Rom


Museum, Bibliothek, Treffpunkt, Ort für Lesungen und Debatten – die Casa di Goethe in Rom feiert ihr 20jähriges Bestehen. Rom – Bei Goethens darf gefeiert werden. 1997, vor zwanzig Jahren, wurde in der Via del Corso 18 die Casa di Goethe, das einzige deutsche Museum im Ausland (Träger ist der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute – AsKI) eröffnet. In den Räumen im ersten Stock des spätbarocken Baus hatte der Maler Johann Heinrich Tischbein am Ende des 18. Jahrhunderts zusammen mit anderen Künstlern in einer geräumigen Atelierwohnung gelebt. Goethe fand hier bei zwei langen Romaufenthalten auf seiner italienischen Reise zwischen 1786 und 1788 Unterkunft. Als Hinweis auf den Genius des Ortes kann man Tischbeins Aquarell mit der Rückenansicht des deutschen Dichters an eben jenem Fenster der Wohnung sehen, neben dem das Bild jetzt hängt.

EIN PROSECCO FÜR GOETHE


Tifosi von Lazio Rom verhöhnten Anhänger der Roma mit Bilder von Anne Frank. Die Öffentlichkeit reagierte empört. Doch wie kann man den wachsenden Antisemitismus (nicht nur) in den Stadien stoppen? Rom – Es sollte eine Beleidigung der verhassten Fans des Lokalrivalen sein. Doch die Tifosi von Lazio Rom, die in der Südkurve des Olympiastadions der Hauptstadt, wo sich gewöhnlich die Fans der Roma versammeln, antisemitische Aufkleber hinterlassen haben, haben vor allem ihren eigenen Verein beleidigt. Nicht nur Etikette mit der Aufschrift „romanista ebreo“ konnte man lesen. Der Höhepunkt der Geschmacklosigkeit waren Fotomontagen, die eine lachende Anne Frank im rotgelben Trikot der Roma zeigte. Ein Aufschrei der Entrüstung ging durch Öffentlichkeit und Politik. Die Tageszeitung la Repubblica veröffentlichte auf ihrer Titelseite am 24. Oktober einen Artikel ihres Chefredakteurs unter der Überschrift „Siamo tutti Anna Frank“. Dazu wurde eine Fotomontage gezeigt, die die junge deutsche Jüdin (ermordet im Alter von nicht einmal 16 Jahren im KZ Bergen-Belsen) in den Trikots der bedeutendsten Mannschaften der ersten italienischen Fußballliga zeigte.

„WIR SIND ALLE ANNE FRANK“



Eine große Ausstellung in Mailand enträtselt die Techniken des Malers – und fasziniert mit Originalen   Mailand (Palazzo Reale bis 28. Januar) – Wenn Caravaggio kommt, strömen die Besucher. 85.000 Vorbestellungen waren bereits eingegangen, als Ende September die Ausstellung „Dentro Caravaggio“ eröffnet wurde. Der Titel, den man frei mit „Caravaggio von innen“ übersetzen könnte, weist bereits auf die Besonderheit dieser Ausstellung hin. Zu sehen sind nicht nur 20 prächtige Gemälde von Michelangelo Merisi (Mailand 1571 – Porto Ercole 1610), der sich nach seiner Vaterstadt Caravaggio nannte. Zu jedem einzelnen Werk werden außerdem die Ergebnisse neuester Forschungen unter dem Einsatz auch von naturwissenschaftlichen Methoden mit multimedialen Einspielungen dokumentiert. Die Ausstellung wurde von der Gruppe MondoMostre Skira (Rom/Mailand) produziert, Gesamtkosten rund 3,5 Millionen Euro.

CARAVAGGIO VON INNEN


Der Film von Daniele Vicari geht trotz dramaturgischer Schwächen unter die Haut. Mailand (Cinema Mexiko) – Der Titel – „Sole cuore amore“ – klingt nach Sommerkomödie. Doch der Film von Daniele Vicari erzählt eine ganz andere Geschichte. Eli lebt mit ihrem chronisch arbeitslosen Ehemann und vier Kindern in Pomezia. Sie fährt jeden Morgen, sieben Tage in der Woche, nach Rom, 2 Stunden hin, 2 Stunden zurück, um acht Stunden in einer Kaffee-Bar zu arbeiten. Unter ihr wohnt Vale, Tänzerin und Performerin, die eine konfliktvolle Beziehung mit ihrer Mutter durchlebt. Zugleich fühlt sich Vale von ihrer Tanzpartnerin angezogen. Eli und Vale, in gleichsam geschwisterlicher Solidarität verbunden, müssen einen Alltag bestehen, in dem Arbeit Mangelware bleibt oder in einer von Prekariat bestimmten Schattenwirtschaft kaum das Überleben ermöglicht. Und in dem Familie, Liebe gar, auf wenige Gesten reduziert wird. Wie Elis älteste Tochter sagt: „Wenn Frau werden heißt, ein Leben wie Du zu führen, dann möchte ich lieber sterben.“

im Kino: Sole cuore amore



Insolera (1): Peter Kammerer erinnert an den Architekten und Stadtplaner Italo Insolera Roma/Urbino – Italo Insolera (1929-2012) hat im Jahre 1962 mit “Roma moderna” das Standardwerk zur modernen römischen Stadtentwicklung geschrieben, das seither in zahlreichen Auflagen jedes Mal erweitert und aktualisiert erschien, zuletzt im Jahre 2011. Insolera interessierte sich besonders für die Wachstumsgesetze der Stadt. Er setzte sich für eine nachhaltige Wiedergewinnung des historischen Stadtbildes durch Vorschläge etwa zur Begrenzung des Verkehrs und für Restaurierungen ein. Zugleich stellte er das Problem der Peripherie: “Il piano della città comincia fuori della città”. Eine Erinnerung von Peter Kammerer an den Freund ist jetzt in dem Band “Italo Insolera fotografo“ (AA.VV., Palombi Editori) erschienen, der dem (bislang unbekannten) Fotografen Insolera gewidmet ist.

CARO ITALO