Carl Wilhelm Macke


DIE VERZAUBERUNG IST LANG

Carl Wilhelm Macke:
Über den Dichter Biagio Marin aus Grado

copyright Biagiomarin.it

Biagio Marin 1891 - 1985

Ich, um zu geben
nur Worte hab ich bereit
nur das Gedicht
das Atemkleid.

Die hab ich gebreitet
über die Insel
ein tiefblauer weiter
beständiger Himmel.

Dann wehte der Jahreswind
der Nord oder West
das Sein bleibt nicht fest
und sie schwinden. (1)

Ferrara/München - Wie entdeckt man eigentlich Dichter und ihre Gedichte? Zum Beispiel auf Umwegen über die Werke anderer Schriftsteller, wo man zum ersten Mal den Namen eines unbekannten Dichters liest. Die lange Reise von Claudio Magris entlang der Donau („Biographie eines Flusses“, München, 1988) endet mit einem Zitat, das mich neugierig gemacht hatte. „Mach, daß mein Tod, Herr“, heißt es in einem Vers von Biagio Marin, „sei wie das Fließen eines Stromes in t’el mar grando, in das große Meer“.

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ABSCHIED VON GESTERN

Carl Wilhelm Macke:
Über den italienischen Schriftsteller und Bücherfreund Alberto Vigevani

Einladung zu einer Tagung über Alberto Vigevani an der Universität Mailand 2009

Einladung zu einer Tagung über Alberto Vigevani an der Uni Mailand 2009

Ferrara/Mailand - Verstreut über die Jahrzehnte zwischen der Endzeit des italienischen Faschismus und den späten neunziger Jahren des XX. Jahrhunderts wurden von Alberto Vigevani (Mailand 1918 – Mailand 1999) insgesamt 16 dreißig Prosabände veröffentlicht. In deutscher Sprache liegen bislang nur wenige Erzählungen von Alberto Vigevani vor. Im Jahre 2007 erschien in der Friedenauer Presse der „Sommer am See“. Zusammengefasst in einem Band kamen dann zwei Jahre später die beiden Erzählungen „Ende der Sonntage“ und „Brief an Herrn Alzheryan“ und zuletzt der Roman „ La Belle – ein Trugbild“ heraus. In der professionellen Literaturkritik fanden diese Texte – in der Übersetzung von Marianne Schneider – ein einhellig positives, ja enthusiastische Echo. Dass Vigevani dadurch einem größeren Lesepublikum bekannter geworden ist, darf man allerdings bezweifeln.

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GEGEN DIE BARBAREI

Carl Wilhelm Macke:
Zum 100. Geburtstag von Giorgio Bassani (4. März 2016 )

copyright Centro Studi Bassaniani di Ferrara

Giorgio Bassani, (Bologna) 1916 - (Rom) 2000

Ferrara - In den Tagen unmittelbar nach dem Tod von Giorgio Bassani am 13. April 2000 erschien in der Lokalzeitung Nuova Ferrara immer wieder dasselbe Foto. Man sah Giorgio Bassani in Garten seines Hauses in der Via Cisterna del Follo sitzen und neben ihm eine junge Frau. Die Leser der Zeitung erfuhren nicht, wer diese Frau war. Es handelte sich um Heidemarie Stücker, eine junge deutsche Romanistin, die Ende der achtziger Jahre nach Ferrara gekommen war, um mit Bassani über sein Werk zu sprechen. Heidemarie Stücker, die inzwischen leider verstorben ist, war eine von jene auffallend vielen deutschen Lesern, die schon früh die Literatur von Giorgio Bassani bewunderten. Und am Tag nach dem Tod des Schriftstellers schrieb die Süddeutschen Zeitung, dass die Romane von Bassani in Deutschland immer eine ganz besonders große Resonanz gefunden haben.

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WIDER DIE URBANE DEMENZ

copyright Gianni Berengo Gardin/ mostra FAI-Forma

Kreuzfahrtschiffe belagern die Stadt - Eine Ausstellung mit Fotos von Gianni Berengo Gardin im Olivetti Showroom am Markusplatz (22.10.15 - 6.1.16)

Carl Wilhelm Macke über:
„Wenn Venedig stirbt“. Eine Streitschrift von Salvatore Settis

„Venedig!“  Mit diesem Ausruf grenzenloser Entzückung beginnt Mark Twain seinen Bericht über einen Besuch in der Lagunenstadt. Und Rose Ausländer lässt ein viel zitiertes Gedicht mit dem tröstlichen Bekenntnis enden: „Mein Venedig versinkt nicht“.   Unendlich viele Reiseberichte, Gedichte, Tagebucheintragungen, Erzählungen, auch Lieder und Filme wurden Venedig, der Serenissima, der heitersten aller Städte gewidmet. Ein Traum, ein Mythos, ein Sehnsuchtsort für Träumer, für Verliebte, für Melancholiker, für Kunsthistoriker, Künstler und solche, die es irgendwann einmal werden möchten.

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DER SCHNEIDER VON FERRARA

copyright CWM

Unter den Arkaden von Ferrara

Carl Wilhelm Macke:
Auf der Suche nach den kleinen Dingen

Ich suchte unlängst in Ferrara nach einem Schneider. Mit dem Fahrrad hin und her durch die Gassen des Centro Storico fahrend, fand ich endlich eine kleine Werkstatt in der Via Ripagrande. Ich fragte den Schneider, ob er an meiner Jacke eine kleine Reparatur vornehmen könne. Höflich, aber auch etwas geschäftsmäßig kühl, begann er sofort mit seiner Arbeit. Während er die Jacke in die Hand nahm, ließ ich meine Augen durch den kleinen Raum schweifen. Überall erblickte ich Kassetten, unendliche viele Kassetten. Bis hoch an die Decke stapelten sie sich, gut nach dem Alphabet geordnet.

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