Der florentinische Dichter, die (über)große Vaterfigur der italienischen Literatur, starb an einem nebligen Septembermorgen 1321 im Exil in Ravenna. Martinelli schafft im Rückgriff auf den romagnolischen Dialekt, dem Dialekt der Stadt Ravenna, Monologe von poetischer Kraft, denen Ermanna Montanari mit ihren Stimmvariationen szenischen Raum gibt, der musikalisch mit Dissonanzen noch geweitet wird. Zu den aufgefalteten Bildern des Polyptichon gehört auch eine Vision Dantes, die sich von der Zersplitterung Italiens aus der Zeit der Stadtrepubliken in die Gegenwart weitet – ein Italien, „che scalcia se stessa“, das sich laufend selbst ein Bein stellt.

im Theater: fedeli d’Amore / Maryam


Ein Gespräch mit der Fotografin Letizia Battaglia, die mit dem Kythera Kultur-Preis 2019 ausgezeichnet wurde. Ein große Ausstellung im Mailänder Palazzo Reale zeigt einen Querschnitt ihrer Arbeiten Mailand/Palermo – Seit 2001 verleiht die Kythera Kultur-Stiftung (Düsseldorf) einen Preis an europäische Persönlichkeiten, die sich um die Vermittlung romanischer Kultur verdient gemacht haben. In diesem Jahr geht der Kythera Kultur-Preis an die 84jährige Fotografin Letizia Battaglia aus Palermo. In der Begründung heißt es, Letizia Battaglia habe zwischen 1974 und 1990 mit „beeindruckenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen“ die Aktivitäten der sizilianischen Mafia dokumentiert. Ihr sei es mit zu verdanken, dass „die Grausamkeit dieser Verbrechen, die damals zumeist angstvoll beschwiegen wurden, der Öffentlichkeit zu Bewusstsein“ kamen. Darüber hinaus habe sie den Alltag vor allem der ärmeren Schichten Siziliens „liebevoll und nicht voyeuristisch“ abgebildet und dabei ihr besonderes Augenmerk auf Frauen und Kinder gerichtet. In dem von ihr initiierten Centro Internazionale di Fotografia leiste sie heute einen wichtigen Beitrag für das kulturelle Leben in Palermo. Der Palazzo Reale in Mailand widmet ihr eine Retrospektive.

„FOTOGRAFIEREN IST WIE LIEBEN“



Eine Ausstellung in Venedig feiert die Sammelleidenschaft von Peggy Guggenheim als „letzte Dogaressa“ Venedig (Coll. Peggy Guggenheim bis 27.1.2020) – Die erste Biennale von Venedig nach dem zweiten Weltkrieg, an der 1948 nur 14 Nationen teilnahmen, wollte ein Zeichen setzen für die Freiheit der Kulturen und gegen die Barbarei der Diktaturen. Ein weiter Bogen vereinte Werke von Cézanne bis Chagall, von Turner bis Guttuso, von Ensor bis Klimt. Einen deutlichen Akzent von Gegenwartskunst setzte die New Yorker Sammlerin Peggy Guggenheim, die eingeladen war, einen Teil ihrer Kollektion unter anderem mit Kubisten und Surrealisten zu zeigen. Zur Sammlung gehörten auch Werke amerikanischer Künstler des sogenannten abstrakten Impressionismus, die zum ersten Mal nach Europa kamen. Allen voran Jackson Pollock („Jack the Dripper“) mit seiner revolutionären Methode, Farbe auf die am Boden liegende Leinwand zu tröpfeln.

SIE LIEBTE DIE KUNST UND VIELE KÜNSTLER