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TRÄUMERISCHE NEOREALISTEN

Mit dem Tod von Vittorio Taviani endet die Zusammenarbeit zweier Brüder, die das italienische und das europäische Kino geprägt haben

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Vittorio Taviani 1929 - 2018

Mailand / Rom – In der italienischen Filmwelt gab es kaum jemanden, der das volkstümliche Kino so mit dem poetischen verbinden konnte wie das Bruderpaar Vittorio und Paolo Taviani aus San Miniato bei Pisa. Arbeiten von Allonsanfan (1974) über Padre Padrone (1977, Goldene Palme in Cannes) bis Cesare deve morire (2012, Goldener Bär in Berlin) haben die Geschichte des europäischen Films geprägt. Bei ihrer letzten Produktion Una questione privata (2017) nach einer Erzählung von Beppe Fenoglio musste der jüngere Paolo (geboren 1931) allein am Drehort in den Hügeln des Piemonts Regie führen, während der ältere Vittorio (geboren 1929), der noch das Drehbuch mitgeschrieben hatte, krank in Rom zurückblieb. Nun ist Vittorio Taviani im Alter von 88 Jahren in Rom gestorben.

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OHNE IDEEN

Nach der Wahl droht Italien Stagnation – auch in der Kulturpolitik. Dabei wäre ein Paradigmenwechsel notwendig.

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Nichts zu sagen? "Nach der Wahl" ist vielleicht auch bald wieder "vor der Wahl" - unbenutzte Plakatflächen in Mailand

Mailand/ Rom - Italien hat gewählt. Das Ergebnis jedoch, das auf eine Art Pattsituation hinausläuft zwischen der heterogenen Fünfsternebewegung M5S und der Rechtskoalition unter der Führung der kleinbürgerlichen und fremdenfeindlichen Lega – Berlusconis rechtsliberale Forza Italia spielt hier nur noch die zweite Geige –, das lässt nichts Gutes hoffen für die politische Entwicklung des Landes. Und für die kulturelle schon gar nicht. Stagnation ist angesagt. Auch weil der Partito Democratico nach der Abspaltung seines linken Flügels von den Wählern abgestraft wurde.

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IN PARTNERSCHAFT MIT FRANKFURT

Neustart der Mailänder Buchmesse „Tempo di Libri“ im März. Die Buchmesse unterstützt die Veranstaltung mit ihrem Fellowship Programm

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Vorstellung vom Tempo di Libri u.a. mit Bürgermeister Giuseppe Sala (3. v.l.) und Regionalpräsident Roberto Maroni (4.v.l.). Rechts außen der Messedirektor Andrea Kerbaker

Mailand - Die vom italienischen Verlegerverband AIE veranstaltete Messe „Tempo di Libri“ (Zeit für Bücher“) möchte sich neben dem Turiner „Salone del Libro“ als zweite große italienische Buchmesse etablieren. „Tempo di Libri“ findet dieses Jahr vom 8. bis 12. März auf dem zentrumsnahen Gelände der Mailänder Stadtmesse (Fieramilanocity) statt. Wie im vergangenen Jahr erfolgreich erprobt wird parallel ein Milan International Rights Center eingerichtet (8. bis 10. März), für das sich bereits Verlagsvertreter und Literaturagenten aus 30 Ländern angemeldet haben. „Tempi di Libri“ hat in Partnerschaft mit der Frankfurter Buchmesse ein „Frankfurt-Milan Fellowship Programm“ organisiert, das am 6. und 7. März eine internationale Delegation von Vertretern der Verlagsbranche die Gelegenheit geben wird, den italienische Buchmarkt genauer kennen zu lernen.

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KEIN THEMA

Italien vor der Wahl: Kultur bleibt für die Politik belanglos. Debatten führen, wenn überhaupt, nur Insider. Der Rest ist Stimmungsmache (gegen Ausländer und Randgruppen)

Wider den Rechtsruck- Demonstration in Mailand gegen Gewalt durch Faschismus, Rassismus und Sexismus

Mailand/Rom - Am 4. März wird in Italien ein neues Parlament gewählt, gleichzeitig finden Landtagswahlen in der Lombardei, der größten Region des Landes statt. Der Wahlkampf war jedoch nur schleppend in Gang gekommen. Wochenlang hatten sich Parteien vor allem intern gestritten und um die Besetzung von Listenplätzen und Wahlkreisen mit aussichtsreichen Direktmandaten gefeilscht. Inzwischen haben populistische Kampagnen inhaltlich Debatten völlig übertönt. Kulturthemen wie die Finanzierung und Ausrichtung der Museen, Förderung der Lesekultur, Unterstützung von Theater und Kino gingen nicht nur unter, sie wurden nicht einmal mehr gestellt.

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DIE STIRN BIETEN

Edizioni e/o, der Verlag von Elena Ferrante, verweigert sich dem Vertriebsriesen Amazon

copyright Corriere della Sera/Reuters

Ein Ozean von Büchern - Amazon Lager in London

Mailand/ Rom - David gegen Goliath ist eine Geschichte, die man jeden Tag wieder neu (und anders) schreiben kann. Im italienischen Verlagswesen zum Beispiel lehnt sich gerade der kleine römische Verlag Edizioni e/o, der unter anderem die Bücher der mysteriösen Bestsellerautorin Elena Ferrante herausgibt, gegen den Vertriebsriesen Amazon auf. Amazon, so heißt es in einer Mitteilung der Verleger Sandro Ferri und Sandra Ozzola, habe e/o aufgefordert, den Skonto für die Bücher des Verlages, zu erhöhen, was sie abgelehnt haben. Ferri und Ozzola nenen keine Zahlen, doch der Corriere della Sera spricht von einer Forderung um die 50 Prozent Preisnachlass auf den Verkaufspreis. In Italien kann man davon ausgehen, dass in der Regel die Verlage dem unabhängigen Buchhandel einen Rabatt von 30 bis 35 Prozent gewähren, der sich für die Ketten wie etwa Feltrinelli oder Mondadori auch auf 40 bis 45 Prozent erhöhen kann.

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EIN PROSECCO FÜR GOETHE

Museum, Bibliothek, Treffpunkt, Ort für Lesungen und Debatten – die Casa di Goethe in Rom feiert ihr 20jähriges Bestehen.

copyright Casa di Goethe

Eine weinrote Fahne zum Zeichen - die Casa di Goethe in der Via del Corso

Rom – Bei Goethens darf gefeiert werden. 1997, vor zwanzig Jahren, wurde in der Via del Corso 18 die Casa di Goethe, das einzige deutsche Museum im Ausland (Träger ist der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute - AsKI) eröffnet. In den Räumen im ersten Stock des spätbarocken Baus hatte der Maler Johann Heinrich Tischbein am Ende des 18. Jahrhunderts zusammen mit anderen Künstlern in einer geräumigen Atelierwohnung gelebt. Goethe fand hier bei zwei langen Romaufenthalten auf seiner italienischen Reise zwischen 1786 und 1788 Unterkunft. Als Hinweis auf den Genius des Ortes kann man Tischbeins Aquarell mit der Rückenansicht des deutschen Dichters an eben jenem Fenster der Wohnung sehen, neben dem das Bild jetzt hängt.

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"WIR SIND ALLE ANNE FRANK"

Tifosi von Lazio Rom verhöhnten Anhänger der Roma mit Bilder von Anne Frank. Die Öffentlichkeit reagierte empört. Doch wie kann man den wachsenden Antisemitismus (nicht nur) in den Stadien stoppen?

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Anne Frank sollte die Anhänger der Roma verhöhnen - Die Zeitung la Repubblica lässt sie bei allen Clubs auftreten

Rom – Es sollte eine Beleidigung der verhassten Fans des Lokalrivalen sein. Doch die Tifosi von Lazio Rom, die in der Südkurve des Olympiastadions der Hauptstadt, wo sich gewöhnlich die Fans der Roma versammeln, antisemitische Aufkleber hinterlassen haben, haben vor allem ihren eigenen Verein beleidigt. Nicht nur Etikette mit der Aufschrift „romanista ebreo“ konnte man lesen. Der Höhepunkt der Geschmacklosigkeit waren Fotomontagen, die eine lachende Anne Frank im rotgelben Trikot der Roma zeigte. Ein Aufschrei der Entrüstung ging durch Öffentlichkeit und Politik. Die Tageszeitung la Repubblica veröffentlichte auf ihrer Titelseite am 24. Oktober einen Artikel ihres Chefredakteurs unter der Überschrift „Siamo tutti Anna Frank“. Dazu wurde eine Fotomontage gezeigt, die die junge deutsche Jüdin (ermordet im Alter von nicht einmal 16 Jahren im KZ Bergen-Belsen) in den Trikots der bedeutendsten Mannschaften der ersten italienischen Fußballliga zeigte.

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KULTURELLES GEDÄCHTNIS

Aleida und Jan Assmann werden mit dem Balzan Preis 2017 geehrt

copyright Corinna Assmann

Auf den langen Wellen der Geschichte: Balzan Preisträger Aleida und Jan Assmann

Mailand - Der Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann und seine Frau, die Anglistin und Literaturwissenschafterin Aleida Assmann, werden mit dem Premio Balzan 2017 in Fachbereich Geschichte (Kollektives Gedächtnis) ausgezeichnet. In diesem von dem Franzosen Maurice Halbwachs begründeten Bereich der Geschichts- und Gesellschaftsforschung haben die beiden Assmann die Theorie vom „kulturellen Gedächtnis“ entwickelt, nach der Traditionen, Kulte und Gebräuche, die über viele Generationen vermittelt werden, unser Zeitbewusstsein und unser Selbst- und Weltbild ebenso prägen wie die Art der Vermittlung.

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"WIE AUF EINEM MARKT FÜR FUSSBALLER"

Italien diskutiert über die Ankündigung von Eike Schmidt, von den Uffizien an das Kunsthistorische Museum Wien zu wechseln

Abschied Herbst 2019: Eike Schmidt redet über die Gründe seines Wechsels nach Wien

Abschied Herbst 2019: Eike Schmidt redet über die Gründe seines Wechsels 

Florenz/Mailand - Für die italienische Kulturwelt war die Ankündigung ein Schock: Der deutsche Kunsthistoriker Eike Schmidt wird die Uffizien am Ende seiner vertraglich vereinbarten Amtsperiode Ende 2019 verlassen und dann die Nachfolge von Sabine Haag bei der Leitung des Kunsthistorischen Museums Wien antreten. Das sei kein gutes Zeichen, kommentierte der Architekt und ehemalige Kulturpolitiker Stefano Boeri. Man habe den Eindruck, Schmidt habe die Uffizien nur als Sprungbrett für einen Karrieresprung genutzt.

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