Reportagen und Berichte


    in der Oper: I masnadieri

    Die Inszenierung an der Mailänder Scala überzeugt musikalisch unter Dirigent Michele Mariotti. Der Regisseur David McVicar kämpft dagegen mit dem Libretto – und scheitert.

    © Cluverius

    Bevor der Vorhang aufgeht: Die Fratze des Bösen

    Mailand (Teatro alla Scala bis 7.Juli) – Unter den Verdi-Opern gehören „I masnadieri“, die der „Schwan von Busseto“ mit nur 34 Jahren komponierte, zu den weniger bekannten. Nach der Premiere 1847 in London, die Verdi selbst dirigierte, wurden das Werk nur drei Mal auf der Scala aufgerührt, zuletzt 1978 unter der musikalischen Leitung eines damals 25jährigen Riccardo Chailly, heute musikalischer Leiter der Mailänder Oper. Das hat auch mit dem missglückten Libretto von Andrea Maffei zu tun, der Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ verhunzte. In Mailand kamen „I Masnadieri“ jetzt unter der musikalischen Leitung von Michele Mariotti und der Regie des Briten David McVicar neu heraus.

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    EIN INTELLEKTUELLES FEUERWERK

    Umberto Eco schlägt in dem Band „Auf den Schultern von Riesen“ weite Bögen durch die Literatur-, Kunst- oder Philosophiegeschichte und legt geistreiche Stolpersteine. Ein Lesevergnügen, das nachdenklich macht 

    © Milanesiana

    "Ich habe von der Wirklichkeit geträumt. Welche Erleichterung zu erwachen!" Umberto Eco auf dem Kulturfestival "Milanesiana" 2010 zum Thema "Paradoxe" Stanislaw Lec zitierend

    Mailand –  Experten gibt es heute überall und für alles. Und sie spezialisieren sich immer weiter, dass am Ende ihr riesiges Fachwissen auf einen extrem kleinen Gegenstand fixiert ist. Auf der anderen Seite gibt es ein stetig wachsendes Palaver der Besserwisser nicht nur in den sozialen Medien. Ein Gerede, eigentlich nur ein Geraune, über alles und nichts, das inhaltsleer über einen hinwegrauscht. Zwischen diesen Extremen wünscht man sich wieder in eine Art Schule, möchte einem Lehrer zuhören, der das Denken seiner Hörer mit Ideen, Anregungen, Zweifeln und mit ein bisschen Ironie in Bewegung hält. Umberto Eco (1932 -2016) war ein solcher Lehrer und sein Schulhaus war der öffentliche Auftritt.

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    im Theater: Gul – Uno sparo nel buio

    Gemma Carbone eröffnet mit ihrem Stück über den Mord an Olof Palme im Teatro Elfo Puccini eine Reihe von neuen Inszenierungen junger Autoren zu politischen Themen im italienischen Theater

    © Teatro Elfo Puccini/Carlotta Musardo

    Spurensuche und Gefühle - Gemma Carbone

    Mailand (Teatro Elfo Puccini) – Politik, Leidenschaft, Macht – unter diesen Stichworten hat das Teatro Elfo Puccini seine diesjährige Reihe Nuove storie ("Neue Erzählungen") gestellt, die – so der Kurator Francesco Frongia – mit jungen Theatergruppen politisch unbequeme Themen aufgreifen und ihre Umsetzung auf der Bühne untersuchen will. Den vielversprechenden Anfang machte jetzt Gemma Carbone mit ihrem Stück Gul – Uno sparo nel buio („Gelb – Ein Schuss im Dunkel“). Dabei geht es um den Mord an Schwedens Ministerpräsident Olof Palme.

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    HEUTE HIER, MORGEN DA

    Die Fondazione Trussardi versucht in Mailand, unter der Leitung von Beatrice Trussardi, mit Gegenwartskunst in den Alltag hinein zu wirken und öffentliches Bewusstsein zu wecken

    © Cluverius

    Verhängt: Trussardi-Projekt von Ibrahim Mahama (Ghana) an der Mailänder Porta Venezia - hier in der Aufbauphase

    Mailand - „Ich bin eine kulturelle Aktivistin.“ Beatrice Trussardi leitet die 1996 von ihrem Vater Nicola in Mailand gegründete Fondazione Trussardi. „Kunst ist für mich ein Mittel, die Notlagen, die Probleme der Welt zu verstehen,“ sagt die 47jährige in einem Gespräch mit Auslandsjournalisten der Foreign Press Milano. Die Trussardi Kulturstiftung hat gerade zusammen mit der Messe miart und dem Künstler Ibrahim Mahama aus Ghana das Projekt „A Friend“ konzipiert, bei dem die beiden neoklassizistischen Zollgebäude der Porta Venezia in Mailand für zwei Wochen mit Jutesäcken aus der afrikanischen Heimat des Künstlers verhängt wurden. Die historische Stadttoranlage am Beginn des Corso Buenos Aires, Mailands längster Einkaufsstraße, wurde so zu einem Symbol für den Zusammenhang von Konsum, Globalisierung und Emigration.

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    in der Oper: Manon Lescaut

    Die Scala bringt Giacomo Puccinis erste große Erfolgsoper in einer Urfassung heraus

    © Brescia/Amisano - Teatro alla Scala

    Vom Barock in die Puccini-Zeit: David Pountney inszeniert "Manon Lescaut" vor dampfenden Lokomotiven - rechts auf einem Karren Maria José Siri als Manon

    Mailand (Teatro alla Scala bis 27.4.2019) – Großer Bahnhof für Manon an der Scala: Der britische Regisseur David Pountney verlegt die Handlung der Oper von einer Taverne des 18. Jahrhunderts in einen Bahnhof zur Puccini-Zeit an die Wende zum 20. Jahrhundert. Und läst mächtige Züge über die Bühne (Leslie Travers) rollen. Was durchaus einleuchtet, wollte einem der Tradition verhafteten Teil des Mailänder Publikums nicht gefallen. Und so gab es nach der Premiere der Manon Lescaut im Saal eine Schlacht zwischen stürmischen Beifall und kräftigem Buh-Rufen. Gefeiert wurden auch bei den Wiederaufführungen dagegen unisono Riccardo Chailly und die Stimmen – allen voran Maria José Siri (Manon) und Massimo Cavalletti (Lescaut), etwas weniger Roberto Aronica (Des Grieux).

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    VIEL LÄRM UM NICHTS?

    Scala verzichtet auf Saudi-Gelder (vorerst)

    Mailand - Der Verwaltungsrat der Stiftung des Teatro alla Scala hat am Montag (18.3.) das Angebot der Saudi, die Mailänder Oper finanziell zu unterstützen (siehe Cluverius), dankend abgelehnt. Ein Vorschuss von etwas über 3 Mio Euro wird zurück überwiesen. Tourneen der Scala und der Scala-Akademie  2019/2020 nach Saudi Arabien werden bestätigt. Intendant Alexander Pereira, dessen Rücktritt von verschiedenen Seiten gefordert wurde, bleibt bis 2020 im Amt.

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    DIE SCALA UND DIE SAUDI

    Aufregung in Mailand um eine Beteiligung des Ölstaates am Opernhaus. Intendant Alexander Pereira möchte seinen Vertrag verlängern. Mögliche Nachfolger stehen schon Schlange

    © Cluverius

    Mehr Licht für die Scala durch Saudi-Gelder? Die Mailänder Oper am Abend

    Mailand - Strecken die Saudi ihre Hände nach der Mailänder Scala aus? Sollen Ölgelder den Bühnenbetrieb schmieren? Die Rede ist von 15 Millionen Euro, die dem saudischen Königshaus oder dem von ihm kontrollierten Ölriesen Aramco einen Sitz im Verwaltungsrat der Bühne gleichberechtigt mit Vertretern des italienischen Staates und privaten Stiftungsmitgliedern wie Pirelli, Tod’s oder Allianz sichern würde. Schon gibt es eine parlamentarische Anfrage in der römischen Abgeordnetenkammer wegen der Beteiligung eines Landes, „das keine Garantien der fundamentalen Menschenrechte“ liefere.

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    JUNG, NACHDENKLICH, MULTIKULTURELL

    Mahmood, in der Mailänder Peripherie aufgewachsen, gewinnt überraschend mit dem Song „Soldi“ das 69. Festival von Sanremo - und löst Polemiken aus

    © Corriere della Sera,Dossier Sanremo 2019

    Mit dem goldenen Löwen von Sanremo -Der 26jährige Mahmood

    Sanremo/Mailand – Hast Du Töne? Als in der Nacht zu Sonntag (11. Februar) Altstar Claudio Baglioni den Sieger des diesjährigen Songfestivals Sanremo bekannt gab, zeigte der Glückliche sich überrascht – Mahmood, ein Kind der multikulturellen Mailänder Szene, hatte sich wider Erwarten gegen den favorisierten Römer Ultimo durchgesetzt. Während auf der politischen Bühne sich das von populistischen Strömungen getragene kleinbürgerliche Italien von seiner bedenklichen Seite zeigt, kommt in Sanremo ein anderes Italien – jung, nachdenklich, multikulturell – in den Blick.

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    im Theater: Lo Strano Caso del Cane Ucciso a Mezzanotte

    Mit Simon Stephens Erfolgsstück am Teatro Elfo Puccini ins neue Jahr

    © Laila Pozzo/Elfo Puccini

    Berührungsängste - Daniele Fedeli als Christopher und Alice Redini als Judy

    Mailand (Teatro Elfo Puccini bis 13.1.) - Die Geschichte von Christopher Boone handelt von einem verhaltensgestörten aber mathematisch hochbegabten Jugendlichen, der in einer englischen Kleinstadt allein mit seinem Vater lebt. Christopher möchte den gewaltsamen Tod eines Hundes in seiner Nachbarschaft aufklären und löst dabei das Rätsel um seine verschwundene Mutter. Mark Haddon erzählt die ernste Geschichte mit leichter Hand in seinem Erfolgsroman The Curious incident of the Dog in the Night-Time (2003). Der auch in Deutschland vielgespielte Simon Stephens hat daraus ein Bühnenstück gemacht (2012), das zunächst in London und dann in New York das Publikum begeisterte. Ferdinando Bruni und Elio De Capitani haben es jetzt im Teatro Elfo Puccini für das italienische Publikum bearbeitet herausgebracht – eine Inszenierung, die seit der Premiere am 5. Dezember für ausverkaufte Vorstellungen sorgt.

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    EIN BUNTES BILD VON ITALIEN

    Lebensqualität (1): Mailand an erster Stelle im Ranking der Zeitung il sole 24 ore

    © Cluverius

    Blauer Himmel über Mailand, die Stadt mit der höchsten Lebensqualität in Italien - Garibaldi-Denkmal auf der Piazza Cairoli, im Hintergrund das Castello Sforzesco

    Mailand – Im Index, mit dem das Wirtschaftsblatt il Sole 24 ore jedes Jahr die Lebensqualität in den gegenwärtig 107 Stadtkreisen (Provinzen) Italiens misst, lagen bislang immer kleinere oder mittlere Städte wie zuletzt Belluno oder früher Ravenna ganz vorne. Jetzt ist es zum ersten Mal einer Großstadt gelungen, an die erste Stelle zu rücken: Mailand. Es folgen Bozen, Aosta, Belluno und Trento. Rom liegt auf dem 21. Platz vor Florenz (22.). Venedig findet man an Stelle 34, Turin an 38, Neapel an 94. Am Ende stehen Taranto und Foggia (beide Apulien) und schließlich Vibo Valentia (Kalabrien).

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    QUCIKLEBENDIG UND INTERNATIONAL

    Lebensqualität (2): Was Mailand so attraktiv macht – und wo es sich schwer tut

    © Cluverius

    Der alte Verdi und die neue Stadt - Piazza Buonarroti und das City Live Viertel im Hintergrund

    Mailand – Die lombardische Großstadt und ihr Umkreis (3,5 Millionen Einwohner) haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Mailand hat das Image einer eher hässlichen, kalten, allein auf Arbeit und Profit zugeschnittenen Stadt abgeschüttelt und sich zu einer international ausgerichteten quicklebendigen Metropole voller kultureller und sozialer Initiativen entwickelt. Aus wirtschaftlichen Grundlagen heraus (Mode- und Designunternehmen, Verlage und Zulieferer) haben sich Großveranstaltungen vom Fuori Salone bis zu Book City (1400 Gratis-Veranstaltungen) und Piano City (450 Konzerte) entwickelt, an denen weite Teile der Bevölkerung teilhaben. Die Stadt ist im Vergleich zu anderen Großstädten von der Fläche her relativ klein, was die Wege kurz und das Leben intensiv macht

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    in der Oper: Attila

    Mit der patriotischen Oper des jungen Verdi eröffnet die Mailänder Scala unter großem Applaus ihre neue Spielzeit

    © Brescia/Amisano - Teatro alla Scala

    Rache im Namen des Vaterlandes - Saioa Hernandez als Odabella  e und Ildar Abdrazakov als Attila

    Mailand (Teatro alla Scala bis 8.1.2019) – Kein Opernhaus der Welt feiert so festlich und so selbstbewusst seine Saisoneröffnung, wie es das Teatro alla Scala regelmäßig am 7. Dezember unternimmt. In diesem Jahr war das „Attila“ von Giuseppe Verdi. Riccardo Chailly dirigierte, Davide Livermore führte Regie und es sangen und spielten u.a. Saioa Hernández, Ildar Abdrazakov, Fabio Sartori und George Petean. 15 Minuten Applaus am Ende belohnten ihren Einsatz. Millionen  verfolgten die „Inaugurazione“ im Fernsehen, in Kinosälen, am Radio oder bei Übertragungen in Sozialeinrichtungen und öffentlichen Anlagen.

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    VON PIERMARINI BIS BOTTA

    240 Jahre Teatro alla Scala in einer kleinen Ausstellung des Scala-Museums

    © Cluverius

    "Für mich ist es das erste Theater der Welt" schrieb Stendhal 1816 - Angelo Inganni malte das Teatro alla Scala im Stil der Romantik 1852

    Mailand (Museo Teatrale alla Scala bis 30.4.2019) - Nachdem das Teatro Regio Ducale innerhalb des Mailänder Herzogspalast 1776 zum dritten Mal ein Opfer von Flammen geworden war, finanzierten Adelige und Bürger der Stadt den Neubau eines Opernhauses - diesmal aus Stein und als Einzelgebäude. Die Landesherrin – damals die Habsburgerin Maria Theresia – genehmigte dafür den Abriss der Kirche Santa Maria alla Scala. Nach Plänen des Architekten Giuseppe Piermarini wurde das neue Opernhaus in nur 23 Monaten in klassizistischen Formen errichtet und im August 1778 mit Europa riconosciuta von Antonio Salieri eröffnet. In ihrer wechselhaften Geschichte war die Bühne ein Spiegel der kulturellen und politischen Zeitläufe. Zugleich war sie kontinuierlich baulichen und strukturellen Veränderungen unterworfen. Bis hin zu den Erweiterungen des Tessiner Architekten Mario Botta, der gerade mit einem Turmbau die Umbauten von 2002/2004 ergänzt. Eine kleine Ausstellung im Scala-Museum verfolgt jetzt 240 Jahre Geschichte von Piermarini bis Botta.

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    in der Oper: Fin de Partie

    Die Welturaufführung der Oper von György Kurtág nach dem Bühnenstück von Samuel Beckett in der Scala wurde zu einem von der Kritik gefeierten Erfolg

    copyright Teatro alla Scala/Ruth Walz

    Lange Schatten - im Rollstuhl Hamm (Frode Olsen) und sein Diener Clov (Leigh Melrose)

    Mailand (Teatro alla Scala bis 25. 11.) – Fast zehn Jahre lang hat der Österreicher Alexander Pereira den Ungarn György Kurtág umworden, den Plan einer Oper zu Becketts Theaterstück Fine de Partie („Endspiel“) umzusetzen. Jetzt hat der 92jährige Kurtág Wort gehalten. Pereira – Intendant der Scala seit Oktober 2014 – kann so seinen bislang größten Erfolg am Mailänder Opernhaus auskosten. Die Welturaufführung am 15. November in französischer Sprache wurde von der nationalen wie internationalen Presse gefeiert. Ein Verdienst der Künstler, die Kurtágs Vorgabe auf hohem Niveau umzusetzen wussten: Markus Stenz, der das Scala-Orchester leitete, die Sänger, allen voran Frode Olsen als Hamm, Pierre Audi als Regisseur sowie seine Mitarbeiter für Bühne und Licht.

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    EIN FEST DER GANZEN STADT

    Die UNESCO Bücherstadt Mailand feiert bei der siebten Ausgabe von BookCity Milano mit atemberaubenden über 1300 Terminen die Welt des Buches vom Zentrum bis in die Peripherie.

    © BookCity/Martina-GentilinoMAG

    Eröffnung - Der Start von BookCity 2018 mit Jonathan Coe im Teatro dal Verme

    Mailand (15.11. - 18.11.) - Vier Tage dreht sich jetzt in alles um Bücher. Mit mehr als 1300 (!) Veranstaltungen hat sich BookCity Milano seit der Gründung 2012 zur größten Initiative zur Förderung der Lesekultur in Italien entwickelt. Natürlich treten bei BCM18 dutzendweise Autoren auf – der Engländer Jonathan Coe eröffnete mit einem Meeting im Teatro Dal Verme den Veranstaltungsreigen. Es gibt öffentliche Lesungen in Museen, Diskussionen in Kultureinrichtungen, Workshops in Stadtbibliotheken. Verlage stellen Produktionsketten vor, Buchhändler laden ein, sich mit Fragen des Handels vertraut zu machen.

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