Rom


Vor 70 Jahren in Italien – Das Urteil im Prozess gegen den deutschen Kriegsverbrecher Herbert Kappler Rom / Mailand – Gut drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird am 20.Juli 1948 beim ersten großen Prozess gegen deutsche Kriegsverbrecher in Italien das Urteil gesprochen. Angeklagt sind der 41jährige Herbert Kappler und einige Untergebene. Dem Leiter des nationalsozialistischen Sicherheitsdienstes SD in Rom wird vor allem die Erschießung von 335 Geiseln im März 1944 sowie die Erpressung der jüdischen Gemeinde zu Schutzzahlungen zur Last gelegt.

„DAS WAR HART“


Rom, Mitte Mai – Für einen Tag kann Rom lächeln. Vergessen die Löcher im Pflaster der Straßen der Kapitale und in den Kassen des Stadtkämmerers. Verdrängt das wild blühende Grün auf ungepflegten Freiflächen zwischen nicht abgeräumten Müll. Im Untergrund bei San Giovanni zeigt sich die Stadt innovativ, verkehrsfreundlich und der Kultur zugewandt. Die Eröffnung am 12.Mai des neuen Metro-Bahnhofs San Giovanni der Linie C (S.Giovanni – Pantano), der damit einen Knotenpunkt zur Linie A (Battistini – Anagnina) bildet, sollte zwar bereits im Herbst 2011 stattfinden, aber was sind schon ein paar Jährchen in einer Stadt, die in Ewigkeiten rechnet – und eine Ewigkeit wird man wohl auch warten müssen, bis die Metro C planmäßig bis zur Piazza Venezia (oder nur bis zum Colosseum?) weitergeführt werden kann. Vom Traumziel Piazzale Clodio (vorbei an Piazza Navona und San Pietro) ganz zu schweigen.

In Rom



Mit dem Tod von Vittorio Taviani endet die Zusammenarbeit zweier Brüder, die das italienische und das europäische Kino geprägt haben Mailand / Rom – In der italienischen Filmwelt gab es kaum jemanden, der das volkstümliche Kino so mit dem poetischen verbinden konnte wie das Bruderpaar Vittorio und Paolo Taviani aus San Miniato bei Pisa. Arbeiten von Allonsanfan (1974) über Padre Padrone (1977, Goldene Palme in Cannes) bis Cesare deve morire (2012, Goldener Bär in Berlin) haben die Geschichte des europäischen Films geprägt. Bei ihrer letzten Produktion Una questione privata (2017) nach einer Erzählung von Beppe Fenoglio musste der jüngere Paolo (geboren 1931) allein am Drehort in den Hügeln des Piemonts Regie führen, während der ältere Vittorio (geboren 1929), der noch das Drehbuch mitgeschrieben hatte, krank in Rom zurückblieb. Nun ist Vittorio Taviani im Alter von 88 Jahren in Rom gestorben.

TRÄUMERISCHE NEOREALISTEN


Museum, Bibliothek, Treffpunkt, Ort für Lesungen und Debatten – die Casa di Goethe in Rom feiert ihr 20jähriges Bestehen. Rom – Bei Goethens darf gefeiert werden. 1997, vor zwanzig Jahren, wurde in der Via del Corso 18 die Casa di Goethe, das einzige deutsche Museum im Ausland (Träger ist der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute – AsKI) eröffnet. In den Räumen im ersten Stock des spätbarocken Baus hatte der Maler Johann Heinrich Tischbein am Ende des 18. Jahrhunderts zusammen mit anderen Künstlern in einer geräumigen Atelierwohnung gelebt. Goethe fand hier bei zwei langen Romaufenthalten auf seiner italienischen Reise zwischen 1786 und 1788 Unterkunft. Als Hinweis auf den Genius des Ortes kann man Tischbeins Aquarell mit der Rückenansicht des deutschen Dichters an eben jenem Fenster der Wohnung sehen, neben dem das Bild jetzt hängt.

EIN PROSECCO FÜR GOETHE



Tifosi von Lazio Rom verhöhnten Anhänger der Roma mit Bilder von Anne Frank. Die Öffentlichkeit reagierte empört. Doch wie kann man den wachsenden Antisemitismus (nicht nur) in den Stadien stoppen? Rom – Es sollte eine Beleidigung der verhassten Fans des Lokalrivalen sein. Doch die Tifosi von Lazio Rom, die in der Südkurve des Olympiastadions der Hauptstadt, wo sich gewöhnlich die Fans der Roma versammeln, antisemitische Aufkleber hinterlassen haben, haben vor allem ihren eigenen Verein beleidigt. Nicht nur Etikette mit der Aufschrift „romanista ebreo“ konnte man lesen. Der Höhepunkt der Geschmacklosigkeit waren Fotomontagen, die eine lachende Anne Frank im rotgelben Trikot der Roma zeigte. Ein Aufschrei der Entrüstung ging durch Öffentlichkeit und Politik. Die Tageszeitung la Repubblica veröffentlichte auf ihrer Titelseite am 24. Oktober einen Artikel ihres Chefredakteurs unter der Überschrift „Siamo tutti Anna Frank“. Dazu wurde eine Fotomontage gezeigt, die die junge deutsche Jüdin (ermordet im Alter von nicht einmal 16 Jahren im KZ Bergen-Belsen) in den Trikots der bedeutendsten Mannschaften der ersten italienischen Fußballliga zeigte.

„WIR SIND ALLE ANNE FRANK“