Gestern …


im Theater: Prima della Pensione

Thomas Bernhards italienische Fassung von „Vor dem Ruhestand“ mit Elena Bucci und Marco Sgrosso, die das Stück auch inszeniert haben, zwischen menschlicher Tragödie und politischer Satire

copyright Emilia Romagna Teatro Fondazione

Tragikomische Feier zu Himmlers Geburtstag - von links : Vera (Elena Bucci), Clara (Elisabetta Vergani) und Rudolf (Marco Sgrosso)

Mailand (Teatro dell’Elfo) – Das Stück, das wegen seiner realen politischen Bezüge eine Sonderstellung im Werk von Thomas Bernhard (1931 – 1989) hat, ist sperriger, als es zunächst scheint. Es nimmt den Fall des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger (CDU) zum Anlass, der währende der NS-Zeit als Marinerichter Todesurteile und Hinrichtungen zu verantworten hatte, was erst in den 1970er Jahre bekannt wurde und schließlich zum Rücktritt 1978 Filbingers führte. Der hatte sein Tun mit dem Satz entschuldigt „Was damals rechtens war, kann heute kein Unrecht sein“. Er war zuvor mit hohen Orden geehrt worden, unter anderen auch mit dem Verdienstorden der italienischen Republik (Ordine al Merito della Repubblica Italiana), was in Italien so gut wie unbekannt ist.

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in der Oper: Madama Butterfly

Die Scala eröffnet ihre Spielzeit mit Giacomo Puccini. Am Pult überzeugt Riccardo Chailly, ansprechend die Sänger, weniger überzeugend die Regie von Alvis Hermanis

copyright Teatro alla Scala

Madama Butterfly mit Maria José Siri (in der Mitte als Butterfly), sowie sitzend Bryan Hymel (Pinkerton) und Carlos Alvarez (Konsul)

Mailand (Teatro alla Scala) - Zur Saisoneröffnung griff die Scala auf einen ihrer größten Misserfolge in der Geschichte zurück – auf die Welturaufführung von Puccinis „Madama Butterfly“ am 17. Februar 1904 an der Mailänder Bühne. Nachdem die Inszenierung beim Publikum wie bei der Kritik durchgefallen war, veränderte der tief enttäuschte Komponist das Stück durch Kürzungen und Umstrukturierungen (u.a. drei statt zwei Akte). Ein paar Monate später gelang der Butterfly nach einer Neuinszenierung in Brescia ein triumphaler Neustart. Heute gehört die tragische Geschichte um die treue Cio-Cio-San aus Nagasaki und ihre enttäuschte Liebe zu dem amerikanischen Marineoffizier F.B. Pinkerton weltweit zu einer der meistgespielten Opern.

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im Kino: "In guerra per amore"

Die Übernahme von Führungsrollen durch die Mafia bei Kriegsende auf Sizilien von Pif mit den Mitteln der Komödie erzählt

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Mit der Army zurück in die Heimat: Pif (Pierfrancesco Diliberto) als US-Soldier

Mailand (Cinema Anteo) - Das ist nicht die erste filmische Erzählung über die Landung der angloamerikanischen Truppen auf Sizilien im Juli 1943. Und über die Rolle, die dabei die Mafia gespielt haben soll. Aber sie wurde vielleicht noch nie so persönlich in eine Liebesgeschichte eingebettet und mit Mitteln der Komödie erzählt, wie es der Regisseur und Schauspieler Pierfrancesco Diliberto „In guerra per amore / Aus Liebe in den Krieg“ macht.

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im Theater: Vangelo

Pippo Delbono über Jesus Christ Superstar und Menschen an den Rändern der Existenz

copyright Luca Del Pia/Piccolo

Anarchisch und nicht politisch korrekt: Pippo Delbono

Mailand (Piccolo Teatro) – „Warum machst Du nicht ein Stück über das Evangelium, Pippo? Die Welt hätte ein Zeichen der Liebe nötig.“ So erzählt Pippo Delbono im Off, während auf der Bühne nur leere Stühle zu sehen sind, von der Bitte seiner katholischen Mutter wenige Tage vor ihrem Tod. Ein Zeichen der Liebe? Was bedeutet Liebe heute? Der 57jährige Autor und Schauspieler aus Ligurien, der an keinen Gott und keine Kirche glaubt und sich seit Jahren zum Buddhismus bekennt, fing an sich an seine Jugend als Messdiener zu erinnern. Und an die Geschichte des Christentums, seine Symbole, an die Worte des Evangeliums und daran, wie Menschen heute miteinander umgehen. Er sammelte wie immer bei seiner Arbeitsweise Material im Privaten wie im Öffentlichen, Bilder bei eigenen Krankenhausaufenthalt wie in Flüchtlingslagern.

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