Reportagen und Berichte


    MARE MOSTRUM

    Wie Künstler sich mit dem Thema Emigration auseinander setzen. Eine Ausstellung der Triennale Mailand und der Fondazione Trussardi

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    Emigranten in Mailand - Ausschnitt aus einem Gemälde (250 x 465 cm) des Chinesen Liu Xiadong frei nach dem "Quarto Stato" von Giuseppe Pelizza da Volpedo

    Mailand - Rastlos geht es zu auf dieser Erde. Ganze Völkerscharen sind unterwegs, fliehen vor Krieg, Hunger, Perspektivlosigkeit. Grenzen werden geöffnet und wieder geschlossen. Willkommenskulturen entstehen und gehen wieder unter. Menschen sterben elendig auf der Flucht. Mitleid mischt sich mit Ablehnung, Realpolitik mit Indifferenz. Der Blick der Medien ist an Katastrophen gefesselt, der Alltag wird oft weggeblendet. Was bleibt, ist häufig nicht mehr als ein Gefühl von Unbehagen und Hilflosigkeit. Und die Kunst? Wie sich die Gegenwartskunst dem Thema stellt, versucht eine Ausstellung in Mailand zu ergründen, die die Triennale zusammen der Trussardi-Stiftung veranstaltet.

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    AN DEN THEMEN DER WELT MESSEN

    70 Jahre Piccolo Teatro: Ein „Theater für alle“ wollte Giorgio Strehler mit der Gründung 1947 schaffen. Heute versucht das Haus unterschiedliche Publikumsgruppen anzusprechen – mit politischen Stücken, experimentellem Theater und einer neuen Hinwendung zu erzählerischen Texten. 

    Briefmarke 70 Jahre Piccolo

    Briefmarke 70 Jahre Piccolo Teatro

    Mailand – Als die Stadt nach dem Krieg und schwerer Zerstörung durch Bombenangriffe der Alliierten einen neuen Anfang zum alltäglichen Leben suchte, wurden zuerst die Kultureinrichtungen wieder hergestellt, manche wurden sogar erst geboren. Im Mai 1946 eröffnete Arturo Toscanini die Scala und ein Jahr später nahm das von Giorgio Strehler, Paolo Grassi und Nina Vinchi neu gegründete Piccolo Teatro in den umgebauten Räumen eines Kinos sein Programm auf. Es begann im Mai 1947 mit Gorkis „Nachtasyl“, dem im Juni Goldonis „Diener zweier Herren“ folgte. Aber was ist von der Aufbruchstimmung eines „Theaters der Kunst für alle“ geblieben? Wie hat sich die Bühne nach dem Tod von Giorgio Strehler vor fast 19 Jahren entwickelt und welche Rolle möchte sie heute spielen?

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    MIT EINEM KLICK ZUR AIDA

    Das Archiv der Casa Ricordi geht online. Ein Besuch der weltweit größte Sammlung von Dokumenten zur Musikgeschichte. 

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    Mit Handschuhen und spitzen Fingern - Arbeit im Mailänder Ricordi Archiv

    Mailand – Hinter schweren Panzertüren eines Seitenflügels des Palazzo Brera in Mailand lagert in klimatisierten Räumen eine Welt klangvoller Namen. Handschriftliche Partituren der Werke von Gioachino Rossini bis Giuseppe Verdi, von Giacomo Puccini bis Luigi Nono und Luciano Berio haben die Zeit im Archiv des ehemaligen Ricordi Musikverlages überdauert. Das Archiv der Casa Ricordi, das inzwischen zum internationalen Bertelsmann Imperium gehört, ist das weltweit größte Archiv zur Musikgeschichte überhaupt. Erste Eintragungen gehen auf das Jahr 1808 zurück.

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    "WIR GLAUBEN AN DIESES PROJEKT"

    Gespräch mit Federico Motta, dem Präsidenten des italienischen Verlegerverbandes AIE, über den italienischen Buchmarkt und die neue Mailänder Buchmesse "Zeit der Bücher"

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    Federico Motta, geboren 1954 in Mailand

    Mailand - Vom 19. bis zum 23. April findet in Mailand eine nationale Buchmesse unter dem Titel „Tempo di Libri“ („Zeit der Bücher“) als „Messe der italienischen Buchbranche“ (Untertitel) statt. Veranstalter ist der italienische Verlegerverband, die Associazione degli Editori Italiani (AIE). Der Verband hatte sich im Herbst vergangenen Jahres von dem Salone del Libro, der traditionellen Messe, die seit 30 Jahren in Turin organisiert wird, getrennt (siehe Cluverius "Mailand ist eine Messe wert"). Vorausgegangen waren monatelange Auseinandersetzungen mit der Betreibergesellschaft des Salone del Libro über die Leitung und Gestaltung der Veranstaltung, die in diesem Jahr vom 18. bis 22. Mai in Turin durchgeführt wird. Auf der Mailänder Messe werden rund 460 Verlage mit einem eigenen Stand vertreten sein, für Turin haben sich über 700 Aussteller (teilweise an Gemeinschaftsständen) gemeldet. Der italienische Buchmessenstreit war Anlass für ein Gespräch mit dem Präsidenten des Verlegerverbandes Federico Motta.

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    MONTEVERDI UND CARAVAGGIO

    Cremona feiert den Komponisten Claudio Monteverdi, der vor 450 Jahren in der Stadt der Geigenbauer geboren wurde. Eine Ausstellung will die kulturellen Umbruchstimmungen in Musik- und Kunstgeschichte zu Beginn der Barockzeit aufzeigen

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    Der Lautenspieler - Kopie oder Original? Ein Caravaggio in Cremona

    Cremona (Museo del Violino bis 23.7.) – Hier hat alles angefangen. Handwerker und Musiker brachten im 16. Jahrhundert und 17.Jahrhundert zwischen Gardasee und Po, zwischen Brescia und Cremona, den Bau von Streichinstrumenten zur Meisterschaft. Cremona, wo die Familie Amati die Grundlagen für die Entwicklung der Violinen legte, wurde bald zu einem Zentrum dieser Kultur, die der Musikgeschichte neue Impulse geben sollte. In Cremona kam 1567 auch Claudio Monteverdi zur Welt. Monteverdis Oper L’Orfeo (1607/1609) ist ein Meilenstein in der Entwicklung dieser Kunstgattung. Anlässlich des 450. Geburtstages des Komponisten zeigt das Museo del Violino von Cremona eine Ausstellung von historischen Orchester-Instrumenten für eine Orfeo-Aufführung. Und setzt sie mit dem Gemälde „Der Lautenspieler“ in Beziehung zur Malerei von Michelangelo Merisi (1571-1620). Der stammte aus dem Nachbarort Caravaggio, von dem er auch seinen Künstlernamen erhielt.

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    DAS MÄDCHEN UND DER TOD

    Der Mailänder Palazzo Reale zeigt Blätter einer gemalten Lebenserzählung von Charlotte Salomon, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Ein Gesamtkunstwerk, das erst langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringt.

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    Mit dem Selbstporträt von Charlotte Salomon (1917-1943) wirbt die Ausstellung "Vita? O Teatro?"

    Mailand (Palazzo Reale bis 25. Juni) – Vor genau 100 Jahren wurde am 16. April 1917 Charlotte Salomon in Berlin geboren. Als Jüdin suchte die junge Künstlerin während des Krieges Unterschlupf bei den Großeltern in Südfrankreich. In einem kleinen Ort bei Nizza entstanden aus einer seelischen Krise heraus während nur 18 Monaten zwischen 1940 und 1942 hunderte Gouachen im A4-Format, mit denen sie ihre Geschichte und die ihrer Familie erzählt. „Leben? Oder Theater?“ lautet der Titel. Charlotte Salomon wurde im September 1943 in Nizza verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo man sie vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet hat. Kurz vor ihrer Verhaftung hatte sie noch geheiratet und war bei ihrem Tod im fünften Monat schwanger. Wie durch ein Wunder überstand der Koffer mit den Bildern die Kriegswirren. "Leben? Oder Theater?" wird heute im Joods Historisch Museum von Amsterdam aufbewahrt. Eine breite Auswahl von 270 Arbeiten ist jetzt zusammen mit Fotografien in Mailand im Palazzo Reale zu sehen.

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    DER ERSTE WELTSTAR UNTER DEN DIRIGENTEN

    Vor 150 Jahren wurde Arturo Toscanini geboren. Gefeiert wird in Italien und auch in den USA. Das Scala-Museum widmet ihm eine kleine Ausstellung

    Arturo Toscanini (1867-1957) am Flügel in seiner Wohnung in New York

    Arturo Toscanini (1867-1957) am Flügel in seiner Wohnung in New York

    Mailand - Am 25. März 1867 wurde Arturo Toscanini im norditalienischen Parma als Sohn eines Schneiders geboren. Früh entdeckte man sein musikalischen Talent. Italien feierte nun seinen 150. Geburtstag. Mittelpunkt war Mailand, wo an der Scala Riccardo Chailly ein Konzert zu seinen Ehren unter anderem mit der 7. Symphonie von Beethoven dirigierte. Dem umjubelten Abend wohnte neben dem Kulturminister auch der italienischen Staatspräsident bei. Veranstaltungen gab es auch in Parma, Bologna und New York. Derweil ist noch im Museum des Teatro alla Scala eine Ausstellung über das Leben und den Mythos von Arturo Toscanini zu sehen. 

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