„ER HAT EINFACH KEINE GEDULD“

    Was bleibt vom Leonardo-Jahr (1) : Ein Gespräch mit dem Kunsthistoriker Pietro C. Marani

    Verwirrende Haarpracht - Leonardo Entwurf "La Scapiliata" (Bleiweiß auf Holz, zirka 1492/1501), Parma Galleria Nazionale delle Pilotta

    Mailand – Ein Jahr ganz im Zeichen von Leonardo ist zu Ende gegangen. Der großen, einen Ausstellung in Paris (Louvre bis 24.2.2020) standen und stehen viele kleine Initiativen in Italien, allen voran in Mailand, aber auch in Rom, Florenz, Turin oder Parma gegenüber. Und dabei tauchten die merkwürdigsten Funde auf: In Florenz wurde bei einer Ausstellung über Verrocchio, den ersten Lehrmeister Leonardos, eine Marienstatue gezeigt, die die Kuratoren dem Mann aus Vinci zuschrieben. Leonardo als Bildhauer? Warum nicht, schließlich hat er in Mailand eine riesiges Reiterstandbild geplant - aber diese kleine Statue, die aussieht, als sei sie von dem Gemälde eines seiner Schüler abgekupfert, ein Original von Leonardo? In Mailand schenkte Herzog Lodovico dem Künstler und Wissenschaftler einen Weingarten, das ist belegt. Die Weinstöcke, die man heute dort sehen kann, sind sicher keine 500 Jahre alt. Bei Aufenthalten in der Romagna um 1502 soll er sich ebenfalls dem Weinanbau mit einem „Metodo Leonardo“ gewidmet haben, dem heute ein Weingut eine eigene Produktlinie widmet. Leonardo als Winzer?

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    VORBILDLICH

    Was bleibt vom Leonardo-Jahr (2): Die Präsentation der Madonna Litta im Museo Poldi Pezzoli und die neue feste Leonardo-Ausstellung im Mailänder Technik- und Technologiemuseum

    © Cluverius

    Vom Publikum geliebt - die Madonna Litta in der Ausstellung des Museo Poldi Pezzoli

    Mailand – Vom Leonardo Jahr 2019 aus weisen Spuren in die Zukunft. Zum Beispiel mit einer kleinen aber äußerst feinen Ausstellung im Museo Poldi Pezzoli über die Madonna Litta und die Rolle der Werkstatt. Und das Mailänder Technikmuseum, das in seinem Namen Museo Nazionale Scienza e Tecnologia Leonardo da Vinci den Künstler, Ingenieur und Wissenschaftler ehrt, hat gerade seine feste Maschinen- und Dokumentensammlung neu geordnet und präsentiert sie jetzt aufwändig und zeitgemäß mit viel digitaler Technik.

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    EINE BRÜCKE ÜBERS GOLDENE HORN

    Was bleibt vom Leonardo-Jahr (3): Mailand, sein Territorium und der Nahe Osten – zum Beispiel Leonardos Spuren in der jüngst erschienen Veröffentlichung „Leonardo da Vinci tra Genova e l’Oriente“ 

    © Institut de France, Paris

    Kühnes Projekt - Detail zum Entwurf einer Brücke von Istanbul nach Galata (Skizze aus den Pariser Manuskripten)

    Mailand/ Genua – Leonardo lebt und arbeitet in Mailand vom Winter 1481/82 an bis zum Herbst 1499 und in einer zweiten Phase von 1506 bis 1513. Keine andere Stadt und kein Territorium haben ihn so geprägt und Möglichkeiten zur Entfaltung gegeben wie diese Umgebung. Leonardo ist dabei nicht an die Hauptstadt des Herzogtums gefesselt, sondern oft im Herrschaftsgebiet unterwegs, das von der ligurischen Küste bis ins Tessin reicht. Nach 1506 hält er sich lange in der Villa Melzi in Vaprio auf. Nachweisen kann man Arbeiten von ihm im Kanalsystem rund um Mailand. Möglicherweise hat er die Platzanlage vor der Sforzaburg in Vigevano mit gestaltet. In Locarno war er an den Planungen für die Außenbefestigungen (Ravelin) der inzwischen zerstörten Festung beteiligt. Gesichert ist auch ein Aufenthalt in Genua im Gefolge von Herzog Ludovico für gut zwei Wochen im März 1498. Diesen Spuren Leonardos in Ligurien etwa geht die interessante Veröffentlichung von Cesare Masi Leonardo da Vinci tra Genova e l’Oriente nach.

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    PRALLE VISIONEN

    Italien erinnert an den großen Kinoautor und Filmregisseur Federico Fellini (1920-1993), der am 20. Januar 100 Jahre alt geworden wäre. Den Auftakt macht eine Ausstellung in seiner Heimatstadt Rimini.

    © Mostra Fellini1000 Rimini

    Was ein Fellini im Traum einfiel - Skizze aus seinem "Libro dei sogni" zu dem ihm ein deutscher Psychotherapeut geraten hatte

    Mailand/Rimini - Der Legende nach wurde Federico Fellini in einem Eisenbahnwaggon erster Klasse eines Zuges geboren, als dieser den Bahnhof von Rimini passierte. Diese originelle Geschichte würde zum vitalen Regisseur und Autor passen, der uns in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts von „La strada“ über „La dolce vita“ bis „Satyrikon“ oder „Orchesterprobe“ rund zwei Dutzend phantasiepralle Kinofilme geschenkt hatte. Doch seine Biographen haben die Legende (leider) widerlegt: ausgerechnet am 20. Januar 1920, als der kleine Federico auf die Welt kam, bestreikten Gewerkschaften die Eisenbahnstrecke längs der Adria vorbei an Rimini durch die Landschaft der Romagna bis nach Bologna: alle Züge standen still.

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    SIMPLICISSIMUS IM BIOGEWAND

    Claudia Klingenschmid entwirft in „Parasit ToGo“ einen kleinen, bitterbösen Schelmenroman der Gegenwart

    © Clueverius

    "Jeder hat eine schwache Stelle, eine Sehnsucht, einen Hang zur Unmäßigkeit, zum Stolz oder zum Geiz." ToGo nützt wunde Punkte für sich. - Graffito in Mailand

    Mailand – Das ist die Geschichte eines Parasiten, eines Toxoplasma gondii. Mit diesem Urtierchen, so kann man im Lexikon lesen, seien mindestens 50 Prozent der Weltbevölkerung in Kontakt gekommen. In der Regel merken aber die mit Gegenkörpern ausgestatteten Wirte nichts vom krankhaften Treiben ihrer Gäste. Claudia Klingenschmid hat sich nun in ihrem kleinen Roman Parasit ToGo mit viel schwarzem Humor solch ein Protozoon als Erzählperspektive gewählt, um zu zeigen, wie es heutzutage um die Welt und um die Menschen bestellt ist. Untertitel: „Die geheimen Wirtschaften eines Urtierchens“.

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    In Urbino

    © Cluverius

    Hier laufen auch zur Weihnachtszeit alle Wege zusammen: Piazza della Repubblica in Urbino

    Urbino, kurz vor Weihnachten – Urbino leuchtet. Die alte Herzogsstadt in den Hügeln unweit der Adriaküste gibt sich kurz vor Weihnachten am Abend verträumt verschlafen. Tagsüber feiern Studenten die glücklich überstanden Abschlussprüfungen. Frisch gekürte Laureati zeigen sich mit Lorbeerkranz. Alle anderen rüsten sich mit großen Koffern zur Abreise. Der Bus, der von Urbino zum Bahnhof von Pesaro fährt, wird belagert. Im Geburtshaus von Raffael bleibt der Besucher allein. Hier kam Raffaello Sanzio 1483 auf die Welt. 1520 starb er auf dem Höhepunkt seines Ruhmes als Maler und Architekt mit nur 37 Jahren in Rom. 500 Jahre danach feiert die Welt „il divin pittor“ mit Ausstellungen, Veranstaltungen, Büchern, Filmen, TV-Serien. In Urbino hängen überall Kalender aus: „Raffaello 2020“.

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    im Theater: fedeli d’Amore / Maryam

    Das Teatro delle Albe aus Ravenna und zwei Gastspiele in Mailand. Eine Arbeit von Marco Martinelli und eine Vorlage von Luca Doninelli interpretiert jeweils von Ermanna Montanari.

    © Enrico Fedrigoli/Teatro dell'Elfo

    Bewegt und bewegend - Ermanna Montanari in "fedeli d'Amore"

    Mailand (Teatro dell’Elfo/Teatro Oscar) – fedeli d’Amore („Gläubiger der Liebe“) ist ein „Polyptichon“, wie es der Autor und Regisseur Marco Martinelli nennt. Sieben Szenen, die sich um die letzten Stunden von Dante Alighieri drehen, um seine Phantasien, Ängste oder die Tochter Antonia, die zum letzten Abschied an sein Bett tritt: „Padre, sono qui, mi senti? – Vater, ich bin hier, hörst Du mich?“. Der florentinische Dichter, die (über)große Vaterfigur der italienischen Literatur, starb an einem nebligen Septembermorgen 1321 im Exil in Ravenna. Martinelli schafft im Rückgriff auf den romagnolischen Dialekt, dem Dialekt der Stadt Ravenna, Monologe von poetischer Kraft, denen Ermanna Montanari mit ihren Stimmvariationen szenischen Raum gibt, der musikalisch mit Dissonanzen noch geweitet wird. Zu den aufgefalteten Bildern des Polyptichon gehört auch eine Vision Dantes, die sich von der Zersplitterung Italiens aus der Zeit der Stadtrepubliken in die Gegenwart weitet – ein Italien, „che scalcia se stessa“, das sich laufend selbst ein Bein stellt.

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    FRISCHER WIND

    Kulturminister Dario Franceschini kehrt zum Prinzip der autonomen Verwaltung bedeutender staatlicher Museen zurück, die sein Vorgänger aufgeweicht hatte. Aber wie lange hält die Regierung überhaupt noch?

    © Facebook Dario Franceschini

    Schriftsteller und Kulturminister, Dario Franceschini aus Ferrara vom Partito Democratico

    Mailand/Rom - Mit aller Kraft zurück. Das ist das Motto von Italiens Kulturminister Dario Franceschini. Mit einem Regierungserlass zur Ordnung staatlicher Museen und des Denkmalschutzes gibt er unter anderem drei Einrichtungen die Autonomie wieder, die ihnen sein Vorgänger genommen hatte: dem Museo dell’Accademia (Florenz), dem Museo Nazionale Etrusca di Villa Giulia (Rom) und dem Parco Archeologico dell’Appia Antica (Rom). Mehr noch: es werden zehn weitere Museen in die Gruppe der autonomen Einrichtungen aufgenommen, darunter der Palazzo Reale von Neapel, die Pinacoteca Nazionale von Bologna oder das Museo Archeologico Nazionale von Cagliari. Die Direktorenstellen sollen international ausgeschrieben werden.

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    in der Oper: Tosca

    Die Scala eröffnet ihre neue Spielzeit mit dem von Riccardo Chailly wundervoll eingestimmten Puccini-Klassiker, den Regisseur Davide Livermore (vielleicht zu) bewegt in Szene setzt

    © Brescia/Amisano - Teatro alla Scala

    Das Ende von Scarpia - Anna Netrebko, Luca Salsi

    Mailand (Teatro alla Scala bis 8.1.2020) – Im Januar 1900, also im letzten Jahr des 19. Jahrhunderts, wurde Tosca in Rom uraufgeführt. Das Melodram steht an der Schwelle zwischen der Operntradition Italiens und der Moderne des 20. Jahrhunderts. Giacomo Puccini verbindet in diesem Stück musikalisch Dissonanzen, verzerrte Harmonien und lyrische Passagen. Als eine typische Oper des Verismus geht es um Liebe, Leidenschaft und politische Gewalt bei konkreter historischer Verankerung. Heute gehört Tosca zu den fünf meistaufgeführten Opern der Welt. Die Scala hat jetzt mit ihr die neue Spielzeit 2019/2020 eröffnet. Dirigent Riccardo Chailly, musikalischer Leiter der Mailänder Oper, baut auf der von Puccini später leicht veränderten Urfassung des Stücks auf. Regisseur David Livermore löst sich vom historischen Rahmen, ohne den politischen Hintergrund aus den Augen zu verlieren.

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    ZWEI TAGE UND NÄCHTE

    Gianrico Carofiglio, bislang vor allem als Krimiautor wahrgenommen, ist mit „Drei Uhr morgens“ ein kleiner Entwicklungsroman gelungen

    © Museum of Modern Art, New York

    Entstanden in einer Nervenheilanstalt: Vincent van Goghs "Sternennacht" (Museum of Modern Art, New York)

    Mailand/Bari - Der jugendliche Antonio leidet an Epilepsie. Am Ende einer erfolgreichen Therapie nach Vorgaben eines französischer Spezialisten fährt er zusammen mit seinem Vater zur Abschlussuntersuchung nach Marseille. Vater und Sohn erwarten eine Routineuntersuchung, doch der Neurologe will seinen Patienten einer letzten, schockartigen Prüfung unterziehen. Alle Medikamente werden abgesetzt und der junge Mann soll zwei Tage und zwei Nachte verbringen, ohne zu schlafen. Nach dieser Stressphase könne man, so der Arzt, endgültig feststellen, ob Antonio geheilt sei oder nicht. Das ist die Ausgangsposition des kleinen Romans Le tre del mattino (Einaudi 2016) von Gianrico Carofiglio, der jetzt unter dem Titel „Drei Uhr morgens“ in der Übersetzung von Verena von Koskull bei Folio (Bozen/Wien) auf Deutsch erschienen ist.

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    ALTER WEIN IN NEUEN FORSCHUNGEN

    Venedig, der Malvasier und die Buddenbrooks auf einer Tagung des Deutschen Studienzentrums Venedig

    Wo der Malvasier herkommt - die venezianische Besitzung Candia auf Kreta am Ausgang des Mittelalters

    Venedig - Wein, so schreibt Roland Barthes in seinen Mythen des Alltags, „ist eine Substanz der Wandlung, die Situationen und Zustände umzukehren und den Dingen ihr Gegenteil zu entziehen vermag.“ Thomas Mann etwa lässt zwei „Bouteillen alten Malvasier“ im fulminanten Eingangskapitel der Buddenbrooks aus dem Keller heraufholen, der dann „goldgelb und traubensüß“ in die Gläser fließt. Ein Erzählung voller versteckter Verweise auf andere Texte, in denen der Malvasier inszeniert wird – von der Novellistik eines Boccaccio über Richard III., der ja seinen Bruder in einem Malvasier-Fass ertränkt, bis zu Goethes Faust. Dem Malvasier hat sich gerade das Deutsche Studienzentrum Venedig, das von der Literaturwissenschaftlerin Marita Liebermann geleitet wird, zusammen mit dem Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti auf einer anregenden interdisziplinären Tagung gewidmet.

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    In Palermo

    © Cluverius

    Gelungene Kopie nach dem geraubten Caravaggio -Christi Geburt mit den Heiligen Laurentius und Franziskus (200 x 300 cm) über dem Altar des Oratorio di San Lorenzo

    Palermo, Ende Oktober - Die Via Immacolatella schlängelt sich kaum einhundert Meter lang durch das Altstadtviertel Kalsa. Ein paar Schritte von der Basilica di San Francesco entfernt liegt das Oratorio di San Lorenzo, das barocke Gebetshaus des Franziskanerklosters von Palermo. Eine überreiche weiße Stuckverzierung schmückt die Wände mit Szenen aus den Leben der Heiligen Laurentius und Franziskus. Kleine freistehende Figuren dieser anmutigen theatralischen Szenografien wurden jedoch von Dieben herausgebrochen oder Opfer vandalischen Treibens. Noch schlimmer ging es dem Altarbild, einer Darstellung der Geburt Christi mit den beiden hier verehrten Heiligen, gemalt von Caravaggio in Palermo 1609. Vor 50 Jahren, Mitte Oktober 1989, wurde die rund 3 mal 2 Meter große Leinwand von Dieben sauber aus ihrer Holzverschalung geschnitten. Seitdem ist die „Natività“ von Caravaggio nicht wieder aufgetaucht und gehört zu den zehn meist gesuchten Kunstwerken auf der Welt.  

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    im Theater: Ritorno a Reims

    Thomas Ostermeier eröffnet mit einer gelungenen italienischen Adaption seiner „Rückkehr nach Reims“ die Spielzeit am Mailänder Piccolo Teatro

    © Piccolo Teatro Milano/ Masiar Pasquali

    Das Tonstudio im Theater - Sprachaufnahme zu einem Video

    Mailand (Piccolo Teatro Studio Melato) – Bereits im vergangenen Jahr hatte ein ausländischer Regisseur wie Declan Donnellan der Spielzeit des Mailänder Piccolo einen internationalen Auftakt beschert. In diesem Jahr konnte es internationaler kaum sein. Denn das Stück Ritorno a Reims („Rückkehr nach Reims“) ist bereits ein Länder und Sprachen übergreifendes Projekt des Deutschen Thomas Ostermeier nach dem autobiographischen Essay „Retour à Reims“ des Franzosen Didier Eribon. Aufführungen gab es zuvor mit jeweils lokalen Bezügen in Manchester (Sommer 2017), Berlin (Herbst 2017) und Paris (Winter 2019). Jetzt kommt Mailand dazu. Inhaltlich geht es um die Krise linker Politik angesichts wachsender populistischer und rechtsextremistischer Strömungen in Europa und den USA.

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    „FOTOGRAFIEREN IST WIE LIEBEN“

    Ein Gespräch mit der Fotografin Letizia Battaglia, die mit dem Kythera Kultur-Preis 2019 ausgezeichnet wurde. Ein große Ausstellung im Mailänder Palazzo Reale zeigt einen Querschnitt ihrer Arbeiten

    © Evelyn Schels

    "Wir haben mehr Wagemut als Männer" - Letizia Battaglia, geboren 1935 in Palermo

    Mailand/Palermo – Seit 2001 verleiht die Kythera Kultur-Stiftung (Düsseldorf) einen Preis an europäische Persönlichkeiten, die sich um die Vermittlung romanischer Kultur verdient gemacht haben. In diesem Jahr geht der Kythera Kultur-Preis an die 84jährige Fotografin Letizia Battaglia aus Palermo. In der Begründung heißt es, Letizia Battaglia habe zwischen 1974 und 1990 mit „beeindruckenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen“ die Aktivitäten der sizilianischen Mafia dokumentiert. Ihr sei es mit zu verdanken, dass „die Grausamkeit dieser Verbrechen, die damals zumeist angstvoll beschwiegen wurden, der Öffentlichkeit zu Bewusstsein“ kamen. Darüber hinaus habe sie den Alltag vor allem der ärmeren Schichten Siziliens „liebevoll und nicht voyeuristisch“ abgebildet und dabei ihr besonderes Augenmerk auf Frauen und Kinder gerichtet. In dem von ihr initiierten Centro Internazionale di Fotografia leiste sie heute einen wichtigen Beitrag für das kulturelle Leben in Palermo. Der Palazzo Reale in Mailand widmet ihr eine Retrospektive.

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    JEDEN PREIS WERT

    Die Violinen großer Geigenbauer aus Cremona – zum Beispiel die Arbeiten von Giuseppe Guarneri del Gesù, der vor 275 Jahren starb

    © Cluverius

    Schatzkammer für alte (und neue) Instrumente - Violinenmuseum in Cremona mit Arbeiten u. a. von Amati, Stradivari und Guarneri del Gesù

    Mailand/Cremona – Cremona gilt als die Hauptstadt des italienischen Geigenbaus. Neben Antonio Stradivari spielt Giuseppe Guarneri eine Hauptrolle in der Traditionsgeschichte. Die Nachwelt gab ihm den Beinamen „del Gesù“, weil er das Christusmonogramm IHS als Markenzeichen benutzte. Giuseppe Guarneri del Gesù 1698 geboren, starb vor 275 Jahren am 17. Oktober 1744 in Cremona im Alter von 46 Jahren. Im Museo del Violino von Cremona wird u.a. die Violine „Stauffer“ von Guarneri del Gesù aufbewahrt. Zur Zeit ist auch eine Ausstellung über den Musiker Paolo Diana (1799-1834), genannt Spagnoletti, zu sehen, der einer Geige Guarneris seinen Namen gab.

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    SPIEGLEIN, SPIEGLEIN AN DER WAND

    Mailand schlägt Berlin im Kulturranking der europäischen Großstädte

    © Teatro alla Scala /Heinninen

    Kulturmetropole Mailand -Konzert der Filarmonica della Scala unter der Leitung von Riccardo Chailly auf der Piazza Duomo im Juni 2019

    Brüssel/Mailand – Im EU-Ranking über kulturell und kreativ aufgestellten Städte gehört Mailand zur Spitzengruppe. Im soeben veröffentlichten Culture and Creative Cities Monitor nimmt es unter den 20 EU-Großstädten mit mehr als 1 Million Einwohnern den vierten Platz nach Paris, München und London ein. Und verweist Berlin auf Platz fünf. Hamburg liegt auf Platz 10, Rom kommt hinter Köln nur auf Rang 14. Während Italien bei den 40 Städten zwischen 500 Tausend und 1 Million Einwohnern schwächelt – hier führen Kopenhagen, Lissabon und Stockholm und Turin (28.), Genua (32.) sowie Neapel (38.) folgen abgeschlagen – liegen sie bei 40 Orten zwischen 250.00 und 500.000 Einwohnern weit vorne: Florenz führt vor Karlsruhe und Venedig, Bologna ist 12.

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    DIE VERWANDLUNG DER VERWANDLUNG

    Adriano Sofri, Franz Kafka und die Straßenbahn – ein Essay über Varianten bei der in viele Sprachen übersetzten Erzählung „Die Verwandlung“ entpuppt sich als philologischer Kriminalroman. Jetzt auch bei Wagenbach auf Deutsch.

    Unterwegs mit der "Elektrischen" - Straßenbahn in Prag vor dem ersten Weltkrieg

    Mailand/Berlin – Kann ein Übersetzer Straßenlampen mit Straßenbahnen verwechseln? Der italienische Journalist und Essayist Adriano Sofri fand diesen merkwürdigen Fehlgriff in einer zweisprachigen Ausgabe (Rizzoli 2001) der berühmten Kafka-Erzählung Die Verwandlung. Am Anfang des zweiten Teils las er im italienischen Text, dass die Lichtreflexe der tranvia elettrica hier und da die Zimmerdecke befleckten, während es dort, wo der zum Ungeziefer verwandelte Gregor lag, dunkel blieb. Auf der gegenüber liegenden Seite war der deutsche Originaltext abgedruckt: „Der Schein der elektrischen Straßenlampen lag bleich hier und da auf der Zimmerdecke...“

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    „VERGESST UNS NICHT!“

    Vor 75 Jahren: Bei einem Massaker an der Zivilbevölkerung töteten Wehrmacht und SS in Marzabotto/Monte Sole über 700 Personen

    © Cluverius

    Erinnerungsstätte in Marzabotto

    Mailand/Marzabotto – Italien im Zweiten Weltkrieg. Alliierte Truppen landen im Juli 1943 auf Sizilien. Nach dem Waffenstillstand im September 43 löst Italien sich aus dem Bündnis mit Hitler-Deutschland und wird von der Wehrmacht besetzt. Während die Alliierten in einem fast zwei Jahre andauernden Krieg langsam nach Norden vorrücken, bilden die Deutschen auf dem Rückzug immer neue Verteidigungslinien. Im Herbst 1944 nutzten sie in der sogenannten Goten-Linie Apenninausläufer zwischen Rimini und Pisa mit dem Ziel, den Durchbruch der Alliierten in die Po-Ebene zu verhindern. Um sich im Hügelland südlich von Bologna bei der Ortschaft Marzabotto festzusetzen und sich einer Brigade italienischer Partisanen zu erwehren, zerstören Einheiten der SS und der Wehrmacht vom 29. September an das Gebiet um und auf dem Monte Sole und töten auf grausame Art Angehörige der Zivilbevölkerung. Über 700 Personen, vor allem Frauen, Kinder und ältere Männer kommen ums Leben.

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    SIE LIEBTE DIE KUNST UND VIELE KÜNSTLER

    © Cluverius

    Wiederentdeckt - Grace Hartigan, eine der wenigen Künstlerinnen, die sich in der US-Männerszene durchsetzen konnten, in der Sammlung von Peggy Guggenheim in Venedig mit dem Gemälde "Ireland" ( Öl auf Leinwand, 200 x 271 cm) 1958

    Eine Ausstellung in Venedig feiert die Sammelleidenschaft von Peggy Guggenheim als „letzte Dogaressa“

    Venedig (Coll. Peggy Guggenheim bis 27.1.2020) – Die erste Biennale von Venedig nach dem zweiten Weltkrieg, an der 1948 nur 14 Nationen teilnahmen, wollte ein Zeichen setzen für die Freiheit der Kulturen und gegen die Barbarei der Diktaturen. Ein weiter Bogen vereinte Werke von Cézanne bis Chagall, von Turner bis Guttuso, von Ensor bis Klimt. Einen deutlichen Akzent von Gegenwartskunst setzte die New Yorker Sammlerin Peggy Guggenheim, die eingeladen war, einen Teil ihrer Kollektion unter anderem mit Kubisten und Surrealisten zu zeigen. Zur Sammlung gehörten auch Werke amerikanischer Künstler des sogenannten abstrakten Impressionismus, die zum ersten Mal nach Europa kamen. Allen voran Jackson Pollock („Jack the Dripper“) mit seiner revolutionären Methode, Farbe auf die am Boden liegende Leinwand zu tröpfeln.

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    im Kino: La mafia non è più quella di una volta

    Franco Maresco spielt in seinem in Venedig preisgekrönten Film über den "Bauch" von Palermo mit Dokumentation und Fiktion

    © Film "La mafia non è più di una volta"

    Der Impressario und seine Bühne - Ciccio Mira in "Die Mafia ist nicht mehr das, was sie früher mal war"

    Milano (Cinema Anteo) – Was ist von den Helden geblieben und für wen sind sie überhaupt Helden? 25 Jahre nach den Mafia-Morden an Giovanni Falcone und Paolo Borsellino untersucht der Filmmacher Franco Maresco die Stimmung in den Unterschichten von Palermo. Und entwirft, indem er Dokumentation und Satire mischt, ein grotesk-trübes Bild von „oben“ verordneten Erinnerungsriten und der Trostlosigkeit der Da-unten im "Bauch" der sizilianischen Regionalhauptstadt. Als Leitfiguren dienen ihm die Fotografin Letizia Battaglia – eine Veteranin auch der Antimafiabewegung – und der Impressario Ciccio Mira, der für eine Truppe von „neumelodischen“ Künstlern Auftritte bei Stadtteilfesten und in einem lokalen TV-Sender organisiert.

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    „EIN RIESENERFOLG“

    Der italienische Verlegerverband feiert sein 150jähriges Jubiläum. Ein Gespräch mit Ricardo Franco Levi

    © AIE

    150 Jahre - und Blick nach vorn: Ricardo Franco Levi, Präsident der Associazione Italiana Editori

    Mailand – Leseförderung durch einen Bonus für Jugendliche, die Debatte über ein neues Gesetz zur Buchpreisbindung und die Zusammenarbeit mit der Turiner Buchmesse sind Themen eines Gesprächs mit Ricardo Franco Levi, dem Präsidenten der Associazione Italiana Editori (AIE) aus Anlass der Gründung des italienischen Verlegerverbandes vor 150 Jahren.

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    DIE SCHMERZEN DER IDENTITÄT

    Der bedeutende sardische Erzähler und Intellektuelle Salvatore Mannuzzu ist im Alter von 89 Jahren in seiner Heimatstadt Sassari gestorben

    © avvenire.it

    Salvatore Mannuzzu (Pitigliano 1935 - Sassari 2019)

    Mailand/Sassari - Salvatore Mannuzzu kam 1930 in der Toskana als Sohn einer sardischen Familie auf die Welt. Von 1955 bis 1976 war er Richter auf Sardinien in Bosa und Sassari, danach bis 1987 Abgeordneter im römischen Parlament ( als Unabhängiger gewählt auf der Liste der Kommunistischen Partei). Als Schriftsteller setzte er sich in Erzählungen und Romanen wie Procedura (Einaudi 1988) – ausgezeichnet mit dem Premio Viareggio) – Un morso di formica (Einaudi 1989) oder Alice (Einaudi 2001) mit seiner sardischen Heimat auseinander. Der Intellektuelle und Autor auch von Essays über Politik, Rechtswissenschaft und Kultur gilt als eine Art Vaterfigur für die jüngere Literaturszene der Insel. Salvatore Mannuzzu ist jetzt am 10. September in seiner Heimatstadt Sassari gestorben.

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    „NEUE BEGEISTERUNG“

    Der Balzan Preis 2019 geht an Wissenschaftler einer Forschergruppe vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung. Außerdem werden Persönlichkeiten aus Frankreich, Großbritannien und Italien geehrt. Die Preise werden am 15. November in Bern übergeben.

    © Balzan.org

    Eine Chance für junge Wissenschaftler – der Balzan Preis initiiert Forschungsprojekte. Hier beim Palis-Balzan Symposium Paris 2015

    Mailand – Die Internationale Balzan Stiftung prämiert in diesem Jahr Wissenschaftler aus vier Ländern mit dem Balzan Preis: Aus Frankreich Jaques Aumont im Fach „Filmwissenschaft“, aus Großbritannien Michael Cook für „Islamwissenschaft“, aus Italien Luigi Ambrosio für „Theorie der partiellen Differentialgleichungen“ sowie aus Deutschland die Forschergruppe mit Erika von Mutius, Klaus F. Rabe, Werner Seeger, und Tobias Welte für „Pathaphysiologie der Atmung: von der Grundlagenforschung zum Krankenbett“.

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    EIN STARKER ABGANG

    Alexander Pereira verlässt die Mailänder Scala und wird Intendant des Maggio Musicale von Florenz

    © Corriere online

    Der Neue, der Bürgermeister und der Alte: Dominique Meyer, Giuseppe Sala, Alexander Pereira

    Mailand - Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Als Intendant Alexander Pereira nach dem etwas verunglückten Versuch, mit Geldern aus Saudi Arabien die Kassen der Scala aufzubessern, im Frühjahr in Verhandlungen um Verlängerung seines Vertrages am Mailänder Opernhaus ging, hätten sie den Österreicher beinahe vom Hof gejagt. Der Vertrag wäre im Februar 2020 ausgelaufen, aber mehr als eine Verlängerung um ein Jahr war nicht drin. Wobei er die Leitung im letzten Jahr bereits mit seinem Nachfolger, dem Franzosen Dominique Meyer, hätte teilen sollte. Der wird von der Staatsoper Wien an das Teatro alla Scala wechseln. Alexander Pereira wäre gern noch mindestens zwei volle Jahre allein in Amt und Würden in Mailand bis 2022 geblieben, wenn ebenso der Vertrag mit Riccardo Chailly als musikalischer Leiter der Scala auslaufen wird. Doch es blieb nur der Abschied gleichsam auf Raten.

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    in der Oper: Semiramide

    Das 40. Rossini Opera Festival in Pesaro überzeugt mit einer Inszenierung der „Semiramide“, der letzten „italienischen“ Oper des Komponisten

    © ROF2019

    Voller Emotionen und Genderproblematik - Mutter Semiramide und Sohn Arsace (Salome Jicia, Varduhi Abrahamyan)

    Pesaro – Die innere Logik des Rossini Opera Festivals (ROF) beruht auf einer einfachen Formel: Das Festival führt die Werke von Gioachino Rossini (1792 – 1868) nach der von der Fondazione Rossini erarbeiteten kritischen Werkausgabe integral auf. Der grösstmöglichsten musikalischen Treue steht eine weitgehende Freiheit in der Interpretation durch Regie und Bühnenbild gegenüber. Diese Dialektik garantiert dem Festival auch 40 Jahre nach seiner Gründung eine Frische, die sich in diesem Jahr mit der Aufführung der „Semiramide“ wieder einmal einstellte.

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    IN DEN GASSEN VON NEAPEL

    Der Roman „Am Hügel von Capodimonte“ von Wanda Marasco lässt Traumbilder einer Stadt zwischen Armut und Würde wach werden

    © Neri Pozza Editore, Milano

    Titelfoto der italienischen Ausgabe "La compagnia delle anime finte" (Neri Pozza Editore)

    Mailand/Neapel - Neapel ist eine Stadt voller Lebenslust und Todeskult, Menschlichkeit und Gewalt, überwältigender Schönheit und abstoßender Hässlichkeit. Und voller Gestalten, die sich gleichsam geisterhaft bewegen in einer „Gesellschaft von fiktiven Seelen“. „La compagnia delle anime finte“ heißt auch der Originaltitel des Romans von Wanda Marasco, der jetzt unter dem Titel „Am Hügel von Capodimonte“ auf Deutsch erschienen ist und die vielen Schattierungen dieser Stadt in traumartigen Bildern wach werden lässt.

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    SEIN HEISST WEBEN

    Zwei Ausstellungen über Maria Lai zum 100. Geburtstag der sardischen Künstlerin in Rom und in Ulassai

    © Cluverius

    Eine Skulptur zur Erinnerung an Antonio Gramsci auf dem Gelände des "Kunstbahnhofes" von Ulassai

    Ulassai/Rom – Kunst sei, Dinge miteinander zu verbinden, in Beziehung zu setzen, ohne ihnen ihre Eigenart zu nehmen. Das war das Credo der Künstlerin Maria Lai, die 1919 in Ulassai, einem Dorf auf Sardinen geboren wurde. Ausstellungen zu ihrem 100. Geburtstag zeigen das römische Museum MAXXI und die Stazione dell’Arte, der "Kunstbahnhof" von Ulassai. Maria Lai starb 2013 im Alter von 93 Jahren. Posthum wurde ihr Werk auf der documenta 14 und der Kunstbiennale Venedig gewürdigt.

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    EIN FALL VON BETRUG?

    Die italienische Justiz erhebt Anklage gegen Kurator und Ausstellungsmacher einer Modigliani-Schau in Genua

    copyright Mostra Palazzo Ducale Genova

    Ein Modigliani? Kein Modigliani? "Grande nudo disteso - Bildnis von Celine Howard" (1918?) aus einer Privatsammlung (Schweiz)

    Mailand/Genua - Was macht ein Kunstwerk zur Fälschung? Die (willentlich) falsche Zuschreibung als Originalwerk eines Künstlers. Der Kunstmarkt ist voll solcher Werke, die aus dunklen Quellen überraschend auftauchen und denen auf der Suche nach Gewinn ein falsches Mäntelchen umgehängt wird. Man bemüht einen Fachmann für eine Expertise, bringt die Ware auf einer Ausstellung unter, wo sie auch im Katalog erscheint, der in weiteren Veröffentlichungen zitiert werden kann. So kann das Werk bei einer Versteigerung/einem Verkauf eine guten Preis erzielen, der nach folgenden Ausstellungen, neuen Veröffentlichung und Expertisen beim Weiterverkauf noch übertroffen wird – die Spirale ist nach oben offen. Die italienische Justiz ist jetzt dabei, diesen Kreislauf im Fall von Amedeo Modigliani (Livorno 1884 – Paris 1920) zu durchbrechen.

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    in der Oper: I masnadieri

    Die Inszenierung an der Mailänder Scala überzeugt musikalisch unter Dirigent Michele Mariotti. Der Regisseur David McVicar kämpft dagegen mit dem Libretto – und scheitert.

    © Cluverius

    Bevor der Vorhang aufgeht: Die Fratze des Bösen

    Mailand (Teatro alla Scala bis 7.Juli) – Unter den Verdi-Opern gehören „I masnadieri“, die der „Schwan von Busseto“ mit nur 34 Jahren komponierte, zu den weniger bekannten. Nach der Premiere 1847 in London, die Verdi selbst dirigierte, wurden das Werk nur drei Mal auf der Scala aufgerührt, zuletzt 1978 unter der musikalischen Leitung eines damals 25jährigen Riccardo Chailly, heute musikalischer Leiter der Mailänder Oper. Das hat auch mit dem missglückten Libretto von Andrea Maffei zu tun, der Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ verhunzte. In Mailand kamen „I Masnadieri“ jetzt unter der musikalischen Leitung von Michele Mariotti und der Regie des Briten David McVicar neu heraus.

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    In der Villa Magnani

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    Die Villa Magnani im Hinterland von Parma mit einem prächtigen Landschaftsgarten - und einer überraschenden Kunstsammlung

    Mamiano di Tarversetelo im Juni – Leichten Schrittes eilen Kellner zum schattigen Platz im Park der Villa Magnani, wo ein Aperitif für eine Hochzeitsgesellschaft gereicht wird. Als typischer englischer Landschaftsgarten mit mächtigen Eichen, Zedern und Platanen stammt die 12 Hektar große Anlage im Hinterland von Parma aus dem frühen 19. Jahrhundert. Über das Gras stolzieren blaue und weiße Pfauen. Am Rand stehen sechs ionische Säulen merkwürdig Spalier. Sie kommen aus dem Kreuzgang einer Kirche Süditaliens, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Das Herrenhaus im neobarocken Stil wurde Anfang des 20.Jahrhunderts an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet. Ein Großgrundbesitzer kaufte das Anwesen in den 1940er Jahren und vermachte es seinem Sohn. Dieser Luigi Magnani (1906 – 1984), Musikwissenschaftler, ein Schüler von Alfredo Casella, aber auch Kunsthistoriker und Schriftsteller, richtet hier seine Bibliothek ein. In Italien wurde er durch mehrere Arbeiten – darunter ein Roman – über Beethoven bekannt.

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