Ausstellungen


MARE MOSTRUM

Wie Künstler sich mit dem Thema Emigration auseinander setzen. Eine Ausstellung der Triennale Mailand und der Fondazione Trussardi

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Emigranten in Mailand - Ausschnitt aus einem Gemälde (250 x 465 cm) des Chinesen Liu Xiadong frei nach dem "Quarto Stato" von Giuseppe Pelizza da Volpedo

Mailand - Rastlos geht es zu auf dieser Erde. Ganze Völkerscharen sind unterwegs, fliehen vor Krieg, Hunger, Perspektivlosigkeit. Grenzen werden geöffnet und wieder geschlossen. Willkommenskulturen entstehen und gehen wieder unter. Menschen sterben elendig auf der Flucht. Mitleid mischt sich mit Ablehnung, Realpolitik mit Indifferenz. Der Blick der Medien ist an Katastrophen gefesselt, der Alltag wird oft weggeblendet. Was bleibt, ist häufig nicht mehr als ein Gefühl von Unbehagen und Hilflosigkeit. Und die Kunst? Wie sich die Gegenwartskunst dem Thema stellt, versucht eine Ausstellung in Mailand zu ergründen, die die Triennale zusammen der Trussardi-Stiftung veranstaltet.

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NEUES LEBEN

Auf Ausstellungen in Fontanellato und in Parma kann man den vielseitigen Künstler Carlo Mattioli, vor allem seine lichtvollen Landschaften und liebevollen Porträts entdecken

copyright Sammlung Barilla d'Arte, Modena

Der Malerfreund - Bildnis von De Chirico (1969) Öl auf Leinwand, 69 x 59 cm

Parma/Fontanellato (bis 24. September 2017) – Die Landschaft der Emilia zwischen Modena und Parma, Ferrara und Bologna hat mit ihren Farben und Stimmungen immer wieder Künstler geprägt. Zu denen gehört auch Carlo Mattioli (geboren 1911 in Modena, gestorben 1994 in Parma). Das Labirinto della Masone in Fontanellato bei Parma zeigt jetzt rund 60 Gemälde aus der Schaffensperiode zwischen 1961 und 1993. In der Biblioteca Palatina von Parma sind zeitgleich Buchillustrationen und Skizzen für Kostüme und Bühnenbilder von Theateraufführungen zu sehen. Anlässlich der Ausstellungen ist das Studio des Künstlers sowie das Mattioli-Archiv in Parma (nach Voranmeldung) zu besichtigen.

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DAS MÄDCHEN UND DER TOD

Der Mailänder Palazzo Reale zeigt Blätter einer gemalten Lebenserzählung von Charlotte Salomon, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Ein Gesamtkunstwerk, das erst langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringt.

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Mit dem Selbstporträt von Charlotte Salomon (1917-1943) wirbt die Ausstellung "Vita? O Teatro?"

Mailand (Palazzo Reale bis 25. Juni) – Vor genau 100 Jahren wurde am 16. April 1917 Charlotte Salomon in Berlin geboren. Als Jüdin suchte die junge Künstlerin während des Krieges Unterschlupf bei den Großeltern in Südfrankreich. In einem kleinen Ort bei Nizza entstanden aus einer seelischen Krise heraus während nur 18 Monaten zwischen 1940 und 1942 hunderte Gouachen im A4-Format, mit denen sie ihre Geschichte und die ihrer Familie erzählt. „Leben? Oder Theater?“ lautet der Titel. Charlotte Salomon wurde im September 1943 in Nizza verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo man sie vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet hat. Kurz vor ihrer Verhaftung hatte sie noch geheiratet und war bei ihrem Tod im fünften Monat schwanger. Wie durch ein Wunder überstand der Koffer mit den Bildern die Kriegswirren. "Leben? Oder Theater?" wird heute im Joods Historisch Museum von Amsterdam aufbewahrt. Eine breite Auswahl von 270 Arbeiten ist jetzt zusammen mit Fotografien in Mailand im Palazzo Reale zu sehen.

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ZWISCHEN LIEBEN UND LEIDEN

Mit der Ausstellung „Rinascimento elettronico“ im Palazzo Strozzi kehrt der New Yorker Videokünstler Bill Viola nach Florenz zurück

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"The Greetings" -  Video von Bill Viola nach dem Vorbild von Pontormos Gemälde "Heimsuchung"

Florenz (Palazzo Strozzi bis 23.7.) – Das ist keine Ausstellung, die man einfach mal so durchlaufen kann. Allein die Videoarbeiten von Bill Viola aus den Jahren von 1995 bis heute, auf die der Besucher im ersten Stock des Palazzo Strozzi stößt, ergeben aneinandergehängt eine Laufzeit von rund zwei Stunden und 20 Minuten. Dazu kommen in der „Strozzina“, im Kellergeschoss des florentinischen Renaissancepalastes, frühe Arbeiten von 1973 an. Die Ausstellung mit dem Titel „Rinascimento elettronico“ möchte mit insgesamt 26 Werken den gesamten Schaffensraum des heute 66jährigen Videokünstlers aus New York widerspiegeln.

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„EINE MORALISCHE GRAZIE“

Arbeiten des von Goethe bewunderten Malers Guercino aus dem Frühbarock sind im Dom und im Palazzo Farnese von Piacenza zu sehen.

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Susanna im Bade (133 x 181 cm). Eine Arbeit von Guercino um 1649

Piacenza (bis 4.6.2017) – Im Jahr 1626 kam Giovanni Francesco Barbieri, den die Kunstgeschichte wegen eines Augenfehlers „il Guercino“ („den Schieler“) nennt, nach Piacenza. Im Dom der Residenzstadt der Farnese sollte er die kaum begonnen Arbeiten an der Kuppel vollenden, die der frühe Tod eines Vorgängers (Morazzone) unvollendet gelassen hatte. Ein Jahr später war das Werk abgeschlossen. Eine neue Lichtinstallation hat jetzt die farben- und formenprächtigen Fresken der Kuppel, die lange im Dunkel geblieben waren, zu neuem Leben erweckt. Aus Anlass der Einweihung ist zudem in der Capella Ducale des Palazzo Farnese eine Ausstellung mit Arbeiten von Guercino zu sehen. Rund 20 Exponate, die einen kleinen Überblick über sein gesamtes Schaffen geben wollen.

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Antike Schönheiten

"Monumenti antichi inediti" - Die Illustrationen von Winckelmanns einziger Veröffentlichung in italienischer Sprache im Museum m.a.x. von Chiasso

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Johann Joachim Winckelmann (1717 - 1768) - Kopie eines Gemäldes von Anton von Maron 1768 (Ausschnitt)

Chiasso (m.a.x. museo bis 7.5.2017) – Im Jahr, in dem der 300. Geburtstag von Johann Joachim Winckelmann (Stendal 9.12.1717) gefeiert wird, gibt es eine Reihe von Ausstellungen, die mit seinem Leben oder seinem Werk in Verbindung stehen. Veranstaltet werden sie in Orten wie Weimar oder Rom, Wörlitz oder Neapel, Wien oder Kopenhagen. Aber ausgerechnet Chiasso, die Schweizer Grenzstadt nach Italien, die man weder mit der Person Winckelmanns noch mit der Geschichte des Neoklassizismus in Verbindung bringen kann, macht den Auftakt. Hier wird sein einziges Druckwerk in italienischer Sprache, die Monumenti antichi inediti von 1767 gleichsam wiederentdeckt. Zu sehen sind alle 208 Grafiken der Veröffentlichung, dazu kommen 20 Kupferdruckplatten, Probedrucke, Gemälde, Bücher und andere Objekte.

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AUFERSTANDEN AUS RUINEN

Mailand: wie es im Krieg zerstört und danach wieder aufgebaut wurde. Eine Ausstellung im Palazzo Morando erzählt die Geschichte einer Wiedergeburt

copyright Palazzo Morando

Aufbruchsstimmung mit Lambretta bei der Porta Nuova

Mailand (bis 12.2.2017) - Im Sommer 1943 flogen die Alliierten mehrere Bombenangriffe auf Mailand. Seit den Zeiten von Barbarossa hatte die Stadt keine solche Zerstörungswut mehr erlebt. Zwischen Scala, Galleria und Castello zog sich eine Trümmerlandschaft hin. Nur durch ein Wunder blieb Leonardos Abendmahl erhalten. Über die Hälfte der Gebäude der Innenstadt wurden zerstört oder schwer beschädigt. Es gab mehrere Tausend Tote. Eine Bombe traf auch die Crispi-Schule im Stadtteil Gorla, wobei 184 Kinder ums Leben kamen. Salvatore Quasimodo schrieb den Vers: „Vergeblich suchst du im Staub,/ arme Hand, die Stadt ist tot.“ Einen Tag nach der Befreiung im April 1945, als die Alliierten nicht mehr von oben bombten, sondern zusammen mit den Partisanen friedlich einmarschierten, begann der Wiederaufbau.

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Außerdem (eine kleine Auswahl)

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Ein Kontinent auf der Suche nach seiner Geschichte - Wandbild (Öl, Acryl, Bleistift auf Pappschachteln) von Omar Ba (Senegal) im Mailänder Pac

 

Firenze: Leonardo. Adorazione dei Magi restaurata. Uffizi. Bis 24.9.

Genua: Kees Goudtzwaard. Villa Croce. Bis 24.9.

Mailand: Terra inquieta – Migrationen und Konflikte. Triennale. Bis 20.8.

Mailand: Gegenwartskunst aus Afrika. Pac. Bis 11.9.

Mailand: Rosa Barba. Installationen und Film. Hangar Bicocca. Bis 8.10.

Mailand: 100 Anni. Scultura a Milano. GAM. Bis 3.12.

Mailand: Klimt Experience. Mudec. Bis 7.1.2018

Palermo: Micol Assael. Palazzo Riso. Bis 10.9.

Parma (Fontanellato): Carlo Mattioli. Labirinto della Masone. Bis 24.9.

Pompeji: Pompei e la Grecia. Pompei Scavi. Bis 27.11.

Rom: Bansky. Fondazione Roma Museo. Bis 4.9.

Rom: Giorgione tra Venezia e Roma. Pal. Venezia e Castel S.Angelo. Bis 17.9.

Rom: L'Italia di Zaha Hadid. MAXXI. Bis 14.1.2018

Turin: Hiroshi Sugimoto. Fondazione Sandretto. Bis 4.9.

Turin: Intorno a Leonardo. Zeichnungen der Renaissance. Biblioteca Reale. bis 15.9.

Venedig: Ebenbild/Abbild. 4 deutsche Künstler. Ca' Rezzonico. Bis 30.10.

Venedig: Biennale Arte 2017. Giardini, Arsenale etc. Bis 26.11.

Venedig: The Boat is Leaking - Kluge, Demand, Viebrock. Fondaz. Prada. Bis 26.11.

Venedig: Damien Hirst. Pal. Grassi/Punta della Dogana. Bis 3.12.

Venedig: David Hockney, Ca' Pesaro. Bis 7.1.2018

 

 

Demnächst eröffnen:

Picasso am Strand. Fondaz. Guggenheim, Venedig, 26.8. bis 7.1.

I Longobardi. Castello Visconteo, Pavia, 1.9. bis 3.12.

Ägypten. Mudec, Mailand, 13.9. bis 7.1.

Ettore Sottsass. Triennale, Mailand, 15.9. bis 11.3.

Marino Marini. Palazzo Fabroni, Pistoia, 16.9. bis 7.1.

Das 16. Jahrhundert in Florenz. Palazzo Strozzi, Florenz, 21.9. bis 21.1.

Picasso zwischen Kubismus und Neoklassizismus.Scuderie del Quirinale, Rom, 21.9. bis 21.1.

Lucio Fontana. Ambienti/Environments. Hangar Bicocca, Mailand, 21.9. bis 25.2.

Dentro Caravaggio. Palazzo Reale, Mailand, 28.9. bis 29.1.