Glauben


Carl Wilhelm Macke über David Maria Turoldo, einen vergessenen Dichter aus dem Friaul München/Ferrara – Mit einer Charakterisierung von David Maria Turoldo könnte man es sich leicht machen. Er war ein Gedichte schreibender Priester, dessen intellektuelle Welt durch und durch von seiner katholischen Herkunft geprägt wurde. Seine Bilderwelt entstammt der Bibel und den Erzählungen rund um das Leben der Heiligen – Franziskus von Assisi und Teresa von Avila vorneweg. Priester blieb Turoldo tatsächlich bis zu seinem Tod im Jahre 1992 in Mailand. Kardinal Carlo Maria Martini zelebrierte die Totenmesse in der Chiesa San Carlo. Aber ein kurzer Blick auf seine Vita zeigt bereits, dass man es sich mit diesem scheinbar so erzkatholischen Dichter so leicht nicht machen kann.

PRIESTER, POET, REBELL


Warum Luther die Reformation versemmelt hat. Eine vergnügliche Streitschrift von Friedrich Christian Delius Mailand – Im protestantischen Glaubensbekenntnis ist zwar die Rede von der „Gemeinschaft der Heiligen“, doch der Heiligenkult gehört seit den 95 Thesen des Reformators von Wittenberg abgeschafft. Ausgerechnet 500 Jahre nach diesem Thesenanschlag aber sind die protestantischen Kirchen dabei, aus dem ehemaligen Augustinermönch Martin Luther selbst eine Art Heiligen zu machen. Der Pastorensohn – und Agnostiker – Friedrich Christian Delius, geboren 1943 in Rom, hat ihn dagegen literarisch vom Sockel geholt. Und ihm, so auf Augenhöhe, bei einem „Humpen Bier“ sein Leid mit der Reformation geklagt. Denn die, so Delius, die habe Luther „versemmelt“.

EIN BIER MIT MARTIN



Giuseppe Mazza: Über die Rolle der PR und den Umgang des Papstes mit den Medien Unter den Neuigkeiten, mit denen Bergoglio laufend aufhorchen lässt, ist eine fast untergegangen, obgleich er sie bereits während seines ersten Angelus-Gebets am 17. März 2013 angesprochen hatte. Der Papst erzählte da der Menge der Gläubigen, dass er das Buch eines „guten Theologen“, nämlich von Kardinal Walter Kasper, gelesen habe. Doch fügte er sofort lächelnd hinzu: „aber glaubt bitte nicht, dass ich für die Bücher meiner Kardinäle Werbung mache!“ Die Leute, amüsiert, klatschten. Der Papst hat also von Anfang an diesen so profanen Begriff in seinen Wortschatz aufgenommen. Und ihn öffentlich von jenem Fenster aus benutzt. Unser Erinnerung nach eine absolute Premiere, vor allem zum Auftakt eines Pontifikats. Das ist jedoch ein Thema für ihn, wie man am 7. Juli versteht. Bergolio wendet sich an die Seminaristen in Sankt Peter und beschreibt sie als: „ausgewählt und gesendet von Gott und nicht über Werbekampagnen oder Aufrufe zum Dienen oder zur Selbstlosigkeit.“ Die beiden Nennungen hängen zusammen: Werbung ist das, was wir nicht machen, ein Feld, auf dem wir nicht unterwegs sind.

BERGOGLIO UND DIE WERBUNG


Ein Reformationsdenkmal, das in den Himmel wächst Mailand/Wittenberg (Oktober 2009) – Vermutlich hat Martin Luther nie den Satz gesagt, dass selbst „wenn morgen die Welt unterginge“, wir noch heute „unser Apfelbäumchen pflanzen“ wollen. Es ist ebenfalls höchst umstritten, ob er am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen zur Reform des Glaubens wirklich an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg geschlagen hat. Wahrscheinlich hat er sie während jener Tage „nur“ übergeben. Dennoch feiert die lutherische Welt den 31. Oktober zu Recht als Reformationstag. Und das falsche Wort vom Apfelbäumchen hat dem Landschaftsarchitekten Andreas Kipar eine richtig gute Idee zu einem Reformationsdenkmal in Wittenberg gegeben, das auf Kommunikation, Internationalität und Ökumene ausgerichtet ist: ein Luthergarten mit 500 Bäumen zum Jubiläumsjahr 2017. Der Geschäftsführers des Lutherische Weltbund (LWB) in Deutschland, Norbert Denecke, hat diese Idee aufgenommen und sie den Wittenbergern schmackhaft gemacht. Wobei jeder Baum von einer christlichen Kirche oder von einer einzelnen Gemeinde – wo auch immer auf der Welt – gepflanzt und adoptiert werden soll, um so die weltweite Verbundenheit der unterschiedlichen Kirchen mit der Reformation zu dokumentieren, die wohl oder übel Spuren im Christentum hinterlassen hat. Die Mailand Connection Wenn jetzt am Reformationssonntag in Wittenberg auf der sogenannten Andreasbreite zwischen […]

LUTHERBÄUME



Dem protestantischen Friedhof an der Cestius Pyramide geht es nicht gut. Eine Stiftung soll jetzt helfen Rom (August 2007) – Über dem protestantischen Friedhof in Rom an der Stadtmauer bei der Porta Ostiense liegt ein geheimnisvoller Zauber. Unter den Kronen mächtiger Pinien und im Schatten feierlicher Zypressen bleibt es immer ein paar Grad kühler als in der vor Hitze flirrenden Ewigen Stadt. „Kamelien leuchten hier in schwermütiger Pracht unter Lorbeer und Geißblatt, die Myrten stehen in Blüte, und liebliche Rosen winden Girlanden um die Stämme der Zypressen.“ So jedenfalls erlebte vor mehr als hundert Jahren der schwedische Arzt Axel Munthe gleich hinter der Cestius Pyramide den „Garten, zu dem der Wanderer seine Schritte lenkt.“

ROMEO LIEGT IN ROM BEGRABEN