Rom


Jannis Kounellis ist im Alter von 80 Jahren in Rom gestorben. Er nannte sich einen „Maler, der aus dem Bild ausbrechen und mit dem Publikum ins Gespräch kommen wollte.“ Rom – Jannis Kounellis wurde 1936 in Piräus geboren. Mit zwanzig Jahren verließ er Griechenland und ging nach Italien, wo er in Rom und Umbrien seinen Lebensmittelpunkt fand. Nach dem Studium an der römischen Kunstakademie brach er in ersten Ausstellungen mit der Traditionen der klassischen Moderne und verabschiedete sich vom Leinwandbild. Kunst, so glaubte er, könne nur noch in der „Theaterhaftigkeit des Raumes“ zu sich selbst kommen. Zusammen mit anderen Künstlern nutzte er Alltagsmaterialen aller Art, grobe Stoffe, Holz, Eisen oder Kohle, die er in Installationen wie für ein „Theater der Armen“ arrangierte und bearbeitete. Der Kritiker Germano Celant schuf für diese heterogene Gruppe von Einzelpersönlichkeiten unterschiedlicher Herkunft und jeweils eigener Poetik, zu der Alighiero Boetti, Luciano Fabro, Giulio Paolini oder eben Jannis Kounellis gehörten, den Oberbegriff „Arte Povera“. Installationen von Kounellis, die im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrem Einsatz wuchtiger Materialen den Begriff „Arbeit“ deutlich machten, waren auf der Kassler documenta (1972 und 1982) wie auch mehrfach auf der Biennale von Venedig zu sehen.

EIN PROVOKATEUR DER ARTE POVERA


Zum ersten Mal führt eine Frau eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt Vatikanstadt/Rom (21.12.2016) – Zum ersten Mal übernimmt eine Frau die Leitung der Vatikanischen Museen. Die 54jährige Archivarin und Kunsthistorikerin Barbara Jatta aus Rom wurde kurz vor Weihnachten von Papst Francesco ernannt. Sie löst am 1. Januar Antonio Paolucci (77) ab, vormals oberster Denkmalschützer von Florenz, der den Apostolischen Museen seit 2007 vorgestanden hatte. Unter seiner Leitung konnte zuletzt der sogenannte Braccio Nuovo mit der bedeutenden Sammlung antiker Skulpturen nach einer langen, siebenjährigen Restaurierung wieder eingeweiht werden. Die Vatikanischen Museen (800 Mitarbeiter, 6 Millionen Besucher jährlich) gehören mit einem sieben Kilometer langem Ausstellungs-Parcours, der unter anderem durch die Sixtinische Kapelle führt, zu den größten Kunstsammlungen der Welt.

BARBARA JATTA ÜBERNIMMT DIE VATIKANISCHEN MUSEEN



In Italien verändern die Museen der Moderne mit unkonventionellen Hängungen ihr Gesicht. Zum Beispiel die GNAM in Rom mit der Ausstellung „Time Is Out of Joint“ Rom (GNAM bis 15.4.2017) – Wer in Rom die Galleria Nazionale d’Arte Moderna (GNAM) betritt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Da spiegelt sich etwa ein Herkules-Statue von Canova aus dem frühen 19. Jahrhundert in einer Bodeninstallation von Pino Pascali aus dem späten 20. Jahrhundert. Und hinter dem Canova zieht sich über die Wandfläche die Arbeit „Goldspolie auf Akaziennadeln“ von Giuseppe Penone (2002) hin. „Time Is Out of Joint“ lautet der Titel einer Ausstellung, mit der die seit kurzem amtierende Direktorin Cristiana Collu die Highlights der Sammlung des bislang betulich wirkende Museum durcheinander wirbelt.

LUFT FÜR VARIATIONEN


Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Populismus. Es schaut dem Volk aufs Maul und stellt die Eliten an den Pranger. In Italien wurde gerade der reformwillige Ministerpräsident Matteo Renzi Opfer einer solchen Stimmung.  Mailand/Rom – Sechzig zu Vierzig, ein deutlicher Sieg der Neinsager bei guter Wahlbeteiligung (70 Prozent) – das hätte sich kaum einer erwartet. „Die Italiener sind wütend“, sagt der Politologe und Historiker Gian Enrico Rusconi. Viele fühlten sich abgehängt. Die Wirtschaft wächst schon lange nicht mehr, sie stockte bereits vor der Weltmarktkrise 2007/2008. Der Mittelstand veramt. Die Jugend bleibt ohne Perspektive. Die Gewerkschaften zerfallen. Und von „oben“, von der Regierung, von den Spitzen der Vereinigungen und der Verbände, von den Aufsichtsräten der Banken und Industrieunternehmen, kamen zuletzt immer flottere Sprüche, wenn von „unten“ Missmut laut wurde.

WIR SAGEN NEIN, NEIN, NEIN!



Rom, Mitte November 2016 – Was das Wetter angeht, zeigt sich die Stadt von ihrer schönsten Seite. Tiefblau breitet sich der Himmel über dem Pincio aus, ein herbstliches Blühen durchzieht die Villa Borghese. Auf den Stufen der Spanischen Treppe sitzen Touristen und sonnen sich. Wer hier Picknicken möchte, wird von einem Vigile höflich aufgefordert, aufzustehen und die Treppe zu verlassen. Gerade erst ist die Anlage renoviert worden, jetzt achtet man auf Dekors.

In Rom