Sizilien


Hintergrund einer aktuellen Recherche in Palermo zur Geschichte der Mordanschläge auf Giovanni Falcone und Paolo Borsellino von 1992 in drei Folgen. Palermo – Vor 25 Jahren mussten Giovanni Falcone und Paolo Borsellino im Kampf gegen die sizilianische Mafia ihr Leben lassen. In dieser Zeit ist es der italienischen Justiz nicht gelungen, die Morde gegen die hohen Justizbeamten und die Mitglieder ihres Begleitschutzes endgültig aufzuklären. Aus Anlass des Attentats gegen Paolo Borsellino am 19. Juli 1992 präsentiert Cluverius eine aktuelle Recherche in Palermo: Eine Begegnung mit Rita Borsellino, der Schwester des ermordeten Staatsanwaltes und Untersuchungsrichters (Palermo I), ein Gespräch mit dem Mafia-Historiker Umberto Santino (Palermo II) und ein Bericht über das Teatro Massimo und die Rolle von Mafia und Antimafia in der Kulturpolitik der sizilianischen Landeshauptstadt (Palermo III).

FÜNFUNDZWANZIG JAHRE DANACH


Palermo (I) : 25 Jahre nach dem 19. Juli 1992 und dem Attentat in der Via D’Amelio: wirksame Erinnerungsarbeit und viele offene Fragen. Eine Begegnung mit Rita Borsellino Palermo – Idyllisch liegt die Villa Niscemi am Rand des Favorita-Parks im Westen Palermos. Der mit Palmen umstandene Adelssitz aus dem 18. Jahrhundert dient heute der Kommune als Repräsentationsgebäude. In den ehemaligen Stallungen hat das Studienzentrum „Paolo Borsellino“ zur Erforschung der jüngeren Geschichte Siziliens einen vorläufigen Sitz gefunden. Ein guter Ort um mit Rita Borsellino, der Schwester des von der Mafia in der Via D’Amelio ermordeten Ermittlungsrichters, zu reden und ihre Geschichte als engagierte Kämpferin der Antimafia-Bewegung Revue passieren zu lassen.  Die 72jährige bewegt sich nach einer Krankheit nur mit Mühe, im Gespräch zeigt sie sich aber lebhaft und lässt die Last des Alters vergessen. 

WER VON PAOLO ERZÄHLT, LÄSST IHN WEITERLEBEN



Palermo (II): Ein Gespräch mit dem Mafia-Experten Umberto Santino über die Rahmenbedingungen der Mordanschläge an Falcone und Borsellino und die Bedeutung der Cosa Nostra heute Palermo – Giovanni Falcone, Paolo Borsellino und die Mitglieder ihres jeweiligen Begleitschutzes wurden von Mitgliedern der sizilianischen Mafia ermordet. Über die ausführenden Täter gibt es (fast) kein Zweifel. Aber welches waren die Hintermänner und haben gar Auftraggeber außerhalb der Mafia eine Rolle gespielt? Umberto Santino, Gründer des ältesten italienischen Studienzentrums (CSD Impastato) zur Erforschung des Phänomens Mafia und ein international anerkannter Fachmann, versucht die Rahmenbedingungen zu erhellen. Im Gespräch erklärt er, warum es so schwer ist, zu einer juristische Wahrheit zu kommen und warum das Modell Mafia inzwischen weltweit Schule macht, auch wenn die Cosa Nostra, das historische Vorbild, auf Sizilien in einer schweren Krise steckt.

„ES GIBT KEINE MAFIA OHNE BEZIEHUNGEN ZUR POLITIK“


Palermo (III): Das Teatro Massimo feiert ein doppeltes Jubiläum: 120 Jahre der Gründung und 20 Jahre der Wiedereröffnung – wobei Mafia und Antimafia eine wichtige Rolle gespielt haben Palermo – Es gibt Opernhäuser, die wollen schon von außen zeigen, wie bedeutend sie sind. Palermos Teatro Massimo an der Piazza Verdi gehört dazu. Eine monumentale Freitreppe führt zu einem neoklassizistischen Portikus, der von sechs hoch aufragenden korinthischen Säulen getragen und von zwei bronzenen Löwen bewacht wird. Eine mächtige Kuppel überspannt den Zuschauerraum (für rund 1300 Besucher). Kleinere Gewölbe zieren die Nebentrakte, die wie Apsiden den Hauptbau umspannen. Das ist der Grundfläche von 7700 Quadratmetern nach das größte Opernhaus Italiens und eines der größten in Europa (nach Paris und Wien). Und wenn es abends in das warme Licht der Scheinwerfer getaucht wird, dann leuchtet ganz Palermo vor Stolz.

DIE OPER UND EIN REGENBOGEN



Palermo, Mitte Mai – Wenn es Abend wird in Palermo, dann strahlt das Teatro Massimo im warmen Licht der Scheinwerfer. Besonders jetzt, weil die Bühne sich selbst feiern kann. Vor 120 Jahren, im Mai 1897, hatte man das Opernhaus (mit Verdis „Falstaff“) eröffnet. Längst ist der Bau mit seinem eklektisch neoklassizistischen Stil als eine Art zivile Basilika das Symbol für Palermo geworden, wie es der Dom für Mailand oder die Rialtobrücke für Venedig sind. Tagsüber flanieren Passanten auf der Piazza Verdi und Touristen sitzen auf der prächtigen Freitreppe, die hoch zu den Säulen des Portikus führt. Abends treffen sich hier Jugendliche. In das von der Grundfläche größte Theater Italiens (und nach den Opern in Paris und Wien das drittgrößte in Europa) strömen außerhalb der Veranstaltungen jährlich rund 100 000 Besucher zu Führungen in seine von Kuppeln gekrönten Räumen, die teilweise in einem pompejanischen Stil ausgemalt wurden. Damit ist das Teatro Massimo nach der Cappella Palatina das meistbesuchte Monument der Stadt.

In Palermo