Kulturpolitik


Die Fondazione Trussardi versucht in Mailand, unter der Leitung von Beatrice Trussardi, mit Gegenwartskunst in den Alltag hinein zu wirken und öffentliches Bewusstsein zu wecken Mailand – „Ich bin eine kulturelle Aktivistin.“ Beatrice Trussardi leitet die 1996 von ihrem Vater Nicola in Mailand gegründete Fondazione Trussardi. „Kunst ist für mich ein Mittel, die Notlagen, die Probleme der Welt zu verstehen,“ sagt die 47jährige in einem Gespräch mit Auslandsjournalisten der Foreign Press Milano. Die Trussardi Kulturstiftung hat gerade zusammen mit der Messe miart und dem Künstler Ibrahim Mahama aus Ghana das Projekt „A Friend“ konzipiert, bei dem die beiden neoklassizistischen Zollgebäude der Porta Venezia in Mailand für zwei Wochen mit Jutesäcken aus der afrikanischen Heimat des Künstlers verhängt wurden. Die historische Stadttoranlage am Beginn des Corso Buenos Aires, Mailands längster Einkaufsstraße, wurde so zu einem Symbol für den Zusammenhang von Konsum, Globalisierung und Emigration.

HEUTE HIER, MORGEN DA


Montecassino (2): Mittelalterliche Einrichtungen der Benediktiner in Italien möchten in die Welterbe-Liste der Unesco aufgenommen werden. Ein Gespräch mit dem Kunsthistoriker Ruggero Longo Montecassino/Mailand – Das Stammkloster der Benediktiner auf dem Monte Cassino spielt eine zentrale Rolle bei einer Initiative, die sich für die Aufnahme der Kulturlandschaft der mittelalterlichen Benediktinersitze Italiens in die Unesco-Liste des Welterbes einsetzt. Die erste Hürde ist genommen und die Kandidatur anerkannt. Es geht um acht Niederlassungen der Benediktiner in Italien. Neben der Abtei Montecassino (Region Latium) und den Klostern in Subiaco (ebenso im Latium), die noch von Benedikt selbst gegründet wurden, gehören dazu unter anderen auch die Abtei San Pietro al Monte (Lombardei) oder die Sacra di San Michele (Piemont) – hier zur vollständigen Liste. Das endgültige Bewerbungsdossier steht kurz vor dem Abschluss. Mit einer Entscheidung kann man ab 2020 rechnen.

DER FRIEDEN DER MÖNCHE



Montecassino/Mailand (3): Wer (und warum) rettete Kunstschätze und Dokumente der Abtei vor der Zerstörung durch den Bombenangriff? Eine Geschichte mit Elementen zu einem Kloster-Krimi Montecassino/Mailand – Wer Glück hat, kann sich von Don Luigi Maria Di Bussolo die Räume der Bibliothek mit dem historischen Bestand – heute unter staatlicher Verwaltung – zeigen lassen. Don Luigi, ist einer von zehn Mönchen, die gegenwärtig im Kloster leben und mit Hilfskräften die gesamte Anlage am Leben halten. Der Bestand der Bibliothek, so der Benediktiner, sei einzigartig auf der Welt. Dazu gehöre ein Kodex aus dem 6. Jahrhundert, ein Kommentar der Paulus Briefe durch den Kirchenvater Ambrosiaster. Oder das erste bekannte Dokument in italienischer Sprache („volgare campano“), die Placiti Capuani, über Rechtsstreitigkeiten eines Klosters in Süditalien aus dem Jahr 960.

VON SCHATTEN DURCHZOGEN


Die Lagunenstadt darf jetzt auch von Tagespendlern eine Ortstaxe verlangen. Aber hat noch keinen Modus dafür gefunden Venedig – Wie soll das gehen? Drehkreuze und Kassenhäuschen an der Piazzale Roma, vor dem Bahnhof, am Flughafen? Aufpreise für Bahn-, Bus-, Schiff- und Flugtickets? Ein obligatorischer Venedig-Pass? Abbuchung vom Handy? Zugang nur nach Vorbestellung? Sonderregelungen für Museums- und Biennale-Besucher? Muss man demnächst Schlange stehen, wenn man nach Venedig will?

SCHLANGESTEHEN VOR VENEDIG?



Hölderlin und Europa – ein Gespräch mit dem Philosophen Markus Ophälders Mailand – Was gerade in Berlin, Rom oder Wien beredet und beschlossen wird, lässt an der europäischen Idee, an der politischen und kulturellen Identität Europas zweifeln, wenn nicht sogar verzweifeln. Europa schließt sich nicht nur an seinen Außengrenzen ab, sondern auch zwischen den Staaten der EU werden gerade wieder Schlagbäume aufgestellt, an denen Grenzüberschreitungen abprallen oder durch sie zumindest erschwert werden. Dass man Europa von seinen kulturellen Grundlagen aus anders denken kann, zeigt – ausgehend von einer Tagung in der Villa Vigoni – ein Gespräch mit dem Philosophen Markus Ophälders über Hölderlin.

GRENZÜBERSCHREITUNGEN