Ligurien


Genua, zu Silvester 2016 – Ein strahlender Tag am Meer. In Nervi muss man allerdings auf einen Spaziergang durch die alten Parkanlagen verzichten. Noch sind die Verheerungen, die orkanartige Herbststürme im Oktober angerichtet hatten, nicht beseitigt und die Parks bleiben bis auf weiteres geschlossen. Von der Uferpromenade aus sieht man, wie ein Löschflugzeug auf dem Meer Wasser aufnimmt und dann im hohen Bogen landeinwärts fliegt. Bei der trockenen Witterung dieser Nachweihnachtstage kommt es immer wieder zu Busch- und Waldbränden.

In Genua


In Genua zeigt die Villa Croce das Lebenswerk von Aldo Mondino Genua (verlängert bis 8.1.2017) – Die Villa Croce, das lebhafte Museum für Gegenwartskunst auf dem Carignano-Hügel, präsentiert Arbeiten von Aldo Mondino (Turin 1938 – 2005). Zu entdecken ist ein rastloser Künstler, der immer auf der Suche nach neuen Formen und Techniken Gegenwart aufnahm und verarbeitete. Abstrakte Arbeiten wechseln mit Gegenständlichen, Gemälde mit Skulpturen und Installationen. „Moderno, Post-Moderno, Contemporaneo“ lautet der Untertitel der Ausstellung, der den Spannungsbogen im Leben des Künstlers nachzeichnet.

SCHWALBEN AM HIMMEL



Gegenwartskunst in Ligurien und 30 Jahre Museum Villa Croce in Genua Genua (Villa Croce bis 20.März 2016) – Alte Reklameschilder, ausgediente Leuchtschriften, vergilbte Infotafeln – wer die Treppe zum ersten Stock des Museums Villa Croce zur Jubiläumsausstellung hoch geht, stößt auf ein scheinbar wild zusammen gewürfeltes Sammelsurium. Unter dem Titel „R.I.P. (landscape)“ beschreibt Andrea Nacciarriti mit dieser Installation die Veränderung von Stadtlandschaft, die sich zugleich Erinnerung bewahrt. Walter Benjamin hat über das Sammeln geschrieben, dass „jede Leidenschaft ja ans Chaos“ grenze. Diese Arbeit des in Mailand lebenden Künstlers erweist sich als gelungener Auftakt zur Ausstellung „VX30/Chaotic Passion“, die zum 30jährigen Bestehen des Einrichtung einen Dialog zwischen Teilen der festen Sammlung und neueren Arbeiten von jungen italienischen Künstlern „unter 40“ sucht.

LEIDENSCHAFT, DIE ANS CHAOS GRENZT


Genua (Villa Croce bis 11. Oktober). Seit geraumer Zeit interessiert sich die schottische Klangkünstlerin Susan Philipsz (Turner-Preis 2010) für den italienischen Physiker und Pionier der drahtlosen Telegrafie Guglielmo Marconi. Sie fotografierte kürzlich Reste seines Forschungsschiffes „Elettra“, auf dem Marconi in 1930er Jahren zwischen Genua und Santa Margherita mit Radiowellen experimentiert hatte. Für eine Klanginstallation, die sie jetzt zusammen mit den Fotos im Museum Villa Croce von Genua präsentierte, versenkte Philipsz unter anderem ein Morsegerät vor der ligurischen Küste und nahm unter Wasser Geräusche auf.

Susan Philipsz in Genua



Wie erinnern? Zwei Beispiele aus Mailand und aus Genua Italien gedenkt der Befreiung von deutscher Besatzung und der Herrschaft Mussolinis vor 70 Jahren. Am 25. April 1945 wurde vom Nationalen Befreiungskomitee in Mailand der Generalstreik in den noch von Wehrmacht und SS besetzten Gebieten Norditaliens ausgerufen. Das war zugleich das Signal zu einem allgemeinen Aufstand, durch den dann die Partisanen die Herrschaft über große Städte wie Mailand, Genua und Turin errangen, während die Alliierten von Süden kommend immer weiter vorrückten. Die Deutschen Truppen befanden sich bereits auf einem chaotischen Rückzug Richtung Alpen. Vier Tage später kapitulierten sie endgültig vor den Alliierten. In Italien wird der 25. April inzwischen als Nationalfeiertag begangen, an dem man die Resistenza, also den Widerstand ehrt, dessen Werte auch in die republikanische Verfassung Eingang gefunden haben. Zuletzt hatte sich jedoch eine Feiertagsrhetorik entwickelt, die zu einer gewissen Ermüdung der Erinnerung geführt hat. In Mailand wie in Genua gab es jetzt Versuche, die Feiern des 25. Aprils mit neuem Leben zu füllen.

70 JAHRE RESISTENZA