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NEUE STRAHLKRAFT UND LESBARKEIT

Mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis werden in diesem Jahr Victoria Lorini und Reimar Klein ausgezeichnet.

Le Vite - Erstausgabe der Lebensbeschreibungen von 1550, durch die Giorgio Vasari zum "Vater der Kunstgeschichte" wird

Ein Jahrhundertwerk: Le Vite - Erstausgabe der Lebensbeschreibungen aus dem Jahr 1550, durch die Giorgio Vasari zum "Vater der Kunstgeschichte" wurde

Berlin/Florenz/Triest – Die „Vite“, die Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten, die Giorgio Vasari  1550 in erster und 1568 in zweiter Auflage publizierte, gelten als ein Fundament für die wissenschaftliche Auseinandersetzung in der Geschichte der Kunst. Es sind Texte zu vorwiegend italienischen Künstlern von Cimabue und Giotto bis Tizian und Vasari selbst. Der Wagenbach Verlag Berlin hat sie zusammen mit dem Deutschen Kunsthistorischen Institut Florenz in einer „Edition Giorgio Vasari“ unter der Leitung von Alessandro Nova  in einer Taschenbuchreihe neu auf Deutsch und vor allem ungekürzt herausgegeben und kommentiert. Die meisten Texte dieser großartigen wissenschaftlichen wie verlegerischen Arbeit, die in 45 Bänden zwischen 2004 und 2015 entstand, hat Victoria Lorini übersetzt. Dafür wird sie jetzt mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis ausgezeichnet.

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ALTE ZÖPFE

Der Staatsrat setzt das Urteil eines Verwaltungsgerichts in Sachen Berufung von Museumsdirektoren aus. Kulturminister Franceschini kann aufatmen

Palazzo Spada in Rom, Sitz des Consiglio di Stato

Palazzo Spada in Rom, Sitz des Consiglio di Stato

Mailand / Rom – Der Consiglio di Stato (Staatsrat) hat am Donnerstag 15. Juni das Urteil des Verwaltungsgerichts (TAR) der Region Latium vorläufig ausgesetzt, das die Berufung von Direktoren für staatliche Museen nach dem neuen Ausschreibungsverfahren für nichtig erklärt und die sofortige Suspendierung der Direktoren angeordnet hatte (siehe auf Cluverius "Zwischen Europa und der Vorgeschichte"). Gegen diese Entscheidung hatte das Kulturministerium Berufung beim Staatsrat eingelegt. Vorausgegangen waren Klagen von unterlegenen Kandidaten in fünf Fällen, darunter auch für den Palazzo Ducale von Mantua, an den vor zwei Jahren der Österreicher Peter Assmann berufen worden war.

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ZWISCHEN EUROPA UND DER VORGESCHICHTE

Eine Reform der staatlichen Museen Italiens, zu der auch die Möglichkeit gehört, Direktorenposten europaweit auszuschreiben, könnte an rückwärts gewandten Richtern und einem eifersüchtigen Beamtentum scheitern

copyright Archivio LaPresse

Missgelaunt - Italiens Kulturminister Dario Franceschini

Rom - Dem italienischen Kulturminister Dario Franceschini weht der Wind ins Gesicht. Seinem Versuch einer umfassenden Reform der staatlichen Museen und einer Neuordnung der Verwaltung der archäologischen Zonen Italiens droht das Scheitern. Im Zuge der Reform werden die Strukturen der Einrichtungen umorganisiert, es wird Bürokratie abgebaut und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Denkmalschutzämtern neu geregelt. Und nicht nur Staatsbeamte, sondern auch erfahrenen Kulturmanager aus dem In- wie dem Ausland sollen an ihre Spitze rücken dürfen. Vor allem die Berufungspraxis haben unterschiedliche Urteile der Verwaltungsgerichte aufs Korn genommen und könnten dadurch das gesamte Reformgebäude zum Einsturz bringen.

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DER MAILÄNDER WEG

Die Buchmesse „Tempo di Libri“ blieb mit rund 70.000 Besuchern hinter den Erwartungen zurück, konnte jedoch fachlich überzeugen.

copyright Cluverius

Das Publikum kam erst am Wochenende - Der Feltrinelli-Stand auf "Tempi di Libri"

Mailand – Am Sonntag den 23. April ist die erste Ausgabe der nationalen Buchmesse „Tempi di Libri“ ("Zeit der Bücher") zu Ende gegangen. Auf der vom italienischen Verlegerverband AIE in Mailand veranstalteten Messe hatten von Mittwoch 19. April rund 520 Aussteller (davon etwa 450 Verlage) ihre Angebote gezeigt. Auf insgesamt 720 Veranstaltungen traten an die 2000 Gäste (Branchenfachleute, Schriftsteller, Journalisten, Politiker u.a.) auf. Als Erfolg wurde das zur Messe eingerichtete Milan International Rights Center mit Verlagsvertretern und Literaturagenten aus 32 Ländern gewertet. Aus Deutschland waren unter anderen Bertelsmann, Fischer, Hanser und Wagenbach vertreten. Der Zuschauerzustrom der Verkaufsmesse blieb mit rund 70.000 Besuchern auf der Messe wie bei den Veranstaltungen in der Stadt hinter den Erwartungen zurück – ebenso der Umsatz der Verlage an den Ständen.

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IST DAS LITERATUR?

Italien diskutiert den neuen Roman „Bruciare tutto“ von Walter Siti über einen pädophilen Priester. Widerwärtig, ein klassisches Problem der Ethik oder einfach nur eine anachronistische Debatte?

 

 

Der Schriftsteller Walter Siti (geboren in Modena 1947) gewann 2013 der Ptemio Strega

Mailand – In den italienischen Blättern findet man auf den Seiten der Literaturkritik selten Verrisse. Eine Ausnahme machte jetzt die Tageszeitung la Repubblica, die die Veröffentlichung des jüngsten Romans von Walter Siti „Bruciare tutto“ („Alles verbrennen“) zu einem „Fall“ erklärt. Die Philosophin Michela Marzano nennt Sitis Buch in ihrer Kritik „inakzeptabel“, weil es „spekulativ“ und „zynisch“ mit dem Thema Kirche und Pädophilie umgehen würde (siehe hier). Kaum war der Artikel am 13. April erschienen, brach in den Blättern wie im Web eine Debatte pro und contra Siti (und pro und contra Marzano) los, die auch über die Osterfeiertage anhielt.

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DER ERSTE WELTSTAR UNTER DEN DIRIGENTEN

Vor 150 Jahren wurde Arturo Toscanini geboren. Gefeiert wird in Italien und auch in den USA. Das Scala-Museum widmet ihm eine kleine Ausstellung

Arturo Toscanini (1867-1957) am Flügel in seiner Wohnung in New York

Arturo Toscanini (1867-1957) am Flügel in seiner Wohnung in New York

Mailand - Am 25. März 1867 wurde Arturo Toscanini im norditalienischen Parma als Sohn eines Schneiders geboren. Früh entdeckte man sein musikalischen Talent. Italien feierte nun seinen 150. Geburtstag. Mittelpunkt war Mailand, wo an der Scala Riccardo Chailly ein Konzert zu seinen Ehren unter anderem mit der 7. Symphonie von Beethoven dirigierte. Dem umjubelten Abend wohnte neben dem Kulturminister auch der italienischen Staatspräsident bei. Veranstaltungen gab es auch in Parma, Bologna und New York. Derweil ist noch im Museum des Teatro alla Scala eine Ausstellung über das Leben und den Mythos von Arturo Toscanini zu sehen. 

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EIN PROVOKATEUR DER ARTE POVERA

Jannis Kounellis ist im Alter von 80 Jahren in Rom gestorben. Er nannte sich einen "Maler, der aus dem Bild ausbrechen und mit dem Publikum ins Gespräch kommen wollte."

Jannis Kounellis (1936-2017) vor einer Arbeit für ein Mailänder Krankenhaus

Jannis Kounellis (1936-2017) vor einer Arbeit für ein Mailänder Krankenhaus

Rom - Jannis Kounellis wurde 1936 in Piräus geboren. Mit zwanzig Jahren verließ er Griechenland und ging nach Italien, wo er in Rom und Umbrien seinen Lebensmittelpunkt fand. Nach dem Studium an der römischen Kunstakademie brach er in ersten Ausstellungen mit der Traditionen der klassischen Moderne und verabschiedete sich vom Leinwandbild. Kunst, so glaubte er, könne nur noch in der „Theaterhaftigkeit des Raumes“ zu sich selbst kommen. Zusammen mit anderen Künstlern nutzte er Alltagsmaterialen aller Art, grobe Stoffe, Holz, Eisen oder Kohle, die er in Installationen wie für ein „Theater der Armen“ arrangierte und bearbeitete. Der Kritiker Germano Celant schuf für diese heterogene Gruppe von Einzelpersönlichkeiten unterschiedlicher Herkunft und jeweils eigener Poetik, zu der Alighiero Boetti, Luciano Fabro, Giulio Paolini oder eben Jannis Kounellis gehörten, den Oberbegriff „Arte Povera“. Installationen von Kounellis, die im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrem Einsatz wuchtiger Materialen den Begriff „Arbeit“ deutlich machten, waren auf der Kassler documenta (1972 und 1982) wie auch mehrfach auf der Biennale von Venedig zu sehen.

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