Reportagen und Berichte


    DER ERSTE WELTSTAR UNTER DEN DIRIGENTEN

    Vor 150 Jahren wurde Arturo Toscanini geboren. Gefeiert wird in Italien und auch in den USA. Das Scala-Museum widmet ihm eine kleine Ausstellung

    Arturo Toscanini (1867-1957) am Flügel in seiner Wohnung in New York

    Arturo Toscanini (1867-1957) am Flügel in seiner Wohnung in New York

    Mailand - Am 25. März 1867 wurde Arturo Toscanini im norditalienischen Parma als Sohn eines Schneiders geboren. Früh entdeckte man sein musikalischen Talent. Italien feiert nun seinen 150. Geburtstag. Mittelpunkt ist Mailand, wo an der Scala Riccardo Chailly ein Konzert zu seinen Ehren unter anderem mit der 7. Symphonie von Beethoven dirigiert. Zu dem Abend werden neben dem Kulturminister auch der italienischen Staatspräsident erwartet. Derweil ist im Museum des Teatro alla Scala eine Ausstellung über das Leben und den Mythos von Arturo Toscanini zu sehen. Veranstaltungen gibt es auch in Parma, Bologna und New York.

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    im Theater: Bestie di scena

    Die Uraufführung von Emma Dantes neuestem Stück am Piccolo Theater

    copyright Piccolo Teatro Milano/Masiar Pasquali

    Schamlose Ernsthaftigkeit von "Bühnentieren" - Emma Dantes "Bestie di scene"

    Mailand (Piccolo Teatro) – Das Stück „Bestie di scena“ („Bühnentiere“), das jetzt am Piccolo uraufgeführt wurde, ist ein Arbeit über Schauspieler. 14 Darsteller, sieben Frauen und sieben Männer der sizilianischen Compagnia Sud Costa Occidentale, zeigen sich auf der Bühne splitternackt. In langen Proben haben sie sich unter der Regie von Emma Dante damit auseinander gesetzt, Scham abzulegen, Blicke auszuhalten und die eigene Körperlichkeit frei, gleichsam „tierisch“ in ein Bühnenspiel einzubringen. Die „Bühnentiere“ spielen und kämpfen, schreien und streiten, lachen und werden verrückt.

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    BOOMTOWN MAILAND

    Wie neben der Finanz- eine Kulturmetropole gewachsen ist

    copyright Cluverius

    Bloß den Zug nach Mailand nicht verpassen - Graffito am Hangar Bicocca

    Mailand - Die italienische Kulturhauptstadt 2017 ist Pistoia. Der Ort in der Toskana löst Mantua ab, das sich im vergangenen Jahr mit diesem Titel schmücken durfte. Der wird seit einigen Jahren vom Kulturministerium verliehen. Zu den Zielen gehört, in kleineren und mittleren Städten „kulturelle und landschaftliche Güter zu fördern“ sowie das „touristische Angebot zu verbessern“. Und gerade wurde Palermo für das Jahr 2018 gekürt. Aber die wirkliche Hauptstadt des kreativen Italiens in diesem Augenblick ist Mailand. Die lombardische Metropole hat nicht nur ihre führende Rolle in Design und Mode, bei Verlagen und Medien ausgebaut an, sondern sie gibt auch in der Theater- wie in der Musikszene den Ton – und vor allem in der Kunst der Moderne und der Gegenwart.

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    WIEDER IN DIE ARME GENOMMEN

    Riccardo Muti hat mit dem Chicago Symphonie Orchestra nach zwölfjähriger Abstinenz an der Mailänder Scala zwei umjubelte Konzertabende gegeben

    copyright Teatro alla Scala/Silvia Lelli

    Triumphal - die Rückkehr des verlorenen Sohnes an die Scala

    Mailand – Nun ist er zurück gekehrt. Riccardo Muti war vor zwölf Jahren nicht ganz unschuldig an den chaotischen Verhältnissen an der Mailänder Scala gewesen, die er im April 2005 Türe schlagend verlassen hatte. Jetzt feierte er am 20. und 21. Januar mit zwei Konzerten seines Chicago Symphonie Orchestra eine triumphale Wiederkehr. Am Freitag Abend unter anderem mit der symphonischen Dichtung „Don Juan“ von Strauss und der 4. Symphonie von Tschaikowski. Am Sonnabend ragten Hindemiths „Konzertmusik op. 50“ und Musorgskis „Bilder einer Ausstellung“ heraus. Als Zugabe und als Hommage an Giuseppe Verdi (und die Scala) dirigierte er die Ouvertüre von Nabucco. Das Publikum - unter viel lokaler Prominenz auch Kulturminister Dario Franceschini - feierte den Maestro und das Orchester mit einer Standing Ovation. Bei einer kurzen Rede widmete Riccardo Muti das Gastspiel den jüngsten Opfern des Erdbebens und der Lawinenkatastrophe in Mittelitalien.

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    PFLASTER FÜR PIERO DELLA FRANCESCA

    Ein Welle extrem trockener Kaltluft hat in der Mailänder Pinakothek Brera den Erhalt von Gemälden auf Holzgrund gefährdet. Daraus hat sich eine Diskussion über die Rolle des Museums von heute entwickelt

    Japanpapier damit die Farbe nicht abblättert - die Pala Montefeltro von Piero della Francesca (um 1474)

    Japanpapier damit die Farbe nicht abblättert - die Pala Montefeltro von Piero della Francesca (um 1474)

    Mailand  - Unter winterlichen Witterungsbedingungen leiden nicht nur Menschen, sondern auch Kunstwerke. In der Mailänder Pinakothek Brera klagten Besucher seit dem Silvestertag über allzu kühle Säle. Als dann in der Nacht vom 7. Januar die lombardische Metropole von einer untypisch extrem trockenen Kältewelle überrollt wurde, bekamen das auch Dutzende von Gemälden besonders auf Holzgrund zu spüren. An kritischen Stellen drohte sich der Farbauftrag zu lösen. Offensichtlich, so eine erste Erklärung, habe die Klimaanlage versagt, die die Luftfeuchtigkeit konstant halten sollte.

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    AUFERSTANDEN AUS RUINEN

    Mailand: wie es im Krieg zerstört und danach wieder aufgebaut wurde. Eine Ausstellung im Palazzo Morando erzählt die Geschichte einer Wiedergeburt

    copyright Palazzo Morando

    Aufbruchsstimmung mit Lambretta bei der Porta Nuova

    Mailand (bis 12.2.2017) - Im Sommer 1943 flogen die Alliierten mehrere Bombenangriffe auf Mailand. Seit den Zeiten von Barbarossa hatte die Stadt keine solche Zerstörungswut mehr erlebt. Zwischen Scala, Galleria und Castello zog sich eine Trümmerlandschaft hin. Nur durch ein Wunder blieb Leonardos Abendmahl erhalten. Über die Hälfte der Gebäude der Innenstadt wurden zerstört oder schwer beschädigt. Es gab mehrere Tausend Tote. Eine Bombe traf auch die Crispi-Schule im Stadtteil Gorla, wobei 184 Kinder ums Leben kamen. Salvatore Quasimodo schrieb den Vers: „Vergeblich suchst du im Staub,/ arme Hand, die Stadt ist tot.“ Einen Tag nach der Befreiung im April 1945, als die Alliierten nicht mehr von oben bombten, sondern zusammen mit den Partisanen friedlich einmarschierten, begann der Wiederaufbau.

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    EINE LAIZISTISCHE KATHEDRALE

    In Mailand wurde der Neubau für die Fondazione Feltrinelli eröffnet, den Herzog & de Meuron projektiert haben. Darin finden das riesige Archiv und die Bibliothek sowie Veranstaltungsräume und eine Buchhandlung (mit Café) Platz

    copyright Filippo Romano/Feltrinelli

    Irgendwie gotisch - der Neubau für die Feltrinelli-Stiftung (im vorderen Drittel) und Microsoft Italia (hinten)

    Mailand – Bei Feltrinelli kann man feiern. Der Mailänder Verlag hat mit Roberto Savianos neuem Roman über die Rolle von Jugendlichen im organisierte Verbrechen Neapels („La paranza bei bambini“) einen Verkaufsschlager im Programm, der seit Wochen alle Bestsellerlisten anführt. Und die Fondazione Giangiacomo Feltrinelli konnte ihren neuen Sitz beziehen, den Herzog & de Meuron unweit der Porta Garibaldi errichtet haben.

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