Rom


Der Film von Daniele Vicari geht trotz dramaturgischer Schwächen unter die Haut. Mailand (Cinema Mexiko) – Der Titel – „Sole cuore amore“ – klingt nach Sommerkomödie. Doch der Film von Daniele Vicari erzählt eine ganz andere Geschichte. Eli, die mit ihrem chronisch arbeitslosen Ehemann und vier Kindern in Pomezia lebt, fährt jeden Morgen, sieben Tage in der Woche, nach Rom, 2 Stunden hin, 2 Stunden zurück, um acht Stunden in einer Kaffee-Bar zu arbeiten. Unter ihr wohnt Vale, Tänzerin und Performerin, die eine konfliktvolle Beziehung mit ihrer Mutter durchlebt. Zugleich fühlt sich Vale von ihrer Tanzpartnerin angezogen, die sie – wenigstens für ein kurze Zeit – aus den Händen eines Verbrechers befreit. Eli und Vale, in gleichsam geschwisterlicher Solidarität verbunden, müssen einen Alltag bestehen, in dem Arbeit Mangelware bleibt oder in der Schattenwirtschaft kaum das Überleben ermöglicht. Und in dem Familie, Liebe gar, auf wenige Gesten reduziert wird. Wie Elis älteste Tochter sagt: „Wenn Frau werden heißt, ein Leben wie Du zu führen, dann möchte ich lieber sterben.“

im Kino: Sole cuore amore


Insolera (1): Peter Kammerer erinnert an den Architekten und Stadtplaner Italo Insolera Roma/Urbino – Italo Insolera (1929-2012) hat im Jahre 1962 mit “Roma moderna” das Standardwerk zur modernen römischen Stadtentwicklung geschrieben, das seither in zahlreichen Auflagen jedes Mal erweitert und aktualisiert erschien, zuletzt im Jahre 2011. Insolera interessierte sich besonders für die Wachstumsgesetze der Stadt. Er setzte sich für eine nachhaltige Wiedergewinnung des historischen Stadtbildes durch Vorschläge etwa zur Begrenzung des Verkehrs und für Restaurierungen ein. Zugleich stellte er das Problem der Peripherie: “Il piano della città comincia fuori della città”. Eine Erinnerung von Peter Kammerer an den Freund ist jetzt in dem Band “Italo Insolera fotografo“ (AA.VV., Palombi Editori) erschienen, der dem (bislang unbekannten) Fotografen Insolera gewidmet ist.

CARO ITALO



Insolera (2): Eine Rezension über „Roma moderna. Un secolo di storia urbanistica“ von Italo Insolera, die 1966 in den „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik“ veröffentlicht wurde. München/Urbino – Das bei Einaudi  zum ersten Mal 1962 erschienene Standardwerk Insoleras ist seither in zahlreichen Auflagen erweitert und aktualisiert herausgekommen – zuletzt im Jahre 2011. Diese letzte Ausgabe, die derzeit ins Englische übersetzt wird, spannt den Bogen von der Jahrtausendwende zurück bis in die Napoleonische Ära. Hier die Dokumentation der Rezension von Peter Kammerer, geschrieben in München 1966, die außerdem Antonio Cedernas Arbeit „Mirabilia Urbis“ (Einaudi 1965) einbezieht.

EINE FASZINIERENDE STADTGESCHICHTE


Francesco Bruni hat eine liebevolle und zugleich bittere Komödie über die Generationen gedreht. Mailand (Cinema Arcobaleno) – Ein 22jähriger Taugenichts, Alessandro, hängt den ganzen Tag mit seinen Freunden aus dem Viertel auf der Piazza rum. Dumme Sprüche, nichts im Kopf und unfähig tiefe Gefühle zu entwickeln. Doch bald erweist sich, dass man ihn und seine Freunde nicht so einfach abschreiben kann. Widerwillig nimmt Alessandro (Andrea Carpenzano) einen Job an. Er soll den 85jährigen Poeten Giorgio (Giuliano Montaldo), den die Alzheimerkrankheit nach und nach die Erinnerungen durcheinander bringt, auf Spaziergängen begleiten. Ein Dichter, der von seiner Umwelt längst vergessen worden ist. Was eine kopflastige Erzählung hart am Rand von Kitsch und Stereotype hätte werden können, wird in der liebevollen und zugleich bitteren Komödie „Tutto quello che vuoi“ („Alles, was du willst“) von Francesco Bruni stimmig.

im Kino: Tutto quello che vuoi



Mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis werden in diesem Jahr Victoria Lorini und Reimar Klein ausgezeichnet. Berlin/Florenz/Triest – Die „Vite“, die Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten, die Giorgio Vasari  1550 in erster und 1568 in zweiter Auflage publizierte, gelten als ein Fundament für die wissenschaftliche Auseinandersetzung in der Geschichte der Kunst. Es sind Texte zu vorwiegend italienischen Künstlern von Cimabue und Giotto bis Tizian und Vasari selbst. Der Wagenbach Verlag Berlin hat sie zusammen mit dem Deutschen Kunsthistorischen Institut Florenz in einer „Edition Giorgio Vasari“ unter der Leitung von Alessandro Nova  in einer Taschenbuchreihe neu auf Deutsch und vor allem ungekürzt herausgegeben und kommentiert. Die meisten Texte dieser großartigen wissenschaftlichen wie verlegerischen Arbeit, die in 45 Bänden zwischen 2004 und 2015 entstand, hat Victoria Lorini übersetzt. Dafür wird sie jetzt mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis ausgezeichnet.

NEUE STRAHLKRAFT UND LESBARKEIT