Kulturpolitik


Fondazione Prada (2): Eine Ausstellung lässt unterschiedliche Kunstströmungen und kulturelle Tendenzen in Italien zwischen den beiden Weltkriegen wieder aufleben. Dabei ist ein überraschend pluralistisches Bild der Zeit entstanden.  Mailand (Fondazione Prada bis 25. Juni) – Italien diskutiert über alten und neuen Faschismus. Rechtsradikale Gruppen wie die Casa Pound drängen in die Politik. Sie solidarisieren sich mit Gewalttaten von Einzeltätern gegen Ausländer. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wünschen sich viele Italiener Umfragen nach einen starken Mann an der Spitze. In diesem Klima zeigt die Fondazione Prada eine seit langem vorbereitete Ausstellung über Kunst und Kultur in Italien zwischen 1918 und 1943. Im Mittelpunkt stehen rund 500 Arbeiten vorwiegend der Malerei, der Skulptur und der Architektur aus einer Periode, die von 1922 an politisch wie gesellschaftlich vom Faschismus beherrscht wurde.

HISTORISCHES BLOW UP


Mit dem Dialogbuch „Erklär mir Italien!“ kann man zwar nicht Italien verstehen lernen, lernt aber Roberto Saviano besser kennen. Mailand – Man kann ein Land geographisch beschreiben, mit Hilfe von Daten lassen sich Gesellschaft und Wirtschaft analysieren, Prozesse in Politik und Kultur erkennen. Aber man kann kein Land „erklären“, Deutschland nicht und Italien schon gar nicht, in dem die regionalen Unterschiede größer sind als in jedem anderen westeuropäischen Land. Die Aufforderung im Buchtitel „Erklär mir Italien!“, zu der Giovanni di Lorenzo und Roberto Saviano einen munteren Dialog geführt haben, ist in diesem Sinne auch gar nicht als intellektuelle Aufforderung ernst gemeint. Sie entspricht eher einer Plauderstimmung, wie man sie zum Abschluss von einem guten Mittagessen, bei Diskussionen in der Bar oder ebenso bei Talkshows erleben kann.

EINE MUNTERE PLAUDEREI



Neustart der Mailänder Buchmesse „Tempo di Libri“ im März. Die Buchmesse unterstützt die Veranstaltung mit ihrem Fellowship Programm Mailand – Die vom italienischen Verlegerverband AIE veranstaltete Messe „Tempo di Libri“ (Zeit für Bücher“) möchte sich neben dem Turiner „Salone del Libro“ als zweite große italienische Buchmesse etablieren. „Tempo di Libri“ findet dieses Jahr vom 8. bis 12. März auf dem zentrumsnahen Gelände der Mailänder Stadtmesse (Fieramilanocity) statt. Wie im vergangenen Jahr erfolgreich erprobt wird parallel ein Milan International Rights Center eingerichtet (8. bis 10. März), für das sich bereits Verlagsvertreter und Literaturagenten aus 30 Ländern angemeldet haben. „Tempi di Libri“ hat in Partnerschaft mit der Frankfurter Buchmesse ein „Frankfurt-Milan Fellowship Programm“ organisiert, das am 6. und 7. März eine internationale Delegation von Vertretern der Verlagsbranche die Gelegenheit geben wird, den italienische Buchmarkt genauer kennen zu lernen.

IN PARTNERSCHAFT MIT FRANKFURT


60 Jahre deutsche Kulturarbeit in Mailand. Ein Auszug aus den Erinnerungen von Johannes Hösle, dem ersten Leiter des Goethe Instituts der Stadt Mailand – Im Herbst 1958 wurde in Mailand ein deutsches Kulturinstitut unter der Federführung des Auswärtigen Amtes gegründet – die Deutsche Bibliothek. Als erster entsandter Leiter kam ein paar Monate später später der Schriftsteller und Übersetzer Eckart Peterich in die aufstrebende Wirtschafts- und Finanzmetropole Italiens, der sich den hier lebenden jungen Literaturwissenschaftler Johannes Hösle zum Stellvertreter wählte. Als Peterich Ende 1960 nach München berufen wurde, um die Kulturarbeit aller deutscher Kulturinstitute im Ausland unter dem Dach des Goethe Instituts e. V. zu koordinieren, folgte ihm Hösle in der Leitung des Institutes nach, das dann 1962 zum Goethe Institut Mailand umgeformt wurde.

EINEN ANFANG MACHEN



Im Deutsche Studienzentrum Venedig, das eine Brücke zwischen der deutschen Kultur und der des Mittelmeerraumes schlägt, finden Künste und Wissenschaften zusammen Venedig – Ein deutsches Studienzentrum in Venedig? In keinem anderen Land unterhält oder fördert der deutsche Staat so viele kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen im Ausland wie in Italien. Etwa in Rom die Villa Massimo zur Künstlerförderung oder das Deutsche Historische Institut für die Wissenschaften. Kunstgeschichtliche Studien werden an der Bibliotheca Hertziana (Rom) und am Kunsthistorisches Institut (Florenz) getrieben. Weniger bekannt ist dagegen das Deutsche Studienzentrum Venedig (DSZV), das 1972 als Ort der Begegnung zwischen italienischer und deutscher Kultur gegründet wurde. Das Studienzentrum wird vom Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien – gegenwärtig unter der Leitung von Monika Grütters – finanziert. Aber auch von Privateinrichtungen wie der Fritz Thyssen Stiftung Köln oder der Christiane Hackerodt Kulturstiftung Hannover unterstützt. Die Leitung wechselt alle drei Jahre. Kurz vor Weihnachten hat die neue Direktorin, die Literaturwissenschaftlerin Marita Liebermann, ihre Antrittsvorlesung gehalten.

KREATIVE BEGEGNUNGEN AN DER LAGUNE