News


DIE SCHMERZEN DER IDENTITÄT

Der bedeutende sardische Erzähler und Intellektuelle Salvatore Mannuzzu ist im Alter von 89 Jahren in seiner Heimatstadt Sassari gestorben

© avvenire.it

Salvatore Mannuzzu (Pitigliano 1935 - Sassari 2019)

Mailand/Sassari - Salvatore Mannuzzu kam 1930 in der Toskana als Sohn einer sardischen Familie auf die Welt. Von 1955 bis 1976 war er Richter auf Sardinien in Bosa und Sassari, danach bis 1987 Abgeordneter im römischen Parlament ( als Unabhängiger gewählt auf der Liste der Kommunistischen Partei). Als Schriftsteller setzte er sich in Erzählungen und Romanen wie Procedura (Einaudi 1988) – ausgezeichnet mit dem Premio Viareggio) – Un morso di formica (Einaudi 1989) oder Alice (Einaudi 2001) mit seiner sardischen Heimat auseinander. Der Intellektuelle und Autor auch von Essays über Politik, Rechtswissenschaft und Kultur gilt als eine Art Vaterfigur für die jüngere Literaturszene der Insel. Salvatore Mannuzzu ist jetzt am 10. September in seiner Heimatstadt Sassari gestorben.

weiter zum Artikel

„NEUE BEGEISTERUNG“

Der Balzan Preis 2019 geht an Wissenschaftler einer Forschergruppe vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung. Außerdem werden Persönlichkeiten aus Frankreich, Großbritannien und Italien geehrt. Die Preise werden am 15. November in Bern übergeben.

© Balzan.org

Eine Chance für junge Wissenschaftler – der Balzan Preis initiiert Forschungsprojekte. Hier beim Palis-Balzan Symposium Paris 2015

Mailand – Die Internationale Balzan Stiftung prämiert in diesem Jahr Wissenschaftler aus vier Ländern mit dem Balzan Preis: Aus Frankreich Jaques Aumont im Fach „Filmwissenschaft“, aus Großbritannien Michael Cook für „Islamwissenschaft“, aus Italien Luigi Ambrosio für „Theorie der partiellen Differentialgleichungen“ sowie aus Deutschland die Forschergruppe mit Erika von Mutius, Klaus F. Rabe, Werner Seeger, und Tobias Welte für „Pathaphysiologie der Atmung: von der Grundlagenforschung zum Krankenbett“.

weiter zum Artikel

EIN STARKER ABGANG

Alexander Pereira verlässt die Mailänder Scala und wird Intendant des Maggio Musicale von Florenz

© Corriere online

Der Neue, der Bürgermeister und der Alte: Dominique Meyer, Giuseppe Sala, Alexander Pereira

Mailand - Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Als Intendant Alexander Pereira nach dem etwas verunglückten Versuch, mit Geldern aus Saudi Arabien die Kassen der Scala aufzubessern, im Frühjahr in Verhandlungen um Verlängerung seines Vertrages am Mailänder Opernhaus ging, hätten sie den Österreicher beinahe vom Hof gejagt. Der Vertrag wäre im Februar 2020 ausgelaufen, aber mehr als eine Verlängerung um ein Jahr war nicht drin. Wobei er die Leitung im letzten Jahr bereits mit seinem Nachfolger, dem Franzosen Dominique Meyer, hätte teilen sollte. Der wird von der Staatsoper Wien an das Teatro alla Scala wechseln. Alexander Pereira wäre gern noch mindestens zwei volle Jahre allein in Amt und Würden in Mailand bis 2022 geblieben, wenn ebenso der Vertrag mit Riccardo Chailly als musikalischer Leiter der Scala auslaufen wird. Doch es blieb nur der Abschied gleichsam auf Raten.

weiter zum Artikel

EIN FALL VON BETRUG?

Die italienische Justiz erhebt Anklage gegen Kurator und Ausstellungsmacher einer Modigliani-Schau in Genua

copyright Mostra Palazzo Ducale Genova

Ein Modigliani? Kein Modigliani? "Grande nudo disteso - Bildnis von Celine Howard" (1918?) aus einer Privatsammlung (Schweiz)

Mailand/Genua - Was macht ein Kunstwerk zur Fälschung? Die (willentlich) falsche Zuschreibung als Originalwerk eines Künstlers. Der Kunstmarkt ist voll solcher Werke, die aus dunklen Quellen überraschend auftauchen und denen auf der Suche nach Gewinn ein falsches Mäntelchen umgehängt wird. Man bemüht einen Fachmann für eine Expertise, bringt die Ware auf einer Ausstellung unter, wo sie auch im Katalog erscheint, der in weiteren Veröffentlichungen zitiert werden kann. So kann das Werk bei einer Versteigerung/einem Verkauf eine guten Preis erzielen, der nach folgenden Ausstellungen, neuen Veröffentlichung und Expertisen beim Weiterverkauf noch übertroffen wird – die Spirale ist nach oben offen. Die italienische Justiz ist jetzt dabei, diesen Kreislauf im Fall von Amedeo Modigliani (Livorno 1884 – Paris 1920) zu durchbrechen.

weiter zum Artikel

WERKSTATT FÜR IDEEN

Zwischen Trubel und Debatten - die Turiner Buchmesse mit steigenden Besucherzahlen

© Cluverius

Bücher sind das Leben - Feltrinelli-Stand

Turin/Mailand – Die Veranstalter des 32. Salone Internazionale del Libro di Torino (9. bis 13. Mai) zeigten sich zufrieden. Zur italienischen Buchmesse kamen diesmal 148.000 Besucher (darunter rund 21.000 Kinder und Jugendliche in einem für sie reservierten Veranstaltungsbereich) – rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir sind eine Werkstatt für Ideen“, zog der künstlerische Leiter, der Schriftsteller Nicola Lagioa, Bilanz.
Auf Veranstaltungen wurden Bücher und Themen einer breiten Themenpalette diskutiert, wobei die gegenwärtige Faschismusdebatte in Italien mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt wurde.

weiter zum Artikel

VIEL LÄRM UM NICHTS?

Scala verzichtet auf Saudi-Gelder (vorerst)

Mailand - Der Verwaltungsrat der Stiftung des Teatro alla Scala hat am Montag (18.3.) das Angebot der Saudi, die Mailänder Oper finanziell zu unterstützen (siehe Cluverius), dankend abgelehnt. Ein Vorschuss von etwas über 3 Mio Euro wird zurück überwiesen. Tourneen der Scala und der Scala-Akademie  2019/2020 nach Saudi Arabien werden bestätigt. Intendant Alexander Pereira, dessen Rücktritt von verschiedenen Seiten gefordert wurde, bleibt bis 2020 im Amt.

weiter zum Artikel

DIE SCALA UND DIE SAUDI

Aufregung in Mailand um eine Beteiligung des Ölstaates am Opernhaus. Intendant Alexander Pereira möchte seinen Vertrag verlängern. Mögliche Nachfolger stehen schon Schlange

© Cluverius

Mehr Licht für die Scala durch Saudi-Gelder? Die Mailänder Oper am Abend

Mailand - Strecken die Saudi ihre Hände nach der Mailänder Scala aus? Sollen Ölgelder den Bühnenbetrieb schmieren? Die Rede ist von 15 Millionen Euro, die dem saudischen Königshaus oder dem von ihm kontrollierten Ölriesen Aramco einen Sitz im Verwaltungsrat der Bühne gleichberechtigt mit Vertretern des italienischen Staates und privaten Stiftungsmitgliedern wie Pirelli, Tod’s oder Allianz sichern würde. Schon gibt es eine parlamentarische Anfrage in der römischen Abgeordnetenkammer wegen der Beteiligung eines Landes, „das keine Garantien der fundamentalen Menschenrechte“ liefere.

weiter zum Artikel

JUNG, NACHDENKLICH, MULTIKULTURELL

Mahmood, in der Mailänder Peripherie aufgewachsen, gewinnt überraschend mit dem Song „Soldi“ das 69. Festival von Sanremo - und löst Polemiken aus

© Corriere della Sera,Dossier Sanremo 2019

Mit dem goldenen Löwen von Sanremo -Der 26jährige Mahmood

Sanremo/Mailand – Hast Du Töne? Als in der Nacht zu Sonntag (11. Februar) Altstar Claudio Baglioni den Sieger des diesjährigen Songfestivals Sanremo bekannt gab, zeigte der Glückliche sich überrascht – Mahmood, ein Kind der multikulturellen Mailänder Szene, hatte sich wider Erwarten gegen den favorisierten Römer Ultimo durchgesetzt. Während auf der politischen Bühne sich das von populistischen Strömungen getragene kleinbürgerliche Italien von seiner bedenklichen Seite zeigt, kommt in Sanremo ein anderes Italien – jung, nachdenklich, multikulturell – in den Blick.

weiter zum Artikel

SCHLANGESTEHEN VOR VENEDIG?

Die Lagunenstadt darf jetzt auch von Tagespendlern eine Ortstaxe verlangen. Aber hat noch keinen Modus dafür gefunden

© Cluverius

Demnächst nur noch nach Vorbuchung ? - Postkartenblick auf Venedig

Venedig - Wie soll das gehen? Drehkreuze und Kassenhäuschen an der Piazzale Roma, vor dem Bahnhof, am Flughafen? Aufpreise für Bahn-, Bus-, Schiff- und Flugtickets? Ein obligatorischer Venedig-Pass? Abbuchung vom Handy? Zugang nur nach Vorbestellung? Sonderregelungen für Museums- und Biennale-Besucher? Muss man demnächst Schlange stehen, wenn man nach Venedig will?

weiter zum Artikel

EIN FEST DER GANZEN STADT

Die UNESCO Bücherstadt Mailand feiert bei der siebten Ausgabe von BookCity Milano mit atemberaubenden über 1300 Terminen die Welt des Buches vom Zentrum bis in die Peripherie.

© BookCity/Martina-GentilinoMAG

Eröffnung - Der Start von BookCity 2018 mit Jonathan Coe im Teatro dal Verme

Mailand (15.11. - 18.11.) - Vier Tage dreht sich jetzt in alles um Bücher. Mit mehr als 1300 (!) Veranstaltungen hat sich BookCity Milano seit der Gründung 2012 zur größten Initiative zur Förderung der Lesekultur in Italien entwickelt. Natürlich treten bei BCM18 dutzendweise Autoren auf – der Engländer Jonathan Coe eröffnete mit einem Meeting im Teatro Dal Verme den Veranstaltungsreigen. Es gibt öffentliche Lesungen in Museen, Diskussionen in Kultureinrichtungen, Workshops in Stadtbibliotheken. Verlage stellen Produktionsketten vor, Buchhändler laden ein, sich mit Fragen des Handels vertraut zu machen.

weiter zum Artikel

SCHRIFT AN DER WAND

Pompeji wurde nicht im Sommer, sondern erst im Herbst 79 n.Chr. zerstört

© www.pompeiisites.org

Neue Zeitrechnung:Inschrift, die auf den 17. Oktober 79 verweist

Rom – Wann wurde Pompeji nach einem Ausbruch des Vesuvs zerstört? Als Datum galt bislang der 24. August 79 n. Chr. als gesichert. Ein Graffito, das jetzt bei einer Ausgrabung entdeckt wurde, bringt die bisherige Zeitrechnung durcheinander. Da wird in einer Kohleinschrift der 17. Oktober genannt. Die antike Stadt kann also erst danach in Schutt und Asche versunken sein.

weiter zum Artikel