Frauen


Der Mailänder Palazzo Reale zeigt Blätter einer gemalten Lebenserzählung von Charlotte Salomon, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Ein Gesamtkunstwerk, das erst langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringt. Mailand (Palazzo Reale bis 25. Juni) – Vor genau 100 Jahren wurde am 16. April 2017 Charlotte Salomon in Berlin geboren. Als Jüdin suchte die junge Künstlerin während des Krieges Unterschlupf bei den Großeltern in Südfrankreich. In einem kleinen“ Ort bei Nizza entstanden aus einer seelischen Krise heraus während nur 18 Monaten zwischen 1940 und 1942 hunderte Gouachen im A4-Format, mit denen sie ihre Geschichte und die ihrer Familie unter dem Titel „Leben? Oder Theater?“ erzählt. Charlotte Salomon wurde im September 1943 in Nizza verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo man sie vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet hat. Kurz vor ihrer Verhaftung hatte sie noch geheiratet und war bei ihrem Tod im fünften Monat schwanger. Wie durch ein Wunder überstand der Koffer mit den Bildern die Kriegswirren. „Leben? Oder Theater?“ wird heute im Joods Historisch Museum von Amsterdam aufbewahrt. Eine breite Auswahl von 270 Arbeiten ist jetzt zusammen mit Fotografien in Mailand im Palazzo Reale zu sehen.

DAS MÄDCHEN UND DER TOD


Dacia Maraini und die Kölner Ereignisse Mailand – Im Corriere della Sera vom 10. Januar hat Dacia Maraini, die große alte Dame der italienischen Literatur, einen nachdenklichen Beitrag zu den Ereignissen der Sylvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten veröffentlicht. Ihre wichtigsten Überlegungen sind:

Die bedrohte Freiheit



Große Ausstellung: Die Darstellung der Mutterschaft im 20. Jahrhundert (bis 15. November 2015) Mailand. Die Expo 2015, die Weltausstellung, die zurzeit in Mailand Millionen von Besuchern anzieht, steht unter dem Thema „Den Planeten ernähren – Energie fürs Leben.“ Dieses Motto strahlt auch auf viele Veranstaltungen aus, die das kulturelle Leben in der lombardischen Metropole in diesem Jahr prägen. Zu den Höhepunkten gehört sicher die Ausstellung „La Grande Madre – Die Große Mutter“. Gezeigt werden an die 600 Exponate von rund 140 Künstlerinnen und Künstlern, die sich von den frühen Avantgarden des 20. Jahrhundert über Dadaismus und Surrealismus und den Nachkriegsjahrzehnten bis heute mit dem Thema der Mutterschaft und der Rolle der Frau als Ernährerin in Familie und Gesellschaft auseinander gesetzt haben. Die Ausstellung, die von der Trussardi-Kulturstiftung in Zusammenarbeit mit der Stadt Mailand konzipiert und produziert wurde, ist bis zum 15. November im Palazzo Reale zu sehen.

LA GRANDE MADRE


„Femminicidio“ – Italien diskutiert mit einem neuen Wort über Mordtaten von Männern an Frauen Mailand (Januar 2014) – Italien ist um ein Wort reicher geworden. Das aber klingt sogar in der an Wohllauten so reichen Sprache Dantes nicht gut: „femminicidio“ – „Mord an Frauen“. Der Begriff, der sich jetzt endgültig durchgesetzt hat, meint im Gegensatz zum allgemeinen Mord („omicidio“) Gewalttaten, die von Männern an Frauen verübt werden. Von Männern, die in fast zwei Drittel aller Fälle in einer Beziehung zu den Opfern standen. Während die Mordfälle in Italien insgesamt rückläufig sind, steigen die von Männern an Frauen erschreckend an. Zwischen 2000 und 2012 wurden 2200 Frauen ermordet. Im vergangenen Jahr waren es wieder 131 – eine Frau alle zweieinhalb Tage.

„ICH LIEBE DICH, ALSO GEHÖRST DU MIR“