Bücher


DIE WELT DER BÖSEN

Maurizio Torchio erzählt in seinem Roman „Das angehaltene Leben“ eindringlich von der irrationalen Logik der Gefängniswelt

"Die eine Orange war das einzige Licht" Aquarell von Egon Schiele (1912)

"Die eine Orange war das einzige Licht" - Aquarell von Egon Schiele (1912)

Mailand – In der Regel verdrängen wir, dass es eine Welt neben der Welt gibt. Einen Raum am Rand der Gesellschaft, der mit dem gefüllt wird, was die Gesellschaft ausstößt: das Gefängnis. Wie es dort zugeht, will man meist nicht so genau wissen. Manchmal bekommt man Einblicke etwa über Kriminalfilme oder über Berichte hier und da in den Medien. Ein Intellektueller wie Adriano Sofri hatte vor Jahren eine Zeit lang täglich mit kurzen Texten („Piccola posta“) in der Zeitung „Il Foglio“ aus dem Alltag seiner Haftzeit in einer Strafanstalt in Pisa erzählt und Absurditäten und Hässlichkeiten geschildert. Sicher tut man Sofri Unrecht, doch nach der Lektüre des Romans „Das angehaltene Leben“ von Maurizio Torchio erscheinen seine Gefängnisjahre wie ein Sanatorium hinter Gittern. In dem Roman beschreibt ein Gefangener lakonisch eine von Brutalität und Sinnlosigkeit durchdrungene Welt der Weggeschlossenen so dicht, dass man manchmal das Gefühlt bekommt, selbst in einer Zelle zu sitzen.

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EIN BIER MIT MARTIN

Warum Luther die Reformation versemmelt hat. Eine vergnügliche Streitschrift von Friedrich Christian Delius

copyright ELKI

Feier allerorten - das Lutherjahr auch in Italien. In Mailand fand sogar ein kleiner protestantischer Kirchentag zum Thema statt

Mailand - Im protestantischen Glaubensbekenntnis ist zwar die Rede von der „Gemeinschaft der Heiligen“, doch der Heiligenkult gehört seit den 95 Thesen des Reformators von Wittenberg abgeschafft. Ausgerechnet 500 Jahre nach diesem Thesenanschlag aber sind die protestantischen Kirchen dabei, aus dem ehemaligen Augustinermönch Martin Luther selbst eine Art Heiligen zu machen. Der Pastorensohn – und Agnostiker – Friedrich Christian Delius, geboren 1943 in Rom, hat ihn dagegen literarisch vom Sockel geholt. Und ihm, so auf Augenhöhe, bei einem „Humpen Bier“ sein Leid mit der Reformation geklagt. Denn die, so Delius, die habe Luther „versemmelt“.

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DIE STEINE VON VENEDIG

John Ruskins monumentale Untersuchung der Baukunst Venedigs im Mittelalter liegt jetzt als Auswahl in einer für den heutigen Leser verständlich gemachten Ausgabe vor.

copyright Cluverius

Die Piazzetta von San Marco im Winter

Venedig/ Wiesbaden – Als John Ruskin zusammen mit seiner Frau Effie im Herbst 1849 von London aus nach Venedig reiste, hielten Österreichische Truppen die Lagunenstadt in Folge der Unruhen der Jahre zuvor noch besetzt. Während der 22jährigen Effie die Herzen der Gesellschaft zuflogen und sie keine Festlichkeit ausließ, war ihr 30jähriger Mann tagtäglich auch bei widrigen Witterungsverhältnissen mit einem selbstgestellten Arbeitsauftrag unterwegs: die Architektur Venedigs vor allem aus dem Mittelalter zu dokumentieren. So entstanden in drei Bänden zwischen 1851 und 1853 „The Stones of Venice“, eines der erstaunlichsten Werke der frühen Kunstwissenschaft.

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GEGEN DEN STRICH GEBÜRSTET

Italienische Weihnachten – eine Anthologie herausgegeben von Klaus Wagenbach

copyright Cluverius

Weihnachten am alten Mailänder Hafen

Mailand - Weihnachten in Italien? Da geht es um die Frage, ob die Heiligen drei Könige mit einem Raumschiff unterwegs waren oder nicht. Da spielt ein Landstreicher zur Mitternachtsmesse auf der Orgel. Ein von der Welt enttäuschter Gott meint, die Menschen sollten sich zum Teufel scheren und mit dem Paradies sei es sowieso vorbei. Das sind ziemlich schräge Weihnachten, die Klaus Wagenbach uns mit seiner Anthologie präsentiert, in der er Heilig Abend gegen den Strich bürstet.

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LOTTE IM VALOIS

„Sylvie“ von Gérard de Nerval, Umberto Eco und Burkhart Kroeber

Das Valois nach einer Karte von 1620

Das Valois nach einer Karte von 1620

Mailand - Anzuzeigen ist ein kleines Buch von europäischem Format. Es enthält die zauberhafte Erzählung „Sylvie. Erinnerungen ans Valois“ von Gérard de Nerval, die 1853 zum ersten Mal erschien, auf Französisch und Deutsch. Dazu den Essay „Der Nebel zwischen den Wörtern“, in dem der Italiener Umberto Eco sich mit dem Text auseinandersetzt. Und versucht, das Faszinosum einer Lektüre zu erklären ( – was allerdings nicht immer möglich ist und vielleicht manchmal nur nachgefühlt werden kann).

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