Urbino


Ausländische Direktoren bringen frischen Wind in die staatlichen Museen Italiens – doch ein Verwaltungsgericht stellt die Reform der Kultureinrichtungen in Frage TEXT ERSETZT DUCH http://cluverius.com/zwischen-europa-und-der-vorgeschichte Mailand/Turin – Im Sommer 2015 hatte der italienische Kulturminister für 20 bedeutende staatliche Museumseinrichtungen des Landes nach einem Ausschreibungsverfahren neue Direktoren berufen. Darunter waren sieben Persönlichkeiten aus dem Ausland wie der Deutsche Eike Schmidt für die Uffizien von Florenz oder der Anglokanadier James Bradburne für die Pinacoteca Brera in Mailand. Nach anfänglichen Polemiken kann jetzt eine erste Bilanz gezogen werden – und die ist positiv. Die Uffizien melden einen Besucherrekord von über 2 Millionen im Jahr 2016 und durch gezielte Neuhängungen zur Vermeidung von Schlangenbildung eine bessere Führung der Besucherströme. In der Brera sind 20 Säle neu strukturiert worden und kleine punktuelle Ausstellungen werten die Sammlung auf, was auch zu einem Plus von 5,4 Prozent mehr Besucher  gegenüber dem Erfolgsjahr der Mailänder Expo 2015 geführt hat. Im Nachtrag zu lesen: Das Verwaltungsgericht der Region Latium hat die Berufung von fünf Direktoren nach der neuen Ausschreibung – darunter die des Österreichers Peter Assmann in Mantua – für nichtig erklärt. Gegen das Urteil hat das Kulturministeriums beim Staatsrat Widerspruch eingelegt.

EINE POSITIVE BILANZ IM GEGENWIND


Fermignano/Urbino im Juni 2016– Kurvenreich erreicht man von Urbino aus die antike Römerstraße Flaminia. Das war für fast 2000 Jahre die wichtigste Verkehrsverbindung von Rom über den Apennin Umbriens und der Marken zur oberen Adria bis nach Rimini. Ein Pilger- und Handelsweg, der gelegentlich auch militärische Bedeutung erlangte. Heute führt die Via Flaminia auf den Gebirgsstrecken in Naturschutzgebiete wie etwa das der Gola del Furlo unweit von Fermignano. Eine Paralleltrasse nimmt inzwischen den modernen Verkehr auf. Der alte Weg verläuft entlang des Candigliano, eines Zuflusses des Metauros, durch eine enge, atemberaubende Schlucht zwischen dem Monte Pietralata (889 Meter hoch) und dem Monte Paganuccio (976 Meter).

Durch die Gola del Furlo



  Urbino, Ende August – Italien ist reich an historischen Zentren. Doch wenige Orte lassen in ihrem Stadtbild die Atmosphäre längst vergangener Jahrhunderte so aufleben wie Urbino. Besonders wenn Wolken über die Stadt ziehen und die Reisebusse ausbleiben, kann man sich durch ihren Gassen streifend in den Einsamkeiten des späten Mittelalter und der Renaissance verlaufen. Viele Palazzi aber auch einfache Häuser sind liebevoll restauriert. Erinnerungstafeln, die selbst schon Geschichte scheinen, rufen längst verklungene Namen in die Gegenwart. Wer war der „architetto militare“ Commandino? Zauber verbreiten Kirchen und Kapellen, bleiben geheimnisvoll wie die gotischen Darstellungen im Oratorium des San Giovanni. Sogar wo die Besucher bei gutem Wetter in größeren Gruppen die Spuren eines Raffaels oder eines Federicus Dux aufnehmen, geht es unaufdringlich zu. „Benvenuti a Urbino – welcome to Urbino“ – der Schriftzug der regionalen Verkehrsgesellschaft begrüßt die Ankommenden am neuen Busbahnhof unterhalb der Porta Lucia, dem nach Renzo Piano schönsten Tor der Stadt. Der Bahnhof darunter – ein seelenloses Betonambiente. Zu Füßen von zehn Stockwerken mit Parkdecks und einem Einkaufszentrum, in dem viele Verkaufsflächen unvermietet bleiben. Kälter kann man nicht empfangen werden. Und wenn man von der Busstation mit dem Fahrstuhl hochfährt zur Porta Lucia muss man umsteigen – auf der […]

In Urbino