Florenz


Das Kunsthistorische Institut in Florenz versteht sich 120 Jahre nach seiner Gründung als ein Labor für global vernetzte Wissenschaft. Zugleich führt der digitale Umbruch in Photothek und Bibliothek zu einer überraschenden Neubewertung analoger Medien. Florenz – Welche Aufgaben hat eine moderne Kunstgeschichte? Der Kunsthistoriker Gerhard Wolf sieht sein Fach „in der Verantwortung von großen Fragen“. Dazu gehören: Das kulturelle Erbe, das kollektive Gedächtnis, die visuelle und die materielle Kultur im weitesten Sinne. Der Wissenschaftler leitet zusammen mit Alessandro Nova das Kunsthistorische Institut in Florenz (KHI), das seit 2002 zur Familie der Max-Planck-Gesellschaft gehört. Das Institut, eine der ältesten kunsthistorischen Forschungseinrichtungen weltweit, feiert jetzt am 12. Dezember sein 120jähriges Bestehen.

„EIN EXTREM SPANNENDER ORT“


Italien diskutiert über die Ankündigung von Eike Schmidt, von den Uffizien an das Kunsthistorische Museum Wien zu wechseln Florenz/Mailand – Für die italienische Kulturwelt war die Ankündigung ein Schock: Der deutsche Kunsthistoriker Eike Schmidt wird die Uffizien am Ende seiner vertraglich vereinbarten Amtsperiode Ende 2019 verlassen und dann die Nachfolge von Sabine Haag bei der Leitung des Kunsthistorischen Museums Wien antreten. Das sei kein gutes Zeichen, kommentierte der Architekt und ehemalige Kulturpolitiker Stefano Boeri. Man habe den Eindruck, Schmidt habe die Uffizien nur als Sprungbrett für einen Karrieresprung genutzt.

„WIE AUF EINEM MARKT FÜR FUSSBALLER“



Das bedeutendste Kunstmuseum Italiens revolutioniert die Eintrittspreise Florenz/Mailand – Unter den großen europäischen Museen kann man die Uffizien bislang zum Schnäppchenpreis besichtigen. Zwischen 17 und 20 Euro kosten die Tickets fürs Louvre (Paris), den Prado (Madrid), das Belvedere (Wien) oder das Rijksmuseum (Amsterdam) – die Uffizien, Italiens bedeutendstes Kunstmuseum (2,9 Besucher im Jahr 2016) gibt sich bislang mit 8 Euro (plus 4 Euro Gebühr bei Vorbuchung) zufrieden. Einen Aufpreis (zusätzlich 4,50 Euro) wird nur bei Sonderausstellungen wie gerade bei der über Sangallo verlangt. Doch das wird sich bald ändern.

SCHNELL NOCH IN DIE UFFIZIEN


Mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis werden in diesem Jahr Victoria Lorini und Reimar Klein ausgezeichnet. Berlin/Florenz/Triest – Die „Vite“, die Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten, die Giorgio Vasari  1550 in erster und 1568 in zweiter Auflage publizierte, gelten als ein Fundament für die wissenschaftliche Auseinandersetzung in der Geschichte der Kunst. Es sind Texte zu vorwiegend italienischen Künstlern von Cimabue und Giotto bis Tizian und Vasari selbst. Der Wagenbach Verlag Berlin hat sie zusammen mit dem Deutschen Kunsthistorischen Institut Florenz in einer „Edition Giorgio Vasari“ unter der Leitung von Alessandro Nova  in einer Taschenbuchreihe neu auf Deutsch und vor allem ungekürzt herausgegeben und kommentiert. Die meisten Texte dieser großartigen wissenschaftlichen wie verlegerischen Arbeit, die in 45 Bänden zwischen 2004 und 2015 entstand, hat Victoria Lorini übersetzt. Dafür wird sie jetzt mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis ausgezeichnet.

NEUE STRAHLKRAFT UND LESBARKEIT



Ausländische Direktoren bringen frischen Wind in die staatlichen Museen Italiens – doch ein Verwaltungsgericht stellt die Reform der Kultureinrichtungen in Frage TEXT ERSETZT DUCH http://cluverius.com/zwischen-europa-und-der-vorgeschichte Mailand/Turin – Im Sommer 2015 hatte der italienische Kulturminister für 20 bedeutende staatliche Museumseinrichtungen des Landes nach einem Ausschreibungsverfahren neue Direktoren berufen. Darunter waren sieben Persönlichkeiten aus dem Ausland wie der Deutsche Eike Schmidt für die Uffizien von Florenz oder der Anglokanadier James Bradburne für die Pinacoteca Brera in Mailand. Nach anfänglichen Polemiken kann jetzt eine erste Bilanz gezogen werden – und die ist positiv. Die Uffizien melden einen Besucherrekord von über 2 Millionen im Jahr 2016 und durch gezielte Neuhängungen zur Vermeidung von Schlangenbildung eine bessere Führung der Besucherströme. In der Brera sind 20 Säle neu strukturiert worden und kleine punktuelle Ausstellungen werten die Sammlung auf, was auch zu einem Plus von 5,4 Prozent mehr Besucher  gegenüber dem Erfolgsjahr der Mailänder Expo 2015 geführt hat. Im Nachtrag zu lesen: Das Verwaltungsgericht der Region Latium hat die Berufung von fünf Direktoren nach der neuen Ausschreibung – darunter die des Österreichers Peter Assmann in Mantua – für nichtig erklärt. Gegen das Urteil hat das Kulturministeriums beim Staatsrat Widerspruch eingelegt.

EINE POSITIVE BILANZ IM GEGENWIND