Rom


Rom, Mitte Mai – Für einen Tag kann Rom lächeln. Vergessen die Löcher im Pflaster der Straßen der Kapitale und in den Kassen des Stadtkämmerers. Verdrängt das wild blühende Grün auf ungepflegten Freiflächen zwischen nicht abgeräumten Müll. Im Untergrund bei San Giovanni zeigt sich die Stadt innovativ, verkehrsfreundlich und der Kultur zugewandt. Die Eröffnung am 12.Mai des neuen Metro-Bahnhofs San Giovanni der Linie C (S.Giovanni – Pantano), der damit einen Knotenpunkt zur Linie A (Battistini – Anagnina) bildet, sollte zwar bereits im Herbst 2011 stattfinden, aber was sind schon ein paar Jährchen in einer Stadt, die in Ewigkeiten rechnet – und eine Ewigkeit wird man wohl auch warten müssen, bis die Metro C planmäßig bis zur Piazza Venezia (oder nur bis zum Colosseum?) weitergeführt werden kann. Vom Traumziel Piazzale Clodio (vorbei an Piazza Navona und San Pietro) ganz zu schweigen.

In Rom


Mit dem Tod von Vittorio Taviani endet die Zusammenarbeit zweier Brüder, die das italienische und das europäische Kino geprägt haben Mailand / Rom – In der italienischen Filmwelt gab es kaum jemanden, der das volkstümliche Kino so mit dem poetischen verbinden konnte wie das Bruderpaar Vittorio und Paolo Taviani aus San Miniato bei Pisa. Arbeiten von Allonsanfan (1974) über Padre Padrone (1977, Goldene Palme in Cannes) bis Cesare deve morire (2012, Goldener Bär in Berlin) haben die Geschichte des europäischen Films geprägt. Bei ihrer letzten Produktion Una questione privata (2017) nach einer Erzählung von Beppe Fenoglio musste der jüngere Paolo (geboren 1931) allein am Drehort in den Hügeln des Piemonts Regie führen, während der ältere Vittorio (geboren 1929), der noch das Drehbuch mitgeschrieben hatte, krank in Rom zurückblieb. Nun ist Vittorio Taviani im Alter von 88 Jahren in Rom gestorben.

TRÄUMERISCHE NEOREALISTEN



Museum, Bibliothek, Treffpunkt, Ort für Lesungen und Debatten – die Casa di Goethe in Rom feiert ihr 20jähriges Bestehen. Rom – Bei Goethens darf gefeiert werden. 1997, vor zwanzig Jahren, wurde in der Via del Corso 18 die Casa di Goethe, das einzige deutsche Museum im Ausland (Träger ist der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute – AsKI) eröffnet. In den Räumen im ersten Stock des spätbarocken Baus hatte der Maler Johann Heinrich Tischbein am Ende des 18. Jahrhunderts zusammen mit anderen Künstlern in einer geräumigen Atelierwohnung gelebt. Goethe fand hier bei zwei langen Romaufenthalten auf seiner italienischen Reise zwischen 1786 und 1788 Unterkunft. Als Hinweis auf den Genius des Ortes kann man Tischbeins Aquarell mit der Rückenansicht des deutschen Dichters an eben jenem Fenster der Wohnung sehen, neben dem das Bild jetzt hängt.

EIN PROSECCO FÜR GOETHE


Tifosi von Lazio Rom verhöhnten Anhänger der Roma mit Bilder von Anne Frank. Die Öffentlichkeit reagierte empört. Doch wie kann man den wachsenden Antisemitismus (nicht nur) in den Stadien stoppen? Rom – Es sollte eine Beleidigung der verhassten Fans des Lokalrivalen sein. Doch die Tifosi von Lazio Rom, die in der Südkurve des Olympiastadions der Hauptstadt, wo sich gewöhnlich die Fans der Roma versammeln, antisemitische Aufkleber hinterlassen haben, haben vor allem ihren eigenen Verein beleidigt. Nicht nur Etikette mit der Aufschrift „romanista ebreo“ konnte man lesen. Der Höhepunkt der Geschmacklosigkeit waren Fotomontagen, die eine lachende Anne Frank im rotgelben Trikot der Roma zeigte. Ein Aufschrei der Entrüstung ging durch Öffentlichkeit und Politik. Die Tageszeitung la Repubblica veröffentlichte auf ihrer Titelseite am 24. Oktober einen Artikel ihres Chefredakteurs unter der Überschrift „Siamo tutti Anna Frank“. Dazu wurde eine Fotomontage gezeigt, die die junge deutsche Jüdin (ermordet im Alter von nicht einmal 16 Jahren im KZ Bergen-Belsen) in den Trikots der bedeutendsten Mannschaften der ersten italienischen Fußballliga zeigte.

„WIR SIND ALLE ANNE FRANK“



Eine große Ausstellung in Mailand enträtselt die Techniken des Malers – und fasziniert mit Originalen   Mailand (Palazzo Reale bis 28. Januar) – Wenn Caravaggio kommt, strömen die Besucher. 85.000 Vorbestellungen waren bereits eingegangen, als Ende September die Ausstellung „Dentro Caravaggio“ eröffnet wurde. Der Titel, den man frei mit „Caravaggio von innen“ übersetzen könnte, weist bereits auf die Besonderheit dieser Ausstellung hin. Zu sehen sind nicht nur 20 prächtige Gemälde von Michelangelo Merisi (Mailand 1571 – Porto Ercole 1610), der sich nach seiner Vaterstadt Caravaggio nannte. Zu jedem einzelnen Werk werden außerdem die Ergebnisse neuester Forschungen unter dem Einsatz auch von naturwissenschaftlichen Methoden mit multimedialen Einspielungen dokumentiert. Die Ausstellung wurde von der Gruppe MondoMostre Skira (Rom/Mailand) produziert, Gesamtkosten rund 3,5 Millionen Euro.

CARAVAGGIO VON INNEN