Kulturpolitik


60 Jahre deutsche Kulturarbeit in Mailand. Ein Auszug aus den Erinnerungen von Johannes Hösle, dem ersten Leiter des Goethe Instituts der Stadt Mailand – Im Herbst 1958 wurde in Mailand ein deutsches Kulturinstitut unter der Federführung des Auswärtigen Amtes gegründet – die Deutsche Bibliothek. Als erster entsandter Leiter kam ein paar Monate später später der Schriftsteller und Übersetzer Eckart Peterich in die aufstrebende Wirtschafts- und Finanzmetropole Italiens, der sich den hier lebenden jungen Literaturwissenschaftler Johannes Hösle zum Stellvertreter wählte. Als Peterich Ende 1960 nach München berufen wurde, um die Kulturarbeit aller deutscher Kulturinstitute im Ausland unter dem Dach des Goethe Instituts e. V. zu koordinieren, folgte ihm Hösle in der Leitung des Institutes nach, das dann 1962 zum Goethe Institut Mailand umgeformt wurde.

EINEN ANFANG MACHEN


Im Deutsche Studienzentrum Venedig, das eine Brücke zwischen der deutschen Kultur und der des Mittelmeerraumes schlägt, finden Künste und Wissenschaften zusammen Venedig – Ein deutsches Studienzentrum in Venedig? In keinem anderen Land unterhält oder fördert der deutsche Staat so viele kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen im Ausland wie in Italien. Etwa in Rom die Villa Massimo zur Künstlerförderung oder das Deutsche Historische Institut für die Wissenschaften. Kunstgeschichtliche Studien werden an der Bibliotheca Hertziana (Rom) und am Kunsthistorisches Institut (Florenz) getrieben. Weniger bekannt ist dagegen das Deutsche Studienzentrum Venedig (DSZV), das 1972 als Ort der Begegnung zwischen italienischer und deutscher Kultur gegründet wurde. Das Studienzentrum wird vom Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien – gegenwärtig unter der Leitung von Monika Grütters – finanziert. Aber auch von Privateinrichtungen wie der Fritz Thyssen Stiftung Köln oder der Christiane Hackerodt Kulturstiftung Hannover unterstützt. Die Leitung wechselt alle drei Jahre. Kurz vor Weihnachten hat die neue Direktorin, die Literaturwissenschaftlerin Marita Liebermann, ihre Antrittsvorlesung gehalten.

KREATIVE BEGEGNUNGEN AN DER LAGUNE



Der Staatsrat setzt das Urteil eines Verwaltungsgerichts in Sachen Berufung von Museumsdirektoren aus. Kulturminister Franceschini kann aufatmen Mailand / Rom – Der Consiglio di Stato (Staatsrat) hat am Donnerstag 15. Juni das Urteil des Verwaltungsgerichts (TAR) der Region Latium vorläufig ausgesetzt, das die Berufung von Direktoren für staatliche Museen nach dem neuen Ausschreibungsverfahren für nichtig erklärt und die sofortige Suspendierung der Direktoren angeordnet hatte (siehe auf Cluverius „Zwischen Europa und der Vorgeschichte“). Gegen diese Entscheidung hatte das Kulturministerium Berufung beim Staatsrat eingelegt. Vorausgegangen waren Klagen von unterlegenen Kandidaten in fünf Fällen, darunter auch für den Palazzo Ducale von Mantua, an den vor zwei Jahren der Österreicher Peter Assmann berufen worden war.

ALTE ZÖPFE


Die Freien Theater spielen heute in Europa eine enorme kulturelle Rolle. Die Szene ist reich und vielfältig, jedoch sind die Arbeitsbedingungen prekär. Die Wissenschaft kann helfen, ihr Standing zu erhöhen. Ein Gespräch mit dem Theaterwissenschaftler Manfred Brauneck auch über einen erstaunlich unbekannten Preis Mailand/Hamburg – Wie unabhängig kann das Freie Theater heute in Europa sein, was ist seine Geschichte, wie sein Verhältnis zu den etablierten Bühnen? Welche Rolle spielt es für die Theaterforschung und wie kann eine wissenschaftliche Untersuchung der Freien Szene auf die Arbeitsbedingungen im Theater selbst zurückwirken? Der Theaterwissenschaftler Manfred Brauneck hat gerade im Rahmen einer Forschungsarbeit für die Balzan Stiftung zusammen mit dem ITI Zentrum Deutschland (Berlin) eine Veröffentlichung über das Freie Theater im Europa der Gegenwart herausgegeben. Sie untersucht, wie es im Untertitel heißt, Strukturen, Ästhetik und Kulturpolitik (*) – siehe Anmerkungen. Manfred Brauneck, geb. 1934, lehrte ab 1973 Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft an der Universität Hamburg. Er war u.a. Leiter des Zentrums für Theaterforschung und des Studiengangs Schauspieltheater-Regie. 2010 wurde er mit dem Balzan Preis für Geschichte des europäischen Theaters ausgezeichnet. Im Gespräch weist der 82jährige darauf hin, dass das Theater allgemein heute in der Medienlandschaft an Boden verloren habe. Zugleich zeigt er sich […]

„EINE SZENE JUNGER MENSCHEN“



Ausländische Direktoren bringen frischen Wind in die staatlichen Museen Italiens – doch ein Verwaltungsgericht stellt die Reform der Kultureinrichtungen in Frage TEXT ERSETZT DUCH http://cluverius.com/zwischen-europa-und-der-vorgeschichte Mailand/Turin – Im Sommer 2015 hatte der italienische Kulturminister für 20 bedeutende staatliche Museumseinrichtungen des Landes nach einem Ausschreibungsverfahren neue Direktoren berufen. Darunter waren sieben Persönlichkeiten aus dem Ausland wie der Deutsche Eike Schmidt für die Uffizien von Florenz oder der Anglokanadier James Bradburne für die Pinacoteca Brera in Mailand. Nach anfänglichen Polemiken kann jetzt eine erste Bilanz gezogen werden – und die ist positiv. Die Uffizien melden einen Besucherrekord von über 2 Millionen im Jahr 2016 und durch gezielte Neuhängungen zur Vermeidung von Schlangenbildung eine bessere Führung der Besucherströme. In der Brera sind 20 Säle neu strukturiert worden und kleine punktuelle Ausstellungen werten die Sammlung auf, was auch zu einem Plus von 5,4 Prozent mehr Besucher  gegenüber dem Erfolgsjahr der Mailänder Expo 2015 geführt hat. Im Nachtrag zu lesen: Das Verwaltungsgericht der Region Latium hat die Berufung von fünf Direktoren nach der neuen Ausschreibung – darunter die des Österreichers Peter Assmann in Mantua – für nichtig erklärt. Gegen das Urteil hat das Kulturministeriums beim Staatsrat Widerspruch eingelegt.

EINE POSITIVE BILANZ IM GEGENWIND