SCHWUNGVOLL UND GEGENWÄRTIG

    Notizen zum 37. Rossini Opera Festival in Pesaro

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    Verschleiert - Salome Jicia als Elena in "La donna del Lago"

    Pesaro - Das 37. Rossini Opera Festival geht in diesen Tagen zu Ende. Im Mittelpunkt stand eine vielumjubelte, von der Kritik etwas zurückhaltend aufgenommene Neuaufführung der "Donna del Lago". Michele MariottI dirigierte, Italiens Regiestar Damiano Michieletto hat sie auf die Bühne gestellt. Daneben sah man einen von Davide Livermore erfrischend inszenierten "Il Turco in Italia" unter der musikalischen Leitung von Speranza Scapucci, der ersten weiblichen Dirigentin des Festivals. "Ciro in Babilonia", eine Wiederaufnahme aus dem Jahr 2012 (Regie: Davide Livermore, Dirigent: Jader Bignamini) bildete das ernste Gegenstück gegen so viel unterhaltsames Musiktheater.

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    OHNE LIEBE ZUR MUSIK

    Die hochverschuldete Oper von Verona will die Ballettsparte einsparen. Drohen jetzt Streiks?

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    Schatten über den Opernfestspielen in der Arena di Verona

    Verona - Die traditionellen Opernfestspiele in der Arena von Verona, die im Juni mit einer Wiederaufnahme der „Carmen“ in der ziemlich angestaubten Regie von Franco Zeffirelli begonnen hatten, neigen sich ihrem Ende zu (bis 28.8.). Ob der Spielplan aber überhaupt wie vorgesehen erfüllt werden kann, ist ungewiss. Zumindest am kommenden Sonntag könnte die „Aida“ ohne Balletteinlagen über die Freilichtbühne in der Arena gehen. Die Tänzerinnen und Tänzer wollen die Aufführung bestreiken, nachdem bekannt geworden war, dass die Opernstiftung Verona ihre Ballettsparte in Zukunft ganz einsparen will.

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    VOM KILLER ZUM PADRINO

    Der Mafia-Boss Bernardo Provenzano ist gestorben

    43 Jahre im Untergrund - Provenzano bei seiner Festnahme 2006

    43 Jahre im Untergrund - Provenzano bei seiner Festnahme 2006

    Mailand/Corleone - Der sizilianische Mafia-Boss Bernardo Provenzano ist am 13. Juli im Alter von 83 Jahren in dem Mailänder Krankenhaus San Paolo an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Er galt als der letzte "klassische" Padrino, der bis zu seiner Verhaftung 2006 mit Autorität aus dem Untergrund heraus die Geschäfte der Cosa Nostra steuerte und zwischen rivalisierenden Clans zu vermitteln wusste. Dabei benutzte er auf kleinen Zetteln mit Schreibmaschine verschlüsselt geschriebene Botschaften ("Pizzini"), die von Hand zu Hand wanderten - ein gleichsam "abhörsicheres" Kommunikationssystem.

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    EINE GIFTIGE WEISSLICHE WOLKE

    Vor 40 Jahren - das Dioxin-Unglück von Seveso

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    Entstellt von Chlorakne - Kind in Seveso 1976

    Seveso - Bei einem Unglück in einer Chemiefabrik in Norditalien wurde vor vierzig Jahren das hochgiftige Dioxin frei gesetzt. Betroffen waren Bewohner vor allem der Ortschaft Seveso und Nachbargemeinden unweit von Mailand. Ein chaotisches Krisenmanagement während der ersten Tage nach dem Unglück, als Unternehmen und Behörden die Folgen herunter spielten, verzögerte Hilfe. Schließlich mussten Hunderte von Menschen evakuiert werden. Chlorakne entstellte die Gesichter von Kindern und bis heute bleibt die Angst vor gesundheitlichen Spätfolgen. Der Vorfall, der weltweites Aufsehen erregte, führte zu einer EU-Bestimmung, die unter dem Namen „Seveso-Richtlinie“ zur Beherrschung von Gefahren bei schweren Unfällen mit gefährlichen Stoffen dienen soll.

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    „MAN KANN EINEN SHYLOCK NICHT AUSSCHLIESSEN“

    Ein Gespräch mit Shaul Bassi über Shakespeare, die Juden und den "Kaufmann von Venedig"

    Der Kaufmann von Venedig und die Werbung - Liebig Bilderserie

    "Der Kaufmann von Venedig" und die Werbung von einst - Liebig Bilderserie

    Venedig - Er ist der venezianische Jude schlechthin, auch wenn er nie existiert hat: Shylock aus Shakespeares Drama „Der Kaufmann von Venedig“. In der Ausstellung „Venezia, gli Ebrei e l’Europa 1516 – 2016“, die im Palazzo Ducale an die Gründung des Ghettos vor 500 Jahren erinnert ist, darf er nicht fehlen. Der Anglist Shaul Bassi von der Universität Ca’ Foscari, ein Mitglied der jüdischen Gemeinschaft Venedigs, ist für diesen Teil der Ausstellung verantwortlich. Im Interview äußert sich der 46jährige Wissenschaftler zum Thema.

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    ANSICHTEN EINER STADT

    Einleitung zu „Mailand – Eine literarische Einladung“ (*)

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    Piazza Duomo. Mailand

     „Mailand, herrlich unter den Städten,
    wie die Rose oder die Lilie unter den Blumen,
    die Zeder im Libanon,
    der Löwe unter den Vierbeinern
    und der Adler unter den Vögeln.“

    So jubelnd wie Bonvesin de la Riva im Jahr 1288 seine Heimatstadt beschrieb, wird es kaum ein Schriftsteller heute noch tun. Heute geht man eher auf Distanz. Aber der Gelehrte und Frate der aufmüpfigen Bruderschaft der Humiliaten fand Worte, die einen frühen Zusammenhang zwischen Stadtbeschreibung und Literatur belegen. Der Grammaticus Bonvesin de la Riva gilt als Mitbegründer des „Volgare“ einer lombardisch-venetischen Schriftsprache. Zugleich verfasste er den vermutlich ersten „Reiseführer“ Mailands, den aber auf Latein: De magnalibus urbis Mediolani.

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    EIN FLÜCHTIGES ERLEBNIS

    Beeindruckend: „The Floating Piers“ von Christo am Lago d’Iseo

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    Unterwegs auf  den "schwimmenden Molen" auch unter Wolken

    Lago d’Iseo/Brescia (18.6. bis 3.7.) - Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl. Man betritt in Sulzano am Ostufer des Lago d’Iseo den auf der Oberfläche schwimmenden Steg und geht schnurgerade auf die im See liegende Insel Monte Isola zu, die wie ein kleiner Berg aus dem Wasser ragt. Der Boden federt unter den Füßen. Und wenn Wellen kommt, übertragen sich leicht ihre Bewegungen. Sorgenvoll geht der Blick zum Himmel und zu den grauen Wolken, die vorüber ziehen. Gewitter und Platzregen hatten gerade in den vergangenen Tagen die Fertigstellung des neuesten Projektes von Christo erschwert. Doch die Arbeit an den „Floating Piers“ ist getan, dunkelgelb zeichnet sich der wie mit einem Lineal gezogene Weg der „schwimmenden Molen“ übers Wasser zur Monte Isola ab, und zu der kleinen Nachbarinsel, der Isola San Paolo.

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