Neapel


Das Theater in Italien zwischen dem „Modell Mailand“, einer lebhaften Provinz und drohender Amateurisierung – ein aktueller Überblick Mailand – Sexy soll das Theater sein, mutig in den Inhalten, spielerisch in den Formen und offen im Umgang mit dem Publikum. Wer wollte Marco Paolini, einem wichtigen Vertreter des teatro narrativo, des Erzähltheaters widersprechen? Der Dramaturg und Schauspieler nahm kürzlich an einem Forum des Corriere della Sera teil, auf dem über den Zustand des italienischen Theaters debattiert wurde. Da konnte man Klagen über Klagen hören: Die Spielpläne würden sich Jahr für Jahr gleichen, Klassiker nicht auf neue Art befragt, Gegenwartsstücke ohne Widerhaken geboten. Man verschließe sich neuen Dramaturgien und Ausdrucksformen. Und Masse ginge vor Klasse.

BÜHNENTIERE UND HANDWERKER


Mit dem Dialogbuch „Erklär mir Italien!“ kann man zwar nicht Italien verstehen lernen, lernt aber Roberto Saviano besser kennen. Mailand – Man kann ein Land geographisch beschreiben, mit Hilfe von Daten lassen sich Gesellschaft und Wirtschaft analysieren, Prozesse in Politik und Kultur erkennen. Aber man kann kein Land „erklären“, Deutschland nicht und Italien schon gar nicht, in dem die regionalen Unterschiede größer sind als in jedem anderen westeuropäischen Land. Die Aufforderung im Buchtitel „Erklär mir Italien!“, zu der Giovanni di Lorenzo und Roberto Saviano einen munteren Dialog geführt haben, ist in diesem Sinne auch gar nicht als intellektuelle Aufforderung ernst gemeint. Sie entspricht eher einer Plauderstimmung, wie man sie zum Abschluss von einem guten Mittagessen, bei Diskussionen in der Bar oder ebenso bei Talkshows erleben kann.

EINE MUNTERE PLAUDEREI



Ausländische Direktoren bringen frischen Wind in die staatlichen Museen Italiens – doch ein Verwaltungsgericht stellt die Reform der Kultureinrichtungen in Frage TEXT ERSETZT DUCH http://cluverius.com/zwischen-europa-und-der-vorgeschichte Mailand/Turin – Im Sommer 2015 hatte der italienische Kulturminister für 20 bedeutende staatliche Museumseinrichtungen des Landes nach einem Ausschreibungsverfahren neue Direktoren berufen. Darunter waren sieben Persönlichkeiten aus dem Ausland wie der Deutsche Eike Schmidt für die Uffizien von Florenz oder der Anglokanadier James Bradburne für die Pinacoteca Brera in Mailand. Nach anfänglichen Polemiken kann jetzt eine erste Bilanz gezogen werden – und die ist positiv. Die Uffizien melden einen Besucherrekord von über 2 Millionen im Jahr 2016 und durch gezielte Neuhängungen zur Vermeidung von Schlangenbildung eine bessere Führung der Besucherströme. In der Brera sind 20 Säle neu strukturiert worden und kleine punktuelle Ausstellungen werten die Sammlung auf, was auch zu einem Plus von 5,4 Prozent mehr Besucher  gegenüber dem Erfolgsjahr der Mailänder Expo 2015 geführt hat. Im Nachtrag zu lesen: Das Verwaltungsgericht der Region Latium hat die Berufung von fünf Direktoren nach der neuen Ausschreibung – darunter die des Österreichers Peter Assmann in Mantua – für nichtig erklärt. Gegen das Urteil hat das Kulturministeriums beim Staatsrat Widerspruch eingelegt.

EINE POSITIVE BILANZ IM GEGENWIND


Wie in Italien über die Entschlüsselung eines Pseudonyms debattiert wird Mailand – Ist sie es, oder ist sie es nicht? Das Rätsel um die Identität der neapolitanische Autorin Elena Ferrante scheint gelöst. Unter dem Pseudonym Ferrante hatte die Autorin vor allem die vierteilige Romanserie „L’amica geniale“ („Meine geniale Freundin“) ab 2011 veröffentlicht, die nicht nur in Italien (1 Million verkaufte Exemplare), sondern vor allem im englischen Sprachraum (2,6 Millionen Exemplare) ein Bestseller ist. Bei einer investigativen Recherche verfolgte Italiens bedeutendstes Wirtschaftsblatt Il Sole 24 Ore die Spur des Geldes und stieß, den Honorarzahlungen folgend, auf die Übersetzerin Anita Raja.

TRAUER UM ELENA FERRANTE



Emma Hamilton 200 Jahre nach ihrem Tod und eine Ausstellung in der Casa di Goethe Rom. Die Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach bereist von 1788 bis 1790 Italien. Dabei hält sie sich nicht wie üblich bei einer Grand Tour die meiste Zeit in Rom, sondern in Neapel auf. In der von einem kosmopolitischen Geist geprägten Stadt, eine der größten und schönsten von Europa, ist sie oft Gast im Hause des britischen Botschafters Sir Walter Hamilton. Der rund 60jährige Diplomat und Hobbyarchäologe lebt in jenen Jahren mit einer weitaus jüngeren Geliebten, der 1765 in der englischen Provinz geborenen Emma Hart, gleichsam in „wilder Ehe“. Eine Unperson? Anna Amalia aber lässt sich von der jungen Frau ebenso bezaubern wie die ganze neapolitanische Gesellschaft bis hin zur Königin und wird ihre Freundin – ein Vorgang, der im heimatlichen Weimar undenkbar gewesen wäre. Als Emma schließlich 1791 ihren Sir William heiratet und zur Lady Hamilton wird, gratuliert die Herzogin in einem Schreiben mit Grüßen auch an „an die liebe Emma“. Unter den Erinnerungsstücken aus Neapel, die Anna Amalia in Weimar aufbewahrt, ist auch ein „Bildnis Emma Hart als Sibylle“ gemalt von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, das vermutlich die Herzogin selbst in Auftrag gegeben hatte. […]

MY FAIR LADY IN NEAPEL