Unterwegs


In der Villa Magnani

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Die Villa Magnani im Hinterland von Parma mit einem prächtigen Landschaftsgarten - und einer überraschenden Kunstsammlung

Mamiano di Tarversetelo im Juni – Leichten Schrittes eilen Kellner zum schattigen Platz im Park der Villa Magnani, wo ein Aperitif für eine Hochzeitsgesellschaft gereicht wird. Als typischer englischer Landschaftsgarten mit mächtigen Eichen, Zedern und Platanen stammt die 12 Hektar große Anlage im Hinterland von Parma aus dem frühen 19. Jahrhundert. Über das Gras stolzieren blaue und weiße Pfauen. Am Rand stehen sechs ionische Säulen merkwürdig Spalier. Sie kommen aus dem Kreuzgang einer Kirche Süditaliens, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Das Herrenhaus im neobarocken Stil wurde Anfang des 20.Jahrhunderts an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet. Ein Großgrundbesitzer kaufte das Anwesen in den 1940er Jahren und vermachte es seinem Sohn. Dieser Luigi Magnani (1906 – 1984), Musikwissenschaftler, ein Schüler von Alfredo Casella, aber auch Kunsthistoriker und Schriftsteller, richtet hier seine Bibliothek ein. In Italien wurde er durch mehrere Arbeiten – darunter ein Roman – über Beethoven bekannt.

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In Salerno

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Salerno leuchtet - Vorhof und Glockenturm des Doms San Matteo, eine normannische Gründung des 11. Jahrhunderts

Salerno Ende Februar –  Unter letzten Sonnenstrahlen spürt man im Strandcafé von Santa Teresa den nahen Frühling. Hinter einem monströsen halbrunden Neubau der Piazza della Libertà liegt versteckt Zaha Hadids Anlage der Stazione Marittima.  Wenig später führen  Schritte hoch in die dämmrig verschlafene Altstadt. Der Säulenhof vor dem Dom von San Matteo  leuchtet geheimnisvoll in effektvoller Lichtregie. Die Gebeine des Evangelisten kamen auf abenteuerlichen Wegen im 10. Jahrhundert von Nordafrika über Südfrankreich nach Salerno. Papst Pius XII. erklärte Matthäus bei einem Besuch der Kathedrale zum Schutzheiligen der Buchhalter Italiens.

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In Cassino

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Symbol des Friedens - Treppe in Montecassino

Cassino im Dezember – Nieselregen empfängt den Reisenden, der am frühen Vormittag aus dem Bahnhof tritt. Die Abtei Montecassino thront hoch oben auf der Hügelkuppe im Dunst. Ein Kleinbus wartet am Bahnhofsplatz auf Studenten und Professoren, um sie zu den Einrichtungen der in der Kleinstadt 1979 gegründeten staatlichen Universität des südlichen Latiums (fünf Fakultäten, 8000 Studierende) zu bringen. Der Kiosk zur Information von Touristen ist verriegelt. Möglich, dass auch Sehenswürdigkeiten aus der Antike wie die Ruinen des römischen Theaters oder die das Amphitheaters so kurz vor Weihnachten nicht zu besichtigen sind.

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In Rom

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Rom am Abend - das Pantheon

Rom Ende November - Die Stare sind wieder da. Sie bilden lebendige dunkle Wolken über der Piazza Venezia. Die Vögel lassen sich mit lautem Geschwätz auf den Bäumen in Parks, längs der Alleen und am Lungotevere nieder. Steigen dann wieder zu schlauchartigen Schwärmen auf, die sich auseinander ziehen und erneut verdichten, als würden sie atmen. Ihr Exkremente vermischen sich auf regennassen Straßen zu einer guanoartigen Paste und das Gehen und Fahren auf dem Kopfsteinpflaster wird zur Rutschpartie. Der Lungotevere dei Vellati musste zur Säuberung für zwei Stunden gesperrt werden.

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In Bozen

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Museion - Seit 10 Jahren Museum für Gegenwartskunst in Bozen

Bozen im November - Der Walther-Platz ist mit Gittern abgesperrt, bald werden hier die Buden des Weihnachtsmarktes stehen. Der Tannenbaum ist bereits aufgerichtet. Touristen begnügen sich solange mit den Ständen in den Altstadtgassen, an denen Speck und Wurstwaren, Pilze und Maroni angeboten werden. Nieselregen passt zur Jahreszeit. Ungewöhnlich war das Wetter die Tage zuvor. Die Zeitungen berichten von Unwetterschäden. Stürme haben eine Million Kubikmeter Holz umgeworfen, liest man in den Dolomiten. Ganz Südtirol wurde zum Notstandsgebiet erklärt.

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In Genua

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Unter milder Herbstsonne - Genua, Blick vom alten Hafen auf die Stadt

Genua im Oktober – Rund um den alten Hafen scheint die Welt noch in Ordnung. Sobald man aber nur wenig in Richtung Sampierdarena geht, spürt man bereits am Verkehrsaufkommen das Drama Genuas. Der Einsturz des Ponte Morandi am 14. August hat das volkstümliche und industrielle Herz der Stadt getroffen und die „Superba“ praktisch in zwei Hälften geteilt. 43 Menschen starben, 566 Bewohner musste Hals über Kopf ihre Häuser verlassen. Jetzt durften sie für zwei Stunden zurückkehren und in höchstens fünfzig Kartons ein Teil von Hab und Gut sichern und in ihre Notunterkünfte bringen.

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In Treviso

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Von Bächen und Kanälen durchflossen - die Altstadt von Treviso

Treviso, Anfang Juni - Venetien ist eine wasserreiche Region, aber wenige Städte im Nordosten Italiens werden von so vielen Bachläufen und Kanälen durchquert wie Treviso. Das ist eine Folge einiger Karstquellen, die hier kräftig sprudeln und ihre Wasser in immer neue Arme („cagnani“) verzweigen. Hinzu kommt noch der Sile-Fluss, den es dann zum Meer zieht, wo er bei Jesolo in die Adria mündet. So begleitet eine Grundmelodie, ein stetes Rauschen, Glucksen und Sprudeln von Wassern das Leben der rund 85.000 Einwohnern dieser sympathischen Stadt, denen eine gewisse Lebenslust nachgesagt wird. An Lebenswert hat jedenfalls die Innenstadt in den vergangenen Jahren gewonnen- kulturell wie urban.

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In Rom

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Unterirdisch: das Archeo-Museum in der Metrostation San Giovanni

Rom, Mitte Mai - Für einen Tag kann Rom lächeln. Vergessen die Löcher im Pflaster der Straßen der Kapitale und in den Kassen des Stadtkämmerers. Verdrängt das wild blühende Grün auf ungepflegten Freiflächen zwischen nicht abgeräumten Müll. Im Untergrund bei San Giovanni zeigt sich die Stadt innovativ, verkehrsfreundlich und der Kultur zugewandt. Die Eröffnung am 12.Mai des neuen Metro-Bahnhofs San Giovanni der Linie C (S.Giovanni - Pantano), der damit einen Knotenpunkt zur Linie A (Battistini - Anagnina) bildet, sollte zwar bereits im Herbst 2011 stattfinden, aber was sind schon ein paar Jährchen in einer Stadt, die in Ewigkeiten rechnet - und eine Ewigkeit wird man wohl auch warten müssen, bis die Metro C planmäßig bis zur Piazza Venezia (oder nur bis zum Colosseum?) weitergeführt werden kann. Vom Traumziel Piazzale Clodio (vorbei an Piazza Navona und San Pietro) ganz zu schweigen.

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In Rovigo

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Das Herz von Rovigo: Piazza Vittorio Emanuele II

Rovigo, Ende April – Es ist nicht leicht, sich der Provinzstadt (51.000 Einwohner) am südlichen Rand des Po-Deltas zwischen Etsch und Canal Bianco zu nähern. Eine wild gewachsene, gesichtslose Peripherie mit Kleinbetrieben, Lagerhallen und verstreuten Wohnsiedlungen hat sich um sie gelegt und verbinden sich mit der von Adria. Pulsierende Verkehrsstraßen durchschneiden das Schwemmland des Polesine und seine Wasserwege. Rosenzüchtungen, wie Ariost sie Rovigo in seinem Rasenden Roland andichtete, wird man heute kaum noch finden. Der regellosen Hektik entkommt man jedoch im hübschen Zentrum mit ehrwürdigen Palazzi und harmonischen Platzanlagen.

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In Bosa

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Neujahrsspaziergang - Zum Kirchlein SS. Cosma e Damiano unweit Bosa

Bosa, zum Jahreswechsel. Als Weihnachten gegangen war, fiel der Mistral über Sardinien her. Stürmische Böen rissen Palmenwedel auf die Straßen, meterhohe Wellen rollten weiß aufschäumend an die Uferpromenade von Bosa Marina und die Menschen verkrochen sich in ihren Häusern. Nach drei Tagen, rechtzeitig zum Jahreswechsel ließ der Wind nach, die Sonne kämpfte sich durch Wolkenlücken und ging rotgold glänzend hinter der Torre Rossa an der Mündung des Temo-Flusses im wieder ruhiger atmenden Meer unter. Zu Silvester zeigte sich dann die Macchia in frischem Grün und mit gelben und violetten Blüten vorfrühlingshaft durchsetzt. Auf der Dachterrasse in der Altstadt von Bosa entkorkte man zum Mittagsimbiss unter freiem Himmel eine Flasche Monica.

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In Venedig

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Tieni Venezia pulita - Großreinemachen am Morgen

Venedig, im Dezember - Die Lagunenstadt putzt sich für die Festtage heraus. Wenn wieder mehr Besucher kommen und man im Frühstücksraum im B&B am Morgen nicht mehr alleine bleibt. Am Abend zuvor haben ein paar Jugendliche auf der Eisbahn hinter der Kirche S. Polo bei schräger Musik einsame Runden gedreht. Der Weihnachtsmarkt auf dem Campo Santo Stefano zählt zeitweilig mehr Buden als Neugierige. In den Gallerie dell'Accademia trauert eine romantisch schöne Ausstellung Canova, Hayez, Cigognara der letzten Glanzzeit von Venedig in besucherleeren Sälen nach. Die Accademia-Brücke ist eingerüstet. Restaurierungsarbeiten, die am 2. Oktober begonnen haben, sollen 210 Tage dauern. Die Kosten, bis auf den letzten Cent berechnet, belaufen sich auf 813.685,01 Euro. So steht es auf einer Hinweistafel. Ob die Rechnung aufgeht?

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Auf dem Lago Maggiore

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Die Isola Bella vom Boot aus auf dem Weg von Arona nach Locarno

Arona, Mitte August – Es ist Feiertag, vor der Kasse der Schifffahrtsgesellschaft stehen Touristen Schlange. Die meisten wollen nur ein Ticket zur Isola Bella. Das Boot für eine Seetour nach Locarno dagegen legt pünktlich um 10 Uhr 15 ab. Wer rechtzeitig gekommen ist, hat noch Platz auf dem offenen Oberdeck gefunden. Wer in Stresa zusteigt, muss sich arrangieren. Früh schützt sich vor brennender Sonne, der sich jetzt eincremt. Am westlichen, piemontesischen Ufer, an dem das Boot bis auf zwei Abstecher gegenüber (Angera, Luino) entlang fährt, zeugen gründerzeitliche Villen ebenso wie grandiose aber auch etwas in die Jahre gekommene Hotelbauten vom Luxustourismus aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Als hier der europäische Geldadel und auch so manche gekrönte Häupter zur Sommerfrische anreisten.

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In Palermo

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Palermo leuchtet - das Teatro Massimo am Abend

Palermo, Mitte Mai – Wenn es Abend wird in Palermo, dann strahlt das Teatro Massimo im warmen Licht der Scheinwerfer. Besonders jetzt, weil die Bühne sich selbst feiern kann. Vor 120 Jahren, im Mai 1897, hatte man das Opernhaus (mit Verdis „Falstaff“) eröffnet. Längst ist der Bau mit seinem eklektisch neoklassizistischen Stil als eine Art zivile Basilika das Symbol für Palermo geworden, wie es der Dom für Mailand oder die Rialtobrücke für Venedig sind. Tagsüber flanieren Passanten auf der Piazza Verdi und Touristen sitzen auf der prächtigen Freitreppe, die hoch zu den Säulen des Portikus führt. Abends treffen sich hier Jugendliche. In das von der Grundfläche größte Theater Italiens (und nach den Opern in Paris und Wien das drittgrößte in Europa) strömen außerhalb der Veranstaltungen jährlich rund 100 000 Besucher zu Führungen in seine von Kuppeln gekrönten Räumen, die teilweise in einem pompejanischen Stil ausgemalt wurden. Damit ist das Teatro Massimo nach der Cappella Palatina das meistbesuchte Monument der Stadt.

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In Venedig

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Mit dem Boot durch enge Kanäle des alten, volkstümlichen Viertels von S.Pietro di Castello. Vorn am Bug sitzt unsere Fremdenführerin Anna - sie ist blind

Venedig, Anfang Mai 2017 – Sanft gleitet das Holzboot durch den engen Kanal. Eine mehrere Jahrzehnte alte, traditionelle Sampierota mit einem Ruderer am Heck. Auf der Bank am Bug sitzt Anna Ammirati, der man ihre 75 Lebensjahre wirklich nicht ansieht. Trotz vergangenen Himmels trägt sie eine dunkle Brille. Sie ist seit ihrer Geburt blind. Doch Venedig kennt sie trotzdem wie ihre Westentasche. Vor allem das Viertel hinter dem Arsenale, wo ihr Vater früher als Offizier stationiert war. Anna kennt die Geräusche, weiß in welchen Kanal wir einbiegen, unter welcher Brücke wir durchfahren. Sie erzählt vom Viertel hier bei S.Pietro di Castello.

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In Cortona

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Von Wolkenstreifen umstrahlt - die mittelalterliche Chiesa di San Francesco

Cortona, Anfang Februar 2017 – Steil ziehen sich die Gassen zur Franziskuskirche hoch. Fra Elia hat mit ihrem Bau um 1245 in der einst kaiserlichen Stadt im Südosten der Toskana begonnen. In diesen ruhigen Wochen des Jahres, wenn der Winter noch nicht ganz gegangen ist, und der Frühling unter einer blassen Sonne nur schüchtern erste Blüten zeigt, gibt sich Cortona mittelalterlich verschlossen. Die Zeit scheint aufgehoben, der Blick streift von der Hügelstadt aus über die Valdichiana südlich zum Trasimenischen See. Nördlich liegt die Einsiedelei Le Celle nicht weit.

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