im Theater: Gul – Uno sparo nel buio

    Gemma Carbone eröffnet mit ihrem Stück über den Mord an Olof Palme im Teatro Elfo Puccini eine Reihe von neuen Inszenierungen junger Autoren zu politischen Themen im italienischen Theater

    © Teatro Elfo Puccini/Carlotta Musardo

    Spurensuche und Gefühle - Gemma Carbone

    Mailand (Teatro Elfo Puccini) – Politik, Leidenschaft, Macht – unter diesen Stichworten hat das Teatro Elfo Puccini seine diesjährige Reihe Nuove storie ("Neue Erzählungen") gestellt, die – so der Kurator Francesco Frongia – mit jungen Theatergruppen politisch unbequeme Themen aufgreifen und ihre Umsetzung auf der Bühne untersuchen will. Den vielversprechenden Anfang machte jetzt Gemma Carbone mit ihrem Stück Gul – Uno sparo nel buio („Gelb – Ein Schuss im Dunkel“). Dabei geht es um den Mord an Schwedens Ministerpräsident Olof Palme.

    weiter zum Artikel

    WERKSTATT FÜR IDEEN

    Zwischen Trubel und Debatten - die Turiner Buchmesse mit steigenden Besucherzahlen

    © Cluverius

    Bücher sind das Leben - Feltrinelli-Stand

    Turin/Mailand – Die Veranstalter des 32. Salone Internazionale del Libro di Torino (9. bis 13. Mai) zeigten sich zufrieden. Zur italienischen Buchmesse kamen diesmal 148.000 Besucher (darunter rund 21.000 Kinder und Jugendliche in einem für sie reservierten Veranstaltungsbereich) – rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir sind eine Werkstatt für Ideen“, zog der künstlerische Leiter, der Schriftsteller Nicola Lagioa, Bilanz.
    Auf Veranstaltungen wurden Bücher und Themen einer breiten Themenpalette diskutiert, wobei die gegenwärtige Faschismusdebatte in Italien mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt wurde.

    weiter zum Artikel

    HOFFUNG IM HERZEN, FEUER IM BAUCH

    Biennale (1): Die 58. Esposizione Internazionale d’Arte bietet eine vielleicht wenig spektakuläre aber höchst vielseitige Ausstellung. Politische und soziale Fragen bleiben tonangebend, werden aber nicht ideologisch überspitzt

    © Cluverius

    Leichter Nebel zieht über den zentralen Pavillon der Biennale in den Giardini - eine Installation der Italienerin Lara Favaretto ("Thinking Head" 2019)

    Venedig (Giardini/Arsenale bis 24.11.19) - Am Eingang zur Hauptausstellung der 58. internationalen Kunstbiennale im zentralen Pavillon der Gartenanlagen Venedigs sieht sich der Besucher bunten aufgeblasenen Tafeln gegenüber. Wird die Luft abgelassen, kann man kurze Botschaften lesen: „Don’t Worry“, „Hey, Relax“ oder „It’s over“. Will uns der in New York lebende Franzose Antoine Catala mit seiner Arbeit sagen, alles sei (unwiderrufen) zu Ende oder (zum Glück) nur vorbei? Bei dieser Biennale sind Fragen nicht eindeutig, die Antworten schon gar nicht.

    weiter zum Artikel

    KOPFLASTIG

    Biennale (2): Natascha Sadr Haghighian bespielt den deutschen Pavillon – und lässt ihn im Netz und in den sozialen Medien stattfinden

    © Cluverius

    "Die Deutschen haben es mit Mauern" - kommentierte der Corriere della Sera die Installation im Pavillon der Bundesrepublik

    Venedig - Der graue Pavillon der Deutschen scheint verschlossen, während sich lange Besucherschlangen vor den benachbarten Einrichtungen der Briten und Franzosen hinziehen. Er wirkt wie ein verlassenes Relikt des Gestrigen, ein Relikt auch der vergangenen ideologischen Debatten darüber, wie man etwa der Nazi-Aura des 1938 errichteten Gebäudes entkommen kann. Ein kleines Schild weist darauf, dass man den Hintereingang benutzen soll.

    weiter zum Artikel

    UNBEQUEMER STREITER

    Biennale (3): Die Preise, der Präsident und die Bühne Venedig

    © Cluverius

    Mehr als eine Reise wert - Venedig bietet neben den Veranstaltungen zur Biennale ein tolles Ausstellungsprogramm, das in wenige Tagen kaum zu schaffen ist

    Venedig - Eine internationale Jury unter der Leitung von Stephanie Rosenthal (Direktorin des Gropius Bau Berlin) hat die Preise vergeben. Den goldenen Löwe für das Lebenswerk erhielt der us-amerikanische Konzeptkünstler, Poet und politische Aktivist Jimmie Durham (geboren 1950 in Houston/Texas). Als beste Länderbeitrag wurde Litauen – hier ein Videoausschnitt – mit einem goldenen Löwen geehrt. Besonders erwähnt wurde auch der von Belgien. Der goldene Löwen für den besten künstlerischen Beitrag ging an Arthur Jafa (USA). Der silberne Löwen für einen jungen Künstler fiel der 39jährigen Zypriotin Haris Epaminonda zu, die in Berlin lebt und arbeitet. Besonders erwähnt wurden außerdem die Arbeiten von Teresa Margolles (Mexiko) und Otobong Nkanga (Nigeria).

    weiter zum Artikel

    WIE ZWEI VERLORENE KINDER

    Guglielmina und Peter, eine Italienerin und ein Deutsche, treffen einander 60 Jahre, nachdem ihre Väter im Zweiten Weltkrieg auf entgegen gesetzten Seiten der Logik von Hass und Vergeltung zum Opfer gefallen waren

    Ort der Erinnerung an das Massaker vom 22. Juni 1944 - Das "Mausoleo 40 Martiriin Gubbio

    Mailand/Gubbio – Das ist die Geschichte einer bemerkenswerten Begegnung zwischen einem Deutschen und einer Italienerin. Er, Peter, Sohn eines Militärarztes, der beim Rückzug der Wehrmacht im Frühsommer 1944 von Partisanen in Gubbio getötet wird. Sie, Guglielmina, Tochter eines der 40 Bürger der Stadt, die als Vergeltung für das Attentat hingerichtet werden. Durch Zufall treten sie 60 Jahre später in Kontakt, schreiben einander Briefe, es kommt zu einem Treffen. Das bleibt für beide (und ihre Familien) eine Privatbeziehung, bis Guglielmina 2012 nach einer schweren Krankheit stirbt. Kurz vor ihrem Tod, übergibt sie den Briefwechsel dem Journalisten Giacomo Marinelli Andreoli, der auf dieser Grundlage eine Erzählung schreibt: Nel segno dei padri. La storia di Guglielmina e Peter – „Im Zeichen der Väter. Die Geschichte von Guglielmina und Peter“ – erschienen 2017 bei Marsilio (Venedig).

    weiter zum Artikel

    ALS REBELL UNTERWEGS

    Paolo Rumiz und seine Wanderung über die Via Appia von Rom nach Brindisi zwischen antiken Ruinen, Olivenbäumen und hupenden Lastwagen. Eine Begegnung mit dem Autor zur deutschen Veröffentlichung seines Buches über eine abenteuerliche Fußreise.

    © Cluverius

    Unterwegs durch Jahrtausende - die Via Appia im Ausgrabungsgebiet von Minturnae (bei Formia)

    Itri/Mailand – Die alte Via Appia zeigt südlich von Rom auf der Strecke zwischen Fondi und Itri ein ehrwürdiges Pflaster mit glatten, an den Rändern rund geschliffenen Steinen. Schwarzbraune Steine vulkanischen Ursprungs: „Hier haben die Bourbonen im 18. Jahrhundert die Straße erneuert“, erklärt Paolo Rumiz. Man kann sich unterwegs auf der antiken Römerstraße kaum einen besseren Begleiter als den heute 71jährigen Journalisten und Publizisten aus Triest wünschen.

    weiter zum Artikel

    HEUTE HIER, MORGEN DA

    Die Fondazione Trussardi versucht in Mailand, unter der Leitung von Beatrice Trussardi, mit Gegenwartskunst in den Alltag hinein zu wirken und öffentliches Bewusstsein zu wecken

    © Cluverius

    Verhängt: Trussardi-Projekt von Ibrahim Mahama (Ghana) an der Mailänder Porta Venezia - hier in der Aufbauphase

    Mailand - „Ich bin eine kulturelle Aktivistin.“ Beatrice Trussardi leitet die 1996 von ihrem Vater Nicola in Mailand gegründete Fondazione Trussardi. „Kunst ist für mich ein Mittel, die Notlagen, die Probleme der Welt zu verstehen,“ sagt die 47jährige in einem Gespräch mit Auslandsjournalisten der Foreign Press Milano. Die Trussardi Kulturstiftung hat gerade zusammen mit der Messe miart und dem Künstler Ibrahim Mahama aus Ghana das Projekt „A Friend“ konzipiert, bei dem die beiden neoklassizistischen Zollgebäude der Porta Venezia in Mailand für zwei Wochen mit Jutesäcken aus der afrikanischen Heimat des Künstlers verhängt wurden. Die historische Stadttoranlage am Beginn des Corso Buenos Aires, Mailands längster Einkaufsstraße, wurde so zu einem Symbol für den Zusammenhang von Konsum, Globalisierung und Emigration.

    weiter zum Artikel

    in der Oper: Manon Lescaut

    Die Scala bringt Giacomo Puccinis erste große Erfolgsoper in einer Urfassung heraus

    © Brescia/Amisano - Teatro alla Scala

    Vom Barock in die Puccini-Zeit: David Pountney inszeniert "Manon Lescaut" vor dampfenden Lokomotiven - rechts auf einem Karren Maria José Siri als Manon

    Mailand (Teatro alla Scala bis 27.4.2019) – Großer Bahnhof für Manon an der Scala: Der britische Regisseur David Pountney verlegt die Handlung der Oper von einer Taverne des 18. Jahrhunderts in einen Bahnhof zur Puccini-Zeit an die Wende zum 20. Jahrhundert. Und läst mächtige Züge über die Bühne (Leslie Travers) rollen. Was durchaus einleuchtet, wollte einem der Tradition verhafteten Teil des Mailänder Publikums nicht gefallen. Und so gab es nach der Premiere der Manon Lescaut im Saal eine Schlacht zwischen stürmischen Beifall und kräftigem Buh-Rufen. Gefeiert wurden auch bei den Wiederaufführungen dagegen unisono Riccardo Chailly und die Stimmen – allen voran Maria José Siri (Manon) und Massimo Cavalletti (Lescaut), etwas weniger Roberto Aronica (Des Grieux).

    weiter zum Artikel

    AZURBLAUE UNENDLICHKEIT

    Ein Maler und seine Leidenschaft - Die sizilianischen Meerstudien von Piero Guccione im Museo d’arte Mendrisio

    ©Museo d'arte, Mendrisio Foto Cosimo Filippini 2019

    Blaue Linientreue - Piero Guccione: "La Linea azzurra "(2007), Öl auf Leinwand 81 x 111 cm

    Mendrisio (Museo d’arte bis 30.6.) – Der Ort Scicli liegt an der südöstlichen Spitze Sizilien, wo die größte Insel Italiens bei der Punta Corvo über das Mediterraneo nach Afrika weist. Hier kam 1935 Piero Guccione auf die Welt. Das Meer mit all seinen Variationen wurde dem Maler zur ästhetischen Leidenschaft: „Mich fasziniert der absolute Stillstand des Meeres, das jedoch unentwegt in Bewegung bleibt.“ Das Museo d’arte Mendrisio (Tessin) zeigt jetzt das Spätwerk von Piero Guccione, der 2018 im Alter von 83 Jahren in Modica starb. Unter dem Titel La pittura come il mare ("Malerei wie das Meer") sind 56 Arbeiten vorwiegend in Öl- aber auch in Pastell-Technik zu sehen.

    weiter zum Artikel

    RETTER DER WELT

    Wie das Gemälde Salvator Mundi, das von Christie’s zu einer Rekordsumme versteigert wurde, zu einem Phantombild wurde. Hintergründe liefert auch der Band "Leonardo da Vinci für Eilige".

    © www.arttribune.it

    Die Restauratorin Dianne Dweyer Modestini und der Salvator Mundi - von Leonardo?

    Mailand – Wo ist der Salvator Mundi abgeblieben, der Leonardo da Vinci zugeschrieben wird? Das teuerste Bild, das bislang bei einer Versteigerung unter den Hammer gekommen ist, sollte im September 2018 im Louvre Abu Dhabi ausgestellt werden. Der angebliche Besitzer, Prinz Mohammed bin Salman aus dem Königreich Saudi Arabien, habe es, so hörte man, den „Brüdern“ in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgeliehen. Doch kurz vor Eröffnung  am 18.9. kam die Ankündigung, die Ausstellung sei verschoben worden. Seitdem herrscht Schweigen. Auch in Paris, wo das Bild – vielleicht – auf der großen Leonardo-Ausstellung ab dem 24. Oktober 2019 im Louvre gezeigt werden könnte.

    weiter zum Artikel

    DIE SCALA UND DIE SAUDI

    Aufregung in Mailand um eine Beteiligung des Ölstaates am Opernhaus. Intendant Alexander Pereira möchte seinen Vertrag verlängern. Mögliche Nachfolger stehen schon Schlange

    © Cluverius

    Mehr Licht für die Scala durch Saudi-Gelder? Die Mailänder Oper am Abend

    Mailand - Strecken die Saudi ihre Hände nach der Mailänder Scala aus? Sollen Ölgelder den Bühnenbetrieb schmieren? Die Rede ist von 15 Millionen Euro, die dem saudischen Königshaus oder dem von ihm kontrollierten Ölriesen Aramco einen Sitz im Verwaltungsrat der Bühne gleichberechtigt mit Vertretern des italienischen Staates und privaten Stiftungsmitgliedern wie Pirelli, Tod’s oder Allianz sichern würde. Schon gibt es eine parlamentarische Anfrage in der römischen Abgeordnetenkammer wegen der Beteiligung eines Landes, „das keine Garantien der fundamentalen Menschenrechte“ liefere.

    weiter zum Artikel

    In Salerno

    © Cluverius

    Salerno leuchtet - Vorhof und Glockenturm des Doms San Matteo, eine normannische Gründung des 11. Jahrhunderts

    Salerno Ende Februar –  Unter letzten Sonnenstrahlen spürt man im Strandcafé von Santa Teresa den nahen Frühling. Hinter einem monströsen halbrunden Neubau der Piazza della Libertà liegt versteckt Zaha Hadids Anlage der Stazione Marittima.  Wenig später führen  Schritte hoch in die dämmrig verschlafene Altstadt. Der Säulenhof vor dem Dom von San Matteo  leuchtet geheimnisvoll in effektvoller Lichtregie. Die Gebeine des Evangelisten kamen auf abenteuerlichen Wegen im 10. Jahrhundert von Nordafrika über Südfrankreich nach Salerno. Papst Pius XII. erklärte Matthäus bei einem Besuch der Kathedrale zum Schutzheiligen der Buchhalter Italiens.

    weiter zum Artikel

    EINE SINNLOSE ZERSTÖRUNG

    Montecassino (1): Vor 75 Jahren bombardierten alliierte Streitkräfte die historische Benediktiner-Abtei südlich von Rom

    © Wikipedia

    Total zerstört - und nichts gewonnen. Montecassino wirkt nach dem Bombenangriff der Alliierten wie eine Mondlandschaft

    Montecassino/Mailand – Der Heilige Benedikt von Nursia gründete im Jahr 529 das Kloster von Montecassino. Hier schrieb er die bis heute gültige Klosterregel der Benediktiner, mit der das mittelalterliche Mönchstum begründet wurde. Die Abtei liegt 516 Meter hoch auf dem Gipfel eines Vorgebirges des Apennins. Von diesem Monte Cassino hat man das Liri-Tal mit der antiken Via Casilina, die nach Rom führt, im Blick – und unter Kontrolle. Im Zweiten Weltkrieg spielte sich hier eine der schrecklichsten Schlachten auf italienischen Boden statt.

    weiter zum Artikel

    DER FRIEDEN DER MÖNCHE

    Montecassino (2): Mittelalterliche Einrichtungen der Benediktiner in Italien möchten in die Welterbe-Liste der Unesco aufgenommen werden. Ein Gespräch mit dem Kunsthistoriker Ruggero Longo

    © Cluverius

    Kraft der Erinnerung und Ort der Versöhnung - das wieder aufgebaute Kloster Montecassino

    Montecassino/Mailand – Das Stammkloster der Benediktiner auf dem Monte Cassino spielt eine zentrale Rolle bei einer Initiative, die sich für die Aufnahme der Kulturlandschaft der mittelalterlichen Benediktinersitze Italiens in die Unesco-Liste des Welterbes einsetzt. Die erste Hürde ist genommen und die Kandidatur anerkannt. Es geht um acht Niederlassungen der Benediktiner in Italien. Neben der Abtei Montecassino (Region Latium) und den Klostern in Subiaco (ebenso im Latium), die noch von Benedikt selbst gegründet wurden, gehören dazu unter anderen auch die Abtei San Pietro al Monte (Lombardei) oder die Sacra di San Michele (Piemont) – hier zur vollständigen Liste. Das endgültige Bewerbungsdossier steht kurz vor dem Abschluss. Mit einer Entscheidung kann man ab 2020 rechnen.

    weiter zum Artikel

    VON SCHATTEN DURCHZOGEN

    Montecassino/Mailand (3): Wer (und warum) rettete Kunstschätze und Dokumente der Abtei vor der Zerstörung durch den Bombenangriff? Eine Geschichte mit Elementen zu einem Kloster-Krimi

    © Wikipedia

    Entrückt und voller ungeklärter Fragen - das Kloster Montecassino heute

    Montecassino/Mailand - Wer Glück hat, kann sich von Don Luigi Maria Di Bussolo die Räume der Bibliothek mit dem historischen Bestand - heute unter staatlicher Verwaltung - zeigen lassen. Don Luigi, ist einer von zehn Mönchen, die gegenwärtig im Kloster leben und mit Hilfskräften die gesamte Anlage am Leben halten. Der Bestand der Bibliothek, so der Benediktiner, sei einzigartig auf der Welt. Dazu gehöre ein Kodex aus dem 6. Jahrhundert, ein Kommentar der Paulus Briefe durch den Kirchenvater Ambrosiaster. Oder das erste bekannte Dokument in italienischer Sprache ("volgare campano"), die Placiti Capuani, über Rechtsstreitigkeiten eines Klosters in Süditalien aus dem Jahr 960.

    weiter zum Artikel

    JUNG, NACHDENKLICH, MULTIKULTURELL

    Mahmood, in der Mailänder Peripherie aufgewachsen, gewinnt überraschend mit dem Song „Soldi“ das 69. Festival von Sanremo - und löst Polemiken aus

    © Corriere della Sera,Dossier Sanremo 2019

    Mit dem goldenen Löwen von Sanremo -Der 26jährige Mahmood

    Sanremo/Mailand – Hast Du Töne? Als in der Nacht zu Sonntag (11. Februar) Altstar Claudio Baglioni den Sieger des diesjährigen Songfestivals Sanremo bekannt gab, zeigte der Glückliche sich überrascht – Mahmood, ein Kind der multikulturellen Mailänder Szene, hatte sich wider Erwarten gegen den favorisierten Römer Ultimo durchgesetzt. Während auf der politischen Bühne sich das von populistischen Strömungen getragene kleinbürgerliche Italien von seiner bedenklichen Seite zeigt, kommt in Sanremo ein anderes Italien – jung, nachdenklich, multikulturell – in den Blick.

    weiter zum Artikel

    VOM BLAUEN MEER UMSCHLUNGEN

    Reiseführer, Essay und Lesebuch zugleich – Dieter Richter hat mit „Die Insel Capri“ ein wundervolles Porträt der Perle im Golf von Neapel geschrieben

    © Indigo Film/Pathé/Rai-Cinema

    Naturparadies und Filmkulisse - wie hier für "Capri-Revolution" von Mario Martone mit Marianna Fontana

    Mailand/Capri – Insel für Einsiedler, Wunder der Welt oder wie bereits von Rilke beklagt als „Fremdencapri“ vom Tourismus überschwemmt? Capri, schreibt Dieter Richter sei heute „Ort und Un-Ort zugleich“. Es scheint als schwimme die Insel in einem Meer von „unterschiedlichen Sehnsüchten, Werbestrategien und Phantasien“. Das hat viele mit Geschichte und sehr viel mit touristischer Vermarktung zu tun. Aber eben auch mit der einzigartigen Lage im Golf von Neapel. Capri liegt vom blauen Meer umschlungen, auf das von unzähligen Aussichtspunkten immer wieder der Blick fällt. Im Inneren zeigt Capri verwirrend viele Gesichter. Denn, so Richter, es gebe keine Insel, „in die eine derartige Fülle historischer und kultureller Zeichen eingeschrieben ist.“

    weiter zum Artikel

    im Kino: Capri-Revolution

    Mario Martone erzählt in einer Art Bildungsroman von der Ziegenhirtin Lucia und beschreibt die Faszination (und das Scheitern) alternativer Lebensformen

    © Indigo Film/Pathé/Rai-Cinema

    Sich dem Neuen offen stellen - Marianna Fontana als Ziegenhirtin Lucia

    Mailand (Cinema Anteo) – Eine Gruppe von Aussteigern aus verschiedenen europäischen Ländern suchen auf Capri in den Jahren vor Ausbruch des ersten Weltkrieges ein Refugium. Sie möchten abgeschieden vom bewohnten Teil der Insel in der Natur und mit Mitteln der Musik und des Tanzes neue Formen des Zusammenlebens ausprobieren. Für Lucia, eine zwanzigjährige Ziegenhirtin und Analphabetin, bedeutet dagegen Natur Arbeit um zu überleben. Sie fühlt sich von der Gruppe und besonders von ihrem Anführer, dem Maler Seybu, angezogen. Lucia bricht mit ihrer Familie und schließt sich der Gruppe an, wo sie Lesen, Schreiben und Englisch lernt.

    weiter zum Artikel

    SCHLANGESTEHEN VOR VENEDIG?

    Die Lagunenstadt darf jetzt auch von Tagespendlern eine Ortstaxe verlangen. Aber hat noch keinen Modus dafür gefunden

    © Cluverius

    Demnächst nur noch nach Vorbuchung ? - Postkartenblick auf Venedig

    Venedig - Wie soll das gehen? Drehkreuze und Kassenhäuschen an der Piazzale Roma, vor dem Bahnhof, am Flughafen? Aufpreise für Bahn-, Bus-, Schiff- und Flugtickets? Ein obligatorischer Venedig-Pass? Abbuchung vom Handy? Zugang nur nach Vorbestellung? Sonderregelungen für Museums- und Biennale-Besucher? Muss man demnächst Schlange stehen, wenn man nach Venedig will?

    weiter zum Artikel

    im Theater: Lo Strano Caso del Cane Ucciso a Mezzanotte

    Mit Simon Stephens Erfolgsstück am Teatro Elfo Puccini ins neue Jahr

    © Laila Pozzo/Elfo Puccini

    Berührungsängste - Daniele Fedeli als Christopher und Alice Redini als Judy

    Mailand (Teatro Elfo Puccini bis 13.1.) - Die Geschichte von Christopher Boone handelt von einem verhaltensgestörten aber mathematisch hochbegabten Jugendlichen, der in einer englischen Kleinstadt allein mit seinem Vater lebt. Christopher möchte den gewaltsamen Tod eines Hundes in seiner Nachbarschaft aufklären und löst dabei das Rätsel um seine verschwundene Mutter. Mark Haddon erzählt die ernste Geschichte mit leichter Hand in seinem Erfolgsroman The Curious incident of the Dog in the Night-Time (2003). Der auch in Deutschland vielgespielte Simon Stephens hat daraus ein Bühnenstück gemacht (2012), das zunächst in London und dann in New York das Publikum begeisterte. Ferdinando Bruni und Elio De Capitani haben es jetzt im Teatro Elfo Puccini für das italienische Publikum bearbeitet herausgebracht – eine Inszenierung, die seit der Premiere am 5. Dezember für ausverkaufte Vorstellungen sorgt.

    weiter zum Artikel

    In Cassino

    © Cluverius

    Symbol des Friedens - Treppe in Montecassino

    Cassino im Dezember – Nieselregen empfängt den Reisenden, der am frühen Vormittag aus dem Bahnhof tritt. Die Abtei Montecassino thront hoch oben auf der Hügelkuppe im Dunst. Ein Kleinbus wartet am Bahnhofsplatz auf Studenten und Professoren, um sie zu den Einrichtungen der in der Kleinstadt 1979 gegründeten staatlichen Universität des südlichen Latiums (fünf Fakultäten, 8000 Studierende) zu bringen. Der Kiosk zur Information von Touristen ist verriegelt. Möglich, dass auch Sehenswürdigkeiten aus der Antike wie die Ruinen des römischen Theaters oder die das Amphitheaters so kurz vor Weihnachten nicht zu besichtigen sind.

    weiter zum Artikel

    EIN BUNTES BILD VON ITALIEN

    Lebensqualität (1): Mailand an erster Stelle im Ranking der Zeitung il sole 24 ore

    © Cluverius

    Blauer Himmel über Mailand, die Stadt mit der höchsten Lebensqualität in Italien - Garibaldi-Denkmal auf der Piazza Cairoli, im Hintergrund das Castello Sforzesco

    Mailand – Im Index, mit dem das Wirtschaftsblatt il Sole 24 ore jedes Jahr die Lebensqualität in den gegenwärtig 107 Stadtkreisen (Provinzen) Italiens misst, lagen bislang immer kleinere oder mittlere Städte wie zuletzt Belluno oder früher Ravenna ganz vorne. Jetzt ist es zum ersten Mal einer Großstadt gelungen, an die erste Stelle zu rücken: Mailand. Es folgen Bozen, Aosta, Belluno und Trento. Rom liegt auf dem 21. Platz vor Florenz (22.). Venedig findet man an Stelle 34, Turin an 38, Neapel an 94. Am Ende stehen Taranto und Foggia (beide Apulien) und schließlich Vibo Valentia (Kalabrien).

    weiter zum Artikel

    QUCIKLEBENDIG UND INTERNATIONAL

    Lebensqualität (2): Was Mailand so attraktiv macht – und wo es sich schwer tut

    © Cluverius

    Der alte Verdi und die neue Stadt - Piazza Buonarroti und das City Live Viertel im Hintergrund

    Mailand – Die lombardische Großstadt und ihr Umkreis (3,5 Millionen Einwohner) haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Mailand hat das Image einer eher hässlichen, kalten, allein auf Arbeit und Profit zugeschnittenen Stadt abgeschüttelt und sich zu einer international ausgerichteten quicklebendigen Metropole voller kultureller und sozialer Initiativen entwickelt. Aus wirtschaftlichen Grundlagen heraus (Mode- und Designunternehmen, Verlage und Zulieferer) haben sich Großveranstaltungen vom Fuori Salone bis zu Book City (1400 Gratis-Veranstaltungen) und Piano City (450 Konzerte) entwickelt, an denen weite Teile der Bevölkerung teilhaben. Die Stadt ist im Vergleich zu anderen Großstädten von der Fläche her relativ klein, was die Wege kurz und das Leben intensiv macht

    weiter zum Artikel

    im Kino: Troppa grazia

    Gianni Zanasi erzählt eine Parabel über den Konflikt zwischen Vernunft und Irrationalität mit der glänzend aufgelegten Alba Rohrwacher

    © IBC Movie/Pubkin Production

    Verlässlich, überlegt, rational - die Vermesserin Lucia (Alba Rohrwacher)

    Milano (Cinema Anteo) – Troppa grazia ("Zuviel Gnade", oder: "Zuviel des Guten") ist ein Film passend zur Advents- und Weihnachtszeit. Lucia (Alba Rohrwacher), eine Vermessungstechnikerin, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Sie hat sich von ihrem Partner Arturo (Elio Germano) getrennt und lebt mit der Tochter Rosa (Rosa Vannucci) im ländlichen Raum Mittelitaliens. Sie bekommt von einem lokalen Unternehmer (Giuseppe Battiston) den Auftrag die Kartierung für ein großes Imobilienprojekt mitten in bislang unberührter Landschaft zu erstellen. Bei den Arbeiten erscheint ihr die Madonna (Hadas Yaron). Lucia soll „den Menschen“ die Botschaft überbringen statt des geplanten Projektes dort eine Kirche zu errichten.

    weiter zum Artikel

    DER NEFFE AUS AFRIKA

    Francesca Melandri legt mit dem Roman „Alle, außer mir“ Italiens Verbrechen während der Kolonialzeit in Äthiopien bloß, beschreibt Probleme der Emigration heute, aber sie erzählt vor allem eine spannende Familiengeschichte

    copyright Cluverius

    Emigranten in Italien - Ausschnitt aus einem Gemälde des Chinesen Liu Xiadong frei nach dem "Quarto Stato" von Giuseppe Pelizza da Volpedo

    Mailand/RomFrancesca Melandri hat einen Roman geschrieben, den alle Italienliebhaber im deutschen Sprachraum gelesen haben sollten: Alle, außer mir (Wagenbach Verlag). Die Autorin aus Rom erzählt von Ilaria, Lehrerin in der italienischen Hauptstadt, die an einem Sommertag vor ihrer Wohnungstür auf einen dunkelhäutigen jungen Mann stößt, der behauptet, dass sie seine Tante sei. Wie bitte? Tante eines Afrikaners? Ilaria will den Besucher mit einem Almosen schnell wieder los werden.

    weiter zum Artikel

    in der Oper: Attila

    Mit der patriotischen Oper des jungen Verdi eröffnet die Mailänder Scala unter großem Applaus ihre neue Spielzeit

    © Brescia/Amisano - Teatro alla Scala

    Rache im Namen des Vaterlandes - Saioa Hernandez als Odabella  e und Ildar Abdrazakov als Attila

    Mailand (Teatro alla Scala bis 8.1.2019) – Kein Opernhaus der Welt feiert so festlich und so selbstbewusst seine Saisoneröffnung, wie es das Teatro alla Scala regelmäßig am 7. Dezember unternimmt. In diesem Jahr war das „Attila“ von Giuseppe Verdi. Riccardo Chailly dirigierte, Davide Livermore führte Regie und es sangen und spielten u.a. Saioa Hernández, Ildar Abdrazakov, Fabio Sartori und George Petean. 15 Minuten Applaus am Ende belohnten ihren Einsatz. Millionen  verfolgten die „Inaugurazione“ im Fernsehen, in Kinosälen, am Radio oder bei Übertragungen in Sozialeinrichtungen und öffentlichen Anlagen.

    weiter zum Artikel

    DER HISTORIKER IN DER GLOBALEN GEGENWART

    Ein Gespräch mit Jürgen Osterhammel, Träger des Balzan Preises 2018 für Globalgeschichte, über nationale und nationalistische Geschichte, die Angst vor dem Globalen, die Rolle des Historikers heute und Fragen seines Faches.

    © Balzan.org

    Kosmopolit - der Historiker Jürgen Osterhammel, geboren 1952

    Rom/Mailand - Jürgen Osterhammel, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Konstanz (Emeritus seit April 2018), ist als Mitglied einer Reihe von wissenschaftlichen Akademien in Deutschland sowie Italien, Österreich und Großbritannien international vernetzt. Er ist Träger des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste sowie Ehrendoktor des European University Institute EUI (Florenz). Der 66jährige Historiker wurde jetzt mit dem Balzan Preis 2018 „für seine grundlegenden Beiträge zur Globalgeschichte und zu ihrer Definition als eigene Teildisziplin“ – wie es in der Begründung der Internationalen Balzan Stiftung (Mailand/Zürich) heißt – ausgezeichnet. Neben anderem lobte die Jury seinen „eleganten und faszinierenden Schreibstil“.

    weiter zum Artikel

    VON PIERMARINI BIS BOTTA

    240 Jahre Teatro alla Scala in einer kleinen Ausstellung des Scala-Museums

    © Cluverius

    "Für mich ist es das erste Theater der Welt" schrieb Stendhal 1816 - Angelo Inganni malte das Teatro alla Scala im Stil der Romantik 1852

    Mailand (Museo Teatrale alla Scala bis 30.4.2019) - Nachdem das Teatro Regio Ducale innerhalb des Mailänder Herzogspalast 1776 zum dritten Mal ein Opfer von Flammen geworden war, finanzierten Adelige und Bürger der Stadt den Neubau eines Opernhauses - diesmal aus Stein und als Einzelgebäude. Die Landesherrin – damals die Habsburgerin Maria Theresia – genehmigte dafür den Abriss der Kirche Santa Maria alla Scala. Nach Plänen des Architekten Giuseppe Piermarini wurde das neue Opernhaus in nur 23 Monaten in klassizistischen Formen errichtet und im August 1778 mit Europa riconosciuta von Antonio Salieri eröffnet. In ihrer wechselhaften Geschichte war die Bühne ein Spiegel der kulturellen und politischen Zeitläufe. Zugleich war sie kontinuierlich baulichen und strukturellen Veränderungen unterworfen. Bis hin zu den Erweiterungen des Tessiner Architekten Mario Botta, der gerade mit einem Turmbau die Umbauten von 2002/2004 ergänzt. Eine kleine Ausstellung im Scala-Museum verfolgt jetzt 240 Jahre Geschichte von Piermarini bis Botta.

    weiter zum Artikel

    WENN ZUFALL METHODE IST

    10 Jahre Museion Bozen mit einer erfrischenden Ausstellung von John Armleder

    ©Foto Luca Meneghel

    John Armleder beim Aufbau der Ausstellung

    Bozen (Museion bis 6.1.2019) - Es geht tierisch zu. Bär und Gämse sagen sich zwischen blumigen Arrangements gute Nacht. Und über Tannenbäumen schwebt ein Raubvogel. Zehn Jahre nach ihrer Gründung 2008 feiert die Bozener Ausstellungseinrichtung Museion mit einem Auftritt des Schweizer Allroundkünstlers John Armleder (Genf, 1948) sich selbst mit viel Ironie.

    weiter zum Artikel