Kulturpolitik


Das Erdbeben in Mittelitalien hat eine alte Kulturlandschaft tief verletzt. Jetzt diskutiert man den Wiederaufbau  Ascoli Piceno – In den 50 vom Erdbeben in Mittelitalien betroffenen Ortschaften sind auch viele historische Bauten zerstört oder schwer beschädigt worden. Nach einer ersten Ortsbesichtigung haben Fachleute des Kulturministeriums 293 Objekte (Kirchen, Palazzi, Monumente) ausgemacht, die besonders bedroht sind – soweit sie überhaupt noch stehen. Schwer getroffen wurden etwa in Amatrice die spätgotische Kirche Sant’Agostino mit Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert, das städtische Museum und die Torre Civica.

OHNE DIE GESCHICHTE AUSZULÖSCHEN


Die hochverschuldete Oper von Verona will die Ballettsparte einsparen. Drohen jetzt Streiks? Verona – Die traditionellen Opernfestspiele in der Arena von Verona, die im Juni mit einer Wiederaufnahme der „Carmen“ in der ziemlich angestaubten Regie von Franco Zeffirelli begonnen hatten, neigen sich ihrem Ende zu (bis 28.8.). Ob der Spielplan aber überhaupt wie vorgesehen erfüllt werden kann, ist ungewiss. Zumindest am kommenden Sonntag könnte die „Aida“ ohne Balletteinlagen über die Freilichtbühne in der Arena gehen. Die Tänzerinnen und Tänzer wollen die Aufführung bestreiken, nachdem bekannt geworden war, dass die Opernstiftung Verona ihre Ballettsparte in Zukunft ganz einsparen will.

OHNE LIEBE ZUR MUSIK



Wird die italienische Buchmesse demnächst in Mailand organisiert? Mailand/Turin – Der italienischen Buchmesse, die bislang in Turin stattgefunden hat, droht in ihrer traditionellen Form das Aus. Nachdem bereits vor ein paar Monaten der frühere Präsident der Stiftung des Salone del Libro wegen des Verdachts auf Veruntreuung zurücktreten musste, hat die Turiner Justiz am 12. Juli mehrere Personen festgenommen. Darunter zwei Führungskräfte der Messegesellschaft der Lingotto-Hallen, wo der Salone bislang veranstaltet wurde, sowie den Sekretär der Salone-Stiftung. Büros wurden durchsucht und Beweismaterial sicher gestellt. Die Turiner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen angeblicher Manipulation von Ausschreibungen der Durchführung für die Buchmessen von 2015 bis 2018. Möglicherweise wurden geheime Informationen an das Unternehmen weitergegeben, das sich so die Vergabe sichern konnte. Der italienische Verlegerverband AIE (mit Sitz in Mailand) prüft nun, ob man eventuell in eigener Regie eine neue Messe von 2017 an – etwa in Mailand – durchführen könnte.

DER SALONE TAUMELT


In Italien versuchen rechtspopulistische Bürgermeister „linksverdächtige“ Kultureinrichtungen umzupolen Padua – Wer in Italien Kultur unters Volk bringen will, gründet ein Festival. Insgesamt gibt es rund 1200 jährlich wiederkehrende Kulturfestspiele, so viele wie in keinem anderen europäischen Land. Allein 200 davon widmen sich dem Thema Literatur. Zum Beispiel auch in Padua die Fiera delle Parole . Dort gab es jetzt Protest. Am Montag Abend zogen mehrere Hundert Menschen vor das Rathaus der drittgrössten Stadt Venetiens. Sie wehrten sich mit einem Happening gegen die Schliessung der „Wörter-Messe“ für die in den klammen Kassen der Kommune angeblich keine Finanzmittel mehr aufzutreiben sind. Das Festival hatte die alte Universitätsstadt mit zuletzt rund 200 Veranstaltungen an fünf Tagen in eine attraktive Kulturmetropole verwandelt, in die 70.000 Besucher strömten. Kosten:  rund 120.000 Euro, wovon die Gemeinde bislang zwei Drittel trug, den Rest schoss eine Bankstiftung zu.

DORN IM AUGE



Rom. Mit einem Gesetzesdekret hat die italienische Regierung die Kultur als „essentielle öffentliche Dienstleitung“ eingestuft und damit ähnlich wie das Verkehrswesen, die Gesundheit oder die Bildung dem Allgemeininteresse unterstellt. Das bedeutet unter anderem, dass Arbeitsniederlegungen oder gewerkschaftliche Veranstaltungen in staatlichen Einrichtungen (Museen, Ausgrabungsstätten, Bibliotheken) mit einem zeitlichen Vorlauf von 10 Tagen angekündigt werden müssen und Bedienstete unter Umständen zwangsverpflichtet werden können. Außerdem muss in jedem Fall ein Notdienst garantiert werden.

Kultur eine „essentielle öffentliche Dienstleistung“