Sizilien


Palermo, Mitte Mai – Wenn es Abend wird in Palermo, dann strahlt das Teatro Massimo im warmen Licht der Scheinwerfer. Besonders jetzt, weil die Bühne sich selbst feiern kann. Vor 120 Jahren, im Mai 1897, hatte man das Opernhaus (mit Verdis „Falstaff“) eröffnet. Längst ist der Bau mit seinem eklektisch neoklassizistischen Stil als eine Art zivile Basilika das Symbol für Palermo geworden, wie es der Dom für Mailand oder die Rialtobrücke für Venedig sind. Tagsüber flanieren Passanten auf der Piazza Verdi und Touristen sitzen auf der prächtigen Freitreppe, die hoch zu den Säulen des Portikus führt. Abends treffen sich hier Jugendliche. In das von der Grundfläche größte Theater Italiens (und nach den Opern in Paris und Wien das drittgrößte in Europa) strömen außerhalb der Veranstaltungen jährlich rund 100 000 Besucher zu Führungen in seine von Kuppeln gekrönten Räumen, die teilweise in einem pompejanischen Stil ausgemalt wurden. Damit ist das Teatro Massimo nach der Cappella Palatina das meistbesuchte Monument der Stadt.

In Palermo


Die Übernahme von Führungsrollen durch die Mafia bei Kriegsende auf Sizilien von Pif mit den Mitteln der Komödie erzählt Mailand (Cinema Anteo) – Das ist nicht die erste filmische Erzählung über die Landung der angloamerikanischen Truppen auf Sizilien im Juli 1943. Und über die Rolle, die dabei die Mafia gespielt haben soll. Aber sie wurde vielleicht noch nie so persönlich in eine Liebesgeschichte eingebettet und mit Mitteln der Komödie erzählt, wie es der Regisseur und Schauspieler Pierfrancesco Diliberto „In guerra per amore / Aus Liebe in den Krieg“ macht.

im Kino: In guerra per amore



Der Mafia-Boss Bernardo Provenzano ist gestorben Mailand/Corleone – Der sizilianische Mafia-Boss Bernardo Provenzano ist am 13. Juli im Alter von 83 Jahren in dem Mailänder Krankenhaus San Paolo an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Er galt als der letzte „klassische“ Padrino, der bis zu seiner Verhaftung 2006 mit Autorität aus dem Untergrund heraus die Geschäfte der Cosa Nostra steuerte und zwischen rivalisierenden Clans zu vermitteln wusste. Dabei benutzte er auf kleinen Zetteln mit Schreibmaschine verschlüsselt geschriebene Botschaften („Pizzini“), die von Hand zu Hand wanderten – ein gleichsam „abhörsicheres“ Kommunikationssystem.

VOM KILLER ZUM PADRINO


In Palermo ist das verschollene Gemälde einer Geburt Christi durch ein High-tech-Faksimile zurückgekehrt Palermo – Es ist Dezember und die Stadt hat mit der „Natività“ ihr vielleicht berühmtestes Weihnachtsbild wieder. Eine „Geburt Christi mit den Heiligen Franziskus und Lorenz“ von Michelangelo Merisi (1571-1610), den alle Welt nur Caravaggio nennt. Das rund zwei Meter breite und fast drei Meter hohe Gemälde wurde vor über 40 Jahren aus dem Oratorium von San Lorenzo geraubt und ist seitdem verschollen. Vermutlich war die Mafia im Spiel, und aller Wahrscheinlichkeit nach wurde es zerstört. Seit wenigen Tagen aber hängt über dem Altar eine rund 100 000 Euro teure Wiedergeburt, die vorgibt, dem Original aufs Haar zu gleichen. Der britische Künstler und Fototechniker Adam Lowe und sein in Madrid beheimatetes Laborunternehmen Factum Arte, das auf High-tech-Faksimiles in der Kunst spezialisiert ist, haben die „Natività“ nach Monate langer Arbeit wieder auferstehen lassen. Weihnachten und Ostern fallen in diesem Jahr in Palermo zusammen.

CARAVAGGIOS WEIHNACHTLICHE AUFERSTEHUNG



Zum 90. Geburtstag von Andrea Camilleri (und zum 65. von Salvo Montalbano) Neunzig Jahre wird er alt und kann es nicht lassen. Andrea Camilleri schreibt auf Teufel komm raus ein Buch nach dem anderen. Er arbeitet schwer sehbehindert mühsam mit Riesenlettern auf dem Computer.In diesem Sommer ist gerade bei Sellerio (Palermo) ein neuer Band seiner Montalbano Krimiserie heraus gekommen. Ein weiterer ist in Vorbereitung. Während eine bislang nur als Beilage für den Corriere della Sera erschienene Erzählung „La Targa“ („Die Ehrentafel“) gerade bei Rizzoli (Mailand) überarbeitet als Buch veröffentlicht wird. Ohne das tägliche Schreiben kann der greise Autor offensichtlich nicht mehr leben.

FEUERWERK IN VIGATA