Buchhandel


Zum Tod von Inge Feltrinelli Mailand – Inge Feltrinelli liebte Farben. Aber sie mussten lebhaft sein, gelb oder orange leuchten, denn die große alte Dame des italienischen, des europäischen Verlagswesens war die Lebhaftigkeit in Person. Lauthals begrüßte sie Gäste in ihrem mit Büchern, Fotos und Zeitungsausschnitten vollgestopften Arbeitszimmer. Begeistert erzählte sie von „ihren“ Autoren. Schwärmte von der nächsten Eröffnung einer Feltrinelli-Buchhandel und lobte die tollen Mitarbeiter, „vor allem die Frauen“, überschwänglich. Vor zwei Wochen wurde in Mailand ein weiterer Feltrinelli-Verkaufspunkt des Formats RED („Read, eat and dream“) eröffnet. Und zum ersten Mal fehlte Inge bei solch einer Veranstaltung. Kurz darauf, am 20. September, ist sie im Alter von 87 Jahren gestorben.

NOCH EINMAL IN STOCKHOLM TANZEN


Neustart der Mailänder Buchmesse „Tempo di Libri“ im März. Die Buchmesse unterstützt die Veranstaltung mit ihrem Fellowship Programm Mailand – Die vom italienischen Verlegerverband AIE veranstaltete Messe „Tempo di Libri“ (Zeit für Bücher“) möchte sich neben dem Turiner „Salone del Libro“ als zweite große italienische Buchmesse etablieren. „Tempo di Libri“ findet dieses Jahr vom 8. bis 12. März auf dem zentrumsnahen Gelände der Mailänder Stadtmesse (Fieramilanocity) statt. Wie im vergangenen Jahr erfolgreich erprobt wird parallel ein Milan International Rights Center eingerichtet (8. bis 10. März), für das sich bereits Verlagsvertreter und Literaturagenten aus 30 Ländern angemeldet haben. „Tempi di Libri“ hat in Partnerschaft mit der Frankfurter Buchmesse ein „Frankfurt-Milan Fellowship Programm“ organisiert, das am 6. und 7. März eine internationale Delegation von Vertretern der Verlagsbranche die Gelegenheit geben wird, den italienische Buchmarkt genauer kennen zu lernen.

IN PARTNERSCHAFT MIT FRANKFURT



Maurizio Torchio erzählt in seinem Roman „Das angehaltene Leben“ eindringlich von der irrationalen Logik der Gefängniswelt Mailand – In der Regel verdrängen wir, dass es eine Welt neben der Welt gibt. Einen Raum am Rand der Gesellschaft, der mit dem gefüllt wird, was die Gesellschaft ausstößt: das Gefängnis. Wie es dort zugeht, will man meist nicht so genau wissen. Manchmal bekommt man Einblicke etwa über Kriminalfilme oder über Berichte hier und da in den Medien. Ein Intellektueller wie Adriano Sofri hatte vor Jahren eine Zeit lang täglich mit kurzen Texten („Piccola posta“) in der Zeitung „Il Foglio“ aus dem Alltag seiner Haftzeit in einer Strafanstalt in Pisa erzählt und Absurditäten und Hässlichkeiten geschildert. Sicher tut man Sofri Unrecht, doch nach der Lektüre des Romans „Das angehaltene Leben“ von Maurizio Torchio erscheinen seine Gefängnisjahre wie ein Sanatorium hinter Gittern. In dem Roman beschreibt ein Gefangener lakonisch eine von Brutalität und Sinnlosigkeit durchdrungene Welt der Weggeschlossenen so dicht, dass man manchmal das Gefühlt bekommt, selbst in einer Zelle zu sitzen.

DIE WELT DER BÖSEN


Der italienische und der internationale Verlegerverband protestieren gegen das Verbot von Büchern über Gender-Familien in den kommunalen Bibliotheken von Verona Mailand/Verona – Kaum als Spitzenkandidat einer Mitte-Rechts-Koalition gewählt hat der neue Bürgermeister von Verona Federico Sboarina angekündigt, sein Wahlprogramm zügig umzusetzen und wie gefordert alle Veröffentlichungen aus den kommunalen Bibliotheken, Schulen, Kindergärten und Institutionen zu entfernen, die Familien gleichen Geschlechts mit traditionellen, „natürlichen“ Ehebünden auf eine Stufe stellen. Dagegen hat jetzt der Niederländer Michiel Kolman, Präsident der International Publisher Association (IPA) in einem Schreiben an den Bürgermeister protestiert.

„ZENSUR IST INAKZEPTABEL“



Mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis werden in diesem Jahr Victoria Lorini und Reimar Klein ausgezeichnet. Berlin/Florenz/Triest – Die „Vite“, die Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten, die Giorgio Vasari  1550 in erster und 1568 in zweiter Auflage publizierte, gelten als ein Fundament für die wissenschaftliche Auseinandersetzung in der Geschichte der Kunst. Es sind Texte zu vorwiegend italienischen Künstlern von Cimabue und Giotto bis Tizian und Vasari selbst. Der Wagenbach Verlag Berlin hat sie zusammen mit dem Deutschen Kunsthistorischen Institut Florenz in einer „Edition Giorgio Vasari“ unter der Leitung von Alessandro Nova  in einer Taschenbuchreihe neu auf Deutsch und vor allem ungekürzt herausgegeben und kommentiert. Die meisten Texte dieser großartigen wissenschaftlichen wie verlegerischen Arbeit, die in 45 Bänden zwischen 2004 und 2015 entstand, hat Victoria Lorini übersetzt. Dafür wird sie jetzt mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis ausgezeichnet.

NEUE STRAHLKRAFT UND LESBARKEIT