Buchhandel


Maurizio Torchio erzählt in seinem Roman „Das angehaltene Leben“ eindringlich von der irrationalen Logik der Gefängniswelt Mailand – In der Regel verdrängen wir, dass es eine Welt neben der Welt gibt. Einen Raum am Rand der Gesellschaft, der mit dem gefüllt wird, was die Gesellschaft ausstößt: das Gefängnis. Wie es dort zugeht, will man meist nicht so genau wissen. Manchmal bekommt man Einblicke etwa über Kriminalfilme oder über Berichte hier und da in den Medien. Ein Intellektueller wie Adriano Sofri hatte vor Jahren eine Zeit lang täglich mit kurzen Texten („Piccola posta“) in der Zeitung „Il Foglio“ aus dem Alltag seiner Haftzeit in einer Strafanstalt in Pisa erzählt und Absurditäten und Hässlichkeiten geschildert. Sicher tut man Sofri Unrecht, doch nach der Lektüre des Romans „Das angehaltene Leben“ von Maurizio Torchio erscheinen seine Gefängnisjahre wie ein Sanatorium hinter Gittern. In dem Roman beschreibt ein Gefangener lakonisch eine von Brutalität und Sinnlosigkeit durchdrungene Welt der Weggeschlossenen so dicht, dass man manchmal das Gefühlt bekommt, selbst in einer Zelle zu sitzen.

DIE WELT DER BÖSEN


Der italienische und der internationale Verlegerverband protestieren gegen das Verbot von Büchern über Gender-Familien in den kommunalen Bibliotheken von Verona Mailand/Verona – Kaum als Spitzenkandidat einer Mitte-Rechts-Koalition gewählt hat der neue Bürgermeister von Verona Federico Sboarina angekündigt, sein Wahlprogramm zügig umzusetzen und wie gefordert alle Veröffentlichungen aus den kommunalen Bibliotheken, Schulen, Kindergärten und Institutionen zu entfernen, die Familien gleichen Geschlechts mit traditionellen, „natürlichen“ Ehebünden auf eine Stufe stellen. Dagegen hat jetzt der Niederländer Michiel Kolman, Präsident der International Publisher Association (IPA) in einem Schreiben an den Bürgermeister protestiert.

„ZENSUR IST INAKZEPTABEL“



Mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis werden in diesem Jahr Victoria Lorini und Reimar Klein ausgezeichnet. Berlin/Florenz/Triest – Die „Vite“, die Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten, die Giorgio Vasari  1550 in erster und 1568 in zweiter Auflage publizierte, gelten als ein Fundament für die wissenschaftliche Auseinandersetzung in der Geschichte der Kunst. Es sind Texte zu vorwiegend italienischen Künstlern von Cimabue und Giotto bis Tizian und Vasari selbst. Der Wagenbach Verlag Berlin hat sie zusammen mit dem Deutschen Kunsthistorischen Institut Florenz in einer „Edition Giorgio Vasari“ unter der Leitung von Alessandro Nova  in einer Taschenbuchreihe neu auf Deutsch und vor allem ungekürzt herausgegeben und kommentiert. Die meisten Texte dieser großartigen wissenschaftlichen wie verlegerischen Arbeit, die in 45 Bänden zwischen 2004 und 2015 entstand, hat Victoria Lorini übersetzt. Dafür wird sie jetzt mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis ausgezeichnet.

NEUE STRAHLKRAFT UND LESBARKEIT


Die Buchmesse „Tempo di Libri“ blieb mit rund 70.000 Besuchern hinter den Erwartungen zurück, konnte jedoch fachlich überzeugen. Mailand – Am Sonntag den 23. April ist die erste Ausgabe der nationalen Buchmesse „Tempi di Libri“ („Zeit der Bücher“) zu Ende gegangen. Auf der vom italienischen Verlegerverband AIE in Mailand veranstalteten Messe hatten von Mittwoch 19. April rund 520 Aussteller (davon etwa 450 Verlage) ihre Angebote gezeigt. Auf insgesamt 720 Veranstaltungen traten an die 2000 Gäste (Branchenfachleute, Schriftsteller, Journalisten, Politiker u.a.) auf. Als Erfolg wurde das zur Messe eingerichtete Milan International Rights Center mit Verlagsvertretern und Literaturagenten aus 32 Ländern gewertet. Aus Deutschland waren unter anderen Bertelsmann, Fischer, Hanser und Wagenbach vertreten. Der Zuschauerzustrom der Verkaufsmesse blieb mit rund 70.000 Besuchern auf der Messe wie bei den Veranstaltungen in der Stadt hinter den Erwartungen zurück – ebenso der Umsatz der Verlage an den Ständen.

DER MAILÄNDER WEG



Gespräch mit Federico Motta, dem Präsidenten des italienischen Verlegerverbandes AIE, über den italienischen Buchmarkt und die neue Mailänder Buchmesse „Zeit der Bücher“ Mailand – Vom 19. bis zum 23. April findet in Mailand eine nationale Buchmesse unter dem Titel „Tempo di Libri“ („Zeit der Bücher“) als „Messe der italienischen Buchbranche“ (Untertitel) statt. Veranstalter ist der italienische Verlegerverband, die Associazione degli Editori Italiani (AIE). Der Verband hatte sich im Herbst vergangenen Jahres von dem Salone del Libro, der traditionellen Messe, die seit 30 Jahren in Turin organisiert wird, getrennt (siehe Cluverius „Mailand ist eine Messe wert“). Vorausgegangen waren monatelange Auseinandersetzungen mit der Betreibergesellschaft des Salone del Libro über die Leitung und Gestaltung der Veranstaltung, die in diesem Jahr vom 18. bis 22. Mai in Turin durchgeführt wird. Auf der Mailänder Messe werden rund 460 Verlage mit einem eigenen Stand vertreten sein, für Turin haben sich über 700 Aussteller (teilweise an Gemeinschaftsständen) gemeldet. Der italienische Buchmessenstreit war Anlass für ein Gespräch mit dem Präsidenten des Verlegerverbandes Federico Motta.

„WIR GLAUBEN AN DIESES PROJEKT“