Palermo


Palermo, Ende Oktober – Die Via Immacolatella schlängelt sich kaum einhundert Meter lang durch das Altstadtviertel Kalsa. Ein paar Schritte von der Basilica di San Francesco entfernt liegt das Oratorio di San Lorenzo, das barocke Gebetshaus des Franziskanerklosters von Palermo. Eine überreiche weiße Stuckverzierung schmückt die Wände mit Szenen aus den Leben der Heiligen Laurentius und Franziskus. Kleine freistehende Figuren dieser anmutigen theatralischen Szenografien wurden jedoch von Dieben herausgebrochen oder Opfer vandalischen Treibens. Noch schlimmer ging es dem Altarbild, einer Darstellung der Geburt Christi mit den beiden hier verehrten Heiligen, gemalt von Caravaggio in Palermo 1609. Vor 50 Jahren, Mitte Oktober 1989, wurde die rund 3 mal 2 Meter große Leinwand von Dieben sauber aus ihrer Holzverschalung geschnitten. Seitdem ist die „Natività“ von Caravaggio nicht wieder aufgetaucht und gehört zu den zehn meist gesuchten Kunstwerken auf der Welt.  

In Palermo


Palermo: Ein Gespräch mit der Fotografin Letizia Battaglia, die mit dem Kythera Kultur-Preis 2019 ausgezeichnet wurde Mailand/Palermo – Seit 2001 verleiht die Kythera Kultur-Stiftung (Düsseldorf) einen Preis an europäische Persönlichkeiten, die sich um die Vermittlung romanischer Kultur verdient gemacht haben. In diesem Jahr geht der Kythera Kultur-Preis an die 84jährige Fotografin Letizia Battaglia aus Palermo. In der Begründung heißt es, Letizia Battaglia habe zwischen 1974 und 1990 mit „beeindruckenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen“ die Aktivitäten der sizilianischen Mafia dokumentiert. Ihr sei es mit zu verdanken, dass „die Grausamkeit dieser Verbrechen, die damals zumeist angstvoll beschwiegen wurden, der Öffentlichkeit zu Bewusstsein“ kamen. Darüber hinaus habe sie den Alltag vor allem der ärmeren Schichten Siziliens „liebevoll und nicht voyeuristisch“ abgebildet und dabei ihr besonderes Augenmerk auf Frauen und Kinder gerichtet. In dem von ihr initiierten Centro Internazionale di Fotografia leiste sie heute einen wichtigen Beitrag für das kulturelle Leben in Palermo.

„FOTOGRAFIEREN IST WIE LIEBEN“



Franco Maresco spielt in seinem in Venedig preisgekrönten Film über den „Bauch“ von Palermo mit Dokumentation und Fiktion Milano (Cinema Anteo) – Was ist von den Helden geblieben und für wen sind sie überhaupt Helden? 25 Jahre nach den Mafia-Morden an Giovanni Falcone und Paolo Borsellino untersucht der Filmmacher Franco Maresco die Stimmung in den Unterschichten von Palermo. Und entwirft, indem er Dokumentation und Satire mischt, ein grotesk-trübes Bild von „oben“ verordneten Erinnerungsriten und der Trostlosigkeit der Da-unten im „Bauch“ der sizilianischen Regionalhauptstadt. Als Leitfiguren dienen ihm die Fotografin Letizia Battaglia – eine Veteranin auch der Antimafiabewegung – und der Impressario Ciccio Mira, der für eine Truppe von „neumelodischen“ Künstlern Auftritte bei Stadtteilfesten und in einem lokalen TV-Sender organisiert.

im Kino: La mafia non è più quella di una ...


Marco Bellocchio erzählt die Geschichte von Tommaso Buscetta, der als „Ehrenmann“ der italienischen Justiz das Innenleben der Cosa Nostra aufdeckt und so zur Verurteilung Hunderter Mafiosi beiträgt. Mailand (Cinema Arlecchino) – Er sei kein pentito, kein „Reumütiger“, beteuert Tommaso Buscetta gegenüber Staatsanwalt Giovanni Falcone, der ihn zur Mitarbeit mit den Justizbehörden bewegt hat. Als ehemaliger Ehrenmann der Cosa Nostra glaubt Don Masino weiterhin an die traditionellen Regeln der sizilianischen Mafia, die aber von Totò Riina und den Corleonesen mit den Füßen getreten werden, nachdem sie sich in einem blutigen inneren Krieg in den 1980er Jahren an die Spitze der kriminellen Vereinigung geputscht hatten. Marco Bellocchio erzählt in seinem Film Il traditore („Der Verräter“) die Geschichte eines Verbrechers, der als Kronzeuge zur Verurteilung von 346 Mafiosi (darunter 19 mal lebenslänglich) im ersten sogenannten Maxiprozess 1987 in Palermo beiträgt.

im Kino: Il traditore



Geschichte der Mafia und der Antimafia in einer Untersuchung von Umberto Santino Mailand/Palermo – Die Mafia ist längst kein Thema für Italien allein. Spätestens seit den Morden von Duisburg im Jahr 2007 bei einer internen Auseinandersetzung von Clans der ‚Ndrangheta, der kalabresischen Mafia, kam das Problem auch ins Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit. Kürzlich sorgte eine zwischen der deutschen und italienischen Polizei koordinierten Großrazzia mit Massenverhaftungen in beiden Ländern für Aufsehen. Mafia bleibt jedoch ein von Stereotype und falschen Vorstellungen umnebelter Begriff, der eher von erzählerischen Formen (Kino, TV, Romanen) geprägt wird als von Fakten und Hintergründen. In diesem Zusammenhang hilft die deutsche Übersetzung einer Buchveröffentlichung von Umberto Santino „Phänomen Mafia – Geschichte der Mafia und Antimafia“, die im Weltbuch Verlag erschienen ist.

Phänomen Mafia