im Kino: Capri-Revolution

    Mario Martone erzählt in einer Art Bildungsroman von der Ziegenhirtin Lucia und beschreibt die Faszination (und das Scheitern) alternativer Lebensformen

    © Indigo Film/Pathé/Rai-Cinema

    Sich dem Neuen offen stellen - Marianna Fontana als Ziegenhirtin Lucia

    Mailand (Cinema Anteo) – Eine Gruppe von Aussteigern aus verschiedenen europäischen Ländern suchen auf Capri in den Jahren vor Ausbruch des ersten Weltkrieges ein Refugium. Sie möchten abgeschieden vom bewohnten Teil der Insel in der Natur und mit Mitteln der Musik und des Tanzes neue Formen des Zusammenlebens ausprobieren. Für Lucia, eine zwanzigjährige Ziegenhirtin und Analphabetin, bedeutet dagegen Natur Arbeit um zu überleben. Sie fühlt sich von der Gruppe und besonders von ihrem Anführer, dem Maler Seybu, angezogen. Lucia bricht mit ihrer Familie und schließt sich der Gruppe an, wo sie Lesen, Schreiben und Englisch lernt.

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    SCHLANGESTEHEN VOR VENEDIG?

    Die Lagunenstadt darf jetzt auch von Tagespendlern eine Ortstaxe verlangen. Aber hat noch keinen Modus gefunden

    © Cluverius

    Demnächst nur noch nach Vorbuchung ? - Postkartenblick auf Venedig

    Venedig - Wie soll das gehen? Drehkreuze und Kassenhäuschen an der Piazzale Roma, vor dem Bahnhof, am Flughafen? Aufpreise für Bahn-, Bus-, Schiff- und Flugtickets? Ein obligatorischer Venedig-Pass? Abbuchung vom Handy? Zugang nur nach Vorbestellung? Sonderregelungen für Museums- und Biennale-Besucher? Muss man demnächst Schlange stehen, wenn man nach Venedig will?

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    im Theater: Lo Strano Caso del Cane Ucciso a Mezzanotte

    Mit Simon Stephens Erfolgsstück am Teatro Elfo Puccini ins neue Jahr

    © Laila Pozzo/Elfo Puccini

    Berührungsängste - Daniele Fedeli als Christopher und Alice Redini als Judy

    Mailand (Teatro Elfo Puccini bis 13.1.) - Die Geschichte von Christopher Boone handelt von einem verhaltensgestörten aber mathematisch hochbegabten Jugendlichen, der in einer englischen Kleinstadt allein mit seinem Vater lebt. Christopher möchte den gewaltsamen Tod eines Hundes in seiner Nachbarschaft aufklären und löst dabei das Rätsel um seine verschwundene Mutter. Mark Haddon erzählt die ernste Geschichte mit leichter Hand in seinem Erfolgsroman The Curious incident of the Dog in the Night-Time (2003). Der auch in Deutschland vielgespielte Simon Stephens hat daraus ein Bühnenstück gemacht (2012), das zunächst in London und dann in New York das Publikum begeisterte. Ferdinando Bruni und Elio De Capitani haben es jetzt im Teatro Elfo Puccini für das italienische Publikum bearbeitet herausgebracht – eine Inszenierung, die seit der Premiere am 5. Dezember für ausverkaufte Vorstellungen sorgt.

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    In Cassino

    © Cluverius

    Symbol des Friedens - Treppe in Montecassino

    Cassino im Dezember – Nieselregen empfängt den Reisenden, der am frühen Vormittag aus dem Bahnhof tritt. Die Abtei Montecassino thront hoch oben auf der Hügelkuppe im Dunst. Ein Kleinbus wartet am Bahnhofsplatz auf Studenten und Professoren, um sie zu den Einrichtungen der in der Kleinstadt 1979 gegründeten staatlichen Universität des südlichen Latiums (fünf Fakultäten, 8000 Studierende) zu bringen. Der Kiosk zur Information von Touristen ist verriegelt. Möglich, dass auch Sehenswürdigkeiten aus der Antike wie die Ruinen des römischen Theaters oder die das Amphitheaters so kurz vor Weihnachten nicht zu besichtigen sind.

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    EIN BUNTES BILD VON ITALIEN

    Lebensqualität (1): Mailand an erster Stelle im Ranking der Zeitung il sole 24 ore

    © Cluverius

    Blauer Himmel über Mailand, die Stadt mit der höchsten Lebensqualität in Italien - Garibaldi-Denkmal auf der Piazza Cairoli, im Hintergrund das Castello Sforzesco

    Mailand – Im Index, mit dem das Wirtschaftsblatt il Sole 24 ore jedes Jahr die Lebensqualität in den gegenwärtig 107 Stadtkreisen (Provinzen) Italiens misst, lagen bislang immer kleinere oder mittlere Städte wie zuletzt Belluno oder früher Ravenna ganz vorne. Jetzt ist es zum ersten Mal einer Großstadt gelungen, an die erste Stelle zu rücken: Mailand. Es folgen Bozen, Aosta, Belluno und Trento. Rom liegt auf dem 21. Platz vor Florenz (22.). Venedig findet man an Stelle 34, Turin an 38, Neapel an 94. Am Ende stehen Taranto und Foggia (beide Apulien) und schließlich Vibo Valentia (Kalabrien).

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    QUCIKLEBENDIG UND INTERNATIONAL

    Lebensqualität (2): Was Mailand so attraktiv macht – und wo es sich schwer tut

    © Cluverius

    Der alte Verdi und die neue Stadt - Piazza Buonarroti und das City Live Viertel im Hintergrund

    Mailand – Die lombardische Großstadt und ihr Umkreis (3,5 Millionen Einwohner) haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Mailand hat das Image einer eher hässlichen, kalten, allein auf Arbeit und Profit zugeschnittenen Stadt abgeschüttelt und sich zu einer international ausgerichteten quicklebendigen Metropole voller kultureller und sozialer Initiativen entwickelt. Aus wirtschaftlichen Grundlagen heraus (Mode- und Designunternehmen, Verlage und Zulieferer) haben sich Großveranstaltungen vom Fuori Salone bis zu Book City (1400 Gratis-Veranstaltungen) und Piano City (450 Konzerte) entwickelt, an denen weite Teile der Bevölkerung teilhaben. Die Stadt ist im Vergleich zu anderen Großstädten von der Fläche her relativ klein, was die Wege kurz und das Leben intensiv macht

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    im Kino: Troppa grazia

    Gianni Zanasi erzählt eine Parabel über den Konflikt zwischen Vernunft und Irrationalität mit der glänzend aufgelegten Alba Rohrwacher

    © IBC Movie/Pubkin Production

    Verlässlich, überlegt, rational - die Vermesserin Lucia (Alba Rohrwacher)

    Milano (Cinema Anteo) – Troppa grazia ("Zuviel Gnade", oder: "Zuviel des Guten") ist ein Film passend zur Advents- und Weihnachtszeit. Lucia (Alba Rohrwacher), eine Vermessungstechnikerin, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Sie hat sich von ihrem Partner Arturo (Elio Germano) getrennt und lebt mit der Tochter Rosa (Rosa Vannucci) im ländlichen Raum Mittelitaliens. Sie bekommt von einem lokalen Unternehmer (Giuseppe Battiston) den Auftrag die Kartierung für ein großes Imobilienprojekt mitten in bislang unberührter Landschaft zu erstellen. Bei den Arbeiten erscheint ihr die Madonna (Hadas Yaron). Lucia soll „den Menschen“ die Botschaft überbringen statt des geplanten Projektes dort eine Kirche zu errichten.

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    DER NEFFE AUS AFRIKA

    Francesca Melandri legt mit dem Roman „Alle, außer mir“ Italiens Verbrechen während der Kolonialzeit in Äthiopien bloß, beschreibt Probleme der Emigration heute, aber sie erzählt vor allem eine spannende Familiengeschichte

    copyright Cluverius

    Emigranten in Italien - Ausschnitt aus einem Gemälde des Chinesen Liu Xiadong frei nach dem "Quarto Stato" von Giuseppe Pelizza da Volpedo

    Mailand/RomFrancesca Melandri hat einen Roman geschrieben, den alle Italienliebhaber im deutschen Sprachraum gelesen haben sollten: Alle, außer mir (Wagenbach Verlag). Die Autorin aus Rom erzählt von Ilaria, Lehrerin in der italienischen Hauptstadt, die an einem Sommertag vor ihrer Wohnungstür auf einen dunkelhäutigen jungen Mann stößt, der behauptet, dass sie seine Tante sei. Wie bitte? Tante eines Afrikaners? Ilaria will den Besucher mit einem Almosen schnell wieder los werden.

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    in der Oper: Attila

    Mit der patriotischen Oper des jungen Verdi eröffnet die Mailänder Scala unter großem Applaus ihre neue Spielzeit

    © Brescia/Amisano - Teatro alla Scala

    Rache im Namen des Vaterlandes - Saioa Hernandez als Odabella  e und Ildar Abdrazakov als Attila

    Mailand (Teatro alla Scala bis 8.1.2019) – Kein Opernhaus der Welt feiert so festlich und so selbstbewusst seine Saisoneröffnung, wie es das Teatro alla Scala regelmäßig am 7. Dezember unternimmt. In diesem Jahr war das „Attila“ von Giuseppe Verdi. Riccardo Chailly dirigierte, Davide Livermore führte Regie und es sangen und spielten u.a. Saioa Hernández, Ildar Abdrazakov, Fabio Sartori und George Petean. 15 Minuten Applaus am Ende belohnten ihren Einsatz. Millionen  verfolgten die „Inaugurazione“ im Fernsehen, in Kinosälen, am Radio oder bei Übertragungen in Sozialeinrichtungen und öffentlichen Anlagen.

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    DER HISTORIKER IN DER GLOBALEN GEGENWART

    Ein Gespräch mit Jürgen Osterhammel, Träger des Balzan Preises 2018 für Globalgeschichte, über nationale und nationalistische Geschichte, die Angst vor dem Globalen, die Rolle des Historikers heute und Fragen seines Faches.

    © Balzan.org

    Kosmopolit - der Historiker Jürgen Osterhammel, geboren 1952

    Rom/Mailand - Jürgen Osterhammel, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Konstanz (Emeritus seit April 2018), ist als Mitglied einer Reihe von wissenschaftlichen Akademien in Deutschland sowie Italien, Österreich und Großbritannien international vernetzt. Er ist Träger des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste sowie Ehrendoktor des European University Institute EUI (Florenz). Der 66jährige Historiker wurde jetzt mit dem Balzan Preis 2018 „für seine grundlegenden Beiträge zur Globalgeschichte und zu ihrer Definition als eigene Teildisziplin“ – wie es in der Begründung der Internationalen Balzan Stiftung (Mailand/Zürich) heißt – ausgezeichnet. Neben anderem lobte die Jury seinen „eleganten und faszinierenden Schreibstil“.

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    VON PIERMARINI BIS BOTTA

    240 Jahre Teatro alla Scala in einer kleinen Ausstellung des Scala-Museums

    © Cluverius

    "Für mich ist es das erste Theater der Welt" schrieb Stendhal 1816 - Angelo Inganni malte das Teatro alla Scala im Stil der Romantik 1852

    Mailand (Museo Teatrale alla Scala bis 30.4.2019) - Nachdem das Teatro Regio Ducale innerhalb des Mailänder Herzogspalast 1776 zum dritten Mal ein Opfer von Flammen geworden war, finanzierten Adelige und Bürger der Stadt den Neubau eines Opernhauses - diesmal aus Stein und als Einzelgebäude. Die Landesherrin – damals die Habsburgerin Maria Theresia – genehmigte dafür den Abriss der Kirche Santa Maria alla Scala. Nach Plänen des Architekten Giuseppe Piermarini wurde das neue Opernhaus in nur 23 Monaten in klassizistischen Formen errichtet und im August 1778 mit Europa riconosciuta von Antonio Salieri eröffnet. In ihrer wechselhaften Geschichte war die Bühne ein Spiegel der kulturellen und politischen Zeitläufe. Zugleich war sie kontinuierlich baulichen und strukturellen Veränderungen unterworfen. Bis hin zu den Erweiterungen des Tessiner Architekten Mario Botta, der gerade mit einem Turmbau die Umbauten von 2002/2004 ergänzt. Eine kleine Ausstellung im Scala-Museum verfolgt jetzt 240 Jahre Geschichte von Piermarini bis Botta.

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    WENN ZUFALL METHODE IST

    10 Jahre Museion Bozen mit einer erfrischenden Ausstellung von John Armleder

    ©Foto Luca Meneghel

    John Armleder beim Aufbau der Ausstellung

    Bozen (Museion bis 6.1.2019) - Es geht tierisch zu. Bär und Gämse sagen sich zwischen blumigen Arrangements gute Nacht. Und über Tannenbäumen schwebt ein Raubvogel. Zehn Jahre nach ihrer Gründung 2008 feiert die Bozener Ausstellungseinrichtung Museion mit einem Auftritt des Schweizer Allroundkünstlers John Armleder (Genf, 1948) sich selbst mit viel Ironie.

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    In Rom

    © Cluverius

    Rom am Abend - das Pantheon

    Rom Ende November - Die Stare sind wieder da. Sie bilden lebendige dunkle Wolken über der Piazza Venezia. Die Vögel lassen sich mit lautem Geschwätz auf den Bäumen in Parks, längs der Alleen und am Lungotevere nieder. Steigen dann wieder zu schlauchartigen Schwärmen auf, die sich auseinander ziehen und erneut verdichten, als würden sie atmen. Ihr Exkremente vermischen sich auf regennassen Straßen zu einer guanoartigen Paste und das Gehen und Fahren auf dem Kopfsteinpflaster wird zur Rutschpartie. Der Lungotevere dei Vellati musste zur Säuberung für zwei Stunden gesperrt werden.

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    EIN PILOSOPH AM HERD

    Zu Besuch bei Max Alajmo, dem jüngsten Koch mit drei Michelin-Sternen, im Restaurant Le Calandre in Sarmeola di Rubano (bei Padua).

    © Cluverius

    Pfiffig: Der Koch als Darsteller und als kreativer Intellektueller - Max Alajmo

    Sarmeola di Rubano – Was verbirgt sich hinter diesem Gesicht? Spitzbübisch lächelt Massimiliano (Max) Alajmo aus seine großen braunen Knopfaugen heraus. Man möchte den 44jährigen mit den aufrecht stehenden, kurzen schwarzen Haaren für einen volkstümlichen Schauspieler halten. Ein Komiker, typisch für Venetien und den Raum um Padua, aus dem er stammt. Das Lächeln zeichnet jedoch eine kreative Kochpersönlichkeit aus, der Freundlichkeit und Weisheit zu einem Charakterzug seiner Küche gemacht hat, die er im Dreisterne-Restaurant Le Calandre in Sarmeola di Rubano präsentiert.

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    in der Oper: Fin de Partie

    Die Welturaufführung der Oper von György Kurtág nach dem Bühnenstück von Samuel Beckett in der Scala wurde zu einem von der Kritik gefeierten Erfolg

    copyright Teatro alla Scala/Ruth Walz

    Lange Schatten - im Rollstuhl Hamm (Frode Olsen) und sein Diener Clov (Leigh Melrose)

    Mailand (Teatro alla Scala bis 25. 11.) – Fast zehn Jahre lang hat der Österreicher Alexander Pereira den Ungarn György Kurtág umworden, den Plan einer Oper zu Becketts Theaterstück Fine de Partie („Endspiel“) umzusetzen. Jetzt hat der 92jährige Kurtág Wort gehalten. Pereira – Intendant der Scala seit Oktober 2014 – kann so seinen bislang größten Erfolg am Mailänder Opernhaus auskosten. Die Welturaufführung am 15. November in französischer Sprache wurde von der nationalen wie internationalen Presse gefeiert. Ein Verdienst der Künstler, die Kurtágs Vorgabe auf hohem Niveau umzusetzen wussten: Markus Stenz, der das Scala-Orchester leitete, die Sänger, allen voran Frode Olsen als Hamm, Pierre Audi als Regisseur sowie seine Mitarbeiter für Bühne und Licht.

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    EIN FEST DER GANZEN STADT

    Die UNESCO Bücherstadt Mailand feiert bei der siebten Ausgabe von BookCity Milano mit atemberaubenden über 1300 Terminen die Welt des Buches vom Zentrum bis in die Peripherie.

    © BookCity/Martina-GentilinoMAG

    Eröffnung - Der Start von BookCity 2018 mit Jonathan Coe im Teatro dal Verme

    Mailand (15.11. - 18.11.) - Vier Tage dreht sich jetzt in alles um Bücher. Mit mehr als 1300 (!) Veranstaltungen hat sich BookCity Milano seit der Gründung 2012 zur größten Initiative zur Förderung der Lesekultur in Italien entwickelt. Natürlich treten bei BCM18 dutzendweise Autoren auf – der Engländer Jonathan Coe eröffnete mit einem Meeting im Teatro Dal Verme den Veranstaltungsreigen. Es gibt öffentliche Lesungen in Museen, Diskussionen in Kultureinrichtungen, Workshops in Stadtbibliotheken. Verlage stellen Produktionsketten vor, Buchhändler laden ein, sich mit Fragen des Handels vertraut zu machen.

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    In Bozen

    copyright Cluverius

    Museion - Seit 10 Jahren Museum für Gegenwartskunst in Bozen

    Bozen im November - Der Walther-Platz ist mit Gittern abgesperrt, bald werden hier die Buden des Weihnachtsmarktes stehen. Der Tannenbaum ist bereits aufgerichtet. Touristen begnügen sich solange mit den Ständen in den Altstadtgassen, an denen Speck und Wurstwaren, Pilze und Maroni angeboten werden. Nieselregen passt zur Jahreszeit. Ungewöhnlich war das Wetter die Tage zuvor. Die Zeitungen berichten von Unwetterschäden. Stürme haben eine Million Kubikmeter Holz umgeworfen, liest man in den Dolomiten. Ganz Südtirol wurde zum Notstandsgebiet erklärt.

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    im Konzert: Kurtág, Dusapin, Strawinsky

    Eröffnungskonzert des 27. Festivals Milano Musica und eine Kurtág-Ausstellung. Am 15. November kommt es zur Welturaufführung von György Kurtágs Oper „Fin de partie“ (nach Beckett)

    © Milano Musica/ M. Busacca

    Zwiegespräch zwischen Vater und Sohn - György Kurtág Jr. (links) am Synthesizer beim Eröffnungskonzert in der Scala. Am Pult Gergely Madaras.

    Mailand (20.10. bis 26.11.) – „What is the Word“ (Wie soll man sagen) ist der Titel eines Gedichtes von Samuel Beckett aus dem Jahr 1989 – seine letzte Arbeit. Das Gedicht kann als Leitmotiv für das diesjährige Festival Milano Musica gelten, das den Untertitel „György Kurtág. Beckett hören“ trägt. Zur Eröffnung gab es einen Konzertabend in der Mailänder Scala. Auf dem Programm standen „Zwiegespräch“ (Dialog für Synthesizer und Orchester) von György Kurtág und György Kurtág Jr., „Watt“ (für Posaune und Orchester) von Pascal Dusapin und nach der Pause Igor Strawinskys „Petruschka“. Die Filarmonica della Scala dirigierte der Ungar Gergely Madaras. Parallel dazu wurde eine Ausstellung zu Leben und Werk Kurtágs im Foyer der Scala eröffnet.

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    SCHRIFT AN DER WAND

    Pompeji wurde nicht im Sommer, sondern erst im Herbst 79 n.Chr. zerstört

    © www.pompeiisites.org

    Neue Zeitrechnung:Inschrift, die auf den 17. Oktober 79 verweist

    Rom – Wann wurde Pompeji nach einem Ausbruch des Vesuvs zerstört? Als Datum galt bislang der 24. August 79 n. Chr. als gesichert. Ein Graffito, das jetzt bei einer Ausgrabung entdeckt wurde, bringt die bisherige Zeitrechnung durcheinander. Da wird in einer Kohleinschrift der 17. Oktober genannt. Die antike Stadt kann also erst danach in Schutt und Asche versunken sein.

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    In Genua

    copyright Cluverius

    Unter milder Herbstsonne - Genua, Blick vom alten Hafen auf die Stadt

    Genua im Oktober – Rund um den alten Hafen scheint die Welt noch in Ordnung. Sobald man aber nur wenig in Richtung Sampierdarena geht, spürt man bereits am Verkehrsaufkommen das Drama Genuas. Der Einsturz des Ponte Morandi am 14. August hat das volkstümliche und industrielle Herz der Stadt getroffen und die „Superba“ praktisch in zwei Hälften geteilt. 43 Menschen starben, 566 Bewohner musste Hals über Kopf ihre Häuser verlassen. Jetzt durften sie für zwei Stunden zurückkehren und in höchstens fünfzig Kartons ein Teil von Hab und Gut sichern und in ihre Notunterkünfte bringen.

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    DIE RÖTE DES ROTS

    Gerhard Richter macht auf einer Ausstellung in Mantua gemeinsame Sache mit Tizian

    copyright Gerhard Richter 2018 / Foto: Cluverius

    Vom Blitz getroffen  - Gerhard Richter: Verkündigung nach Tizian - Druck auf Aluminium (2018) nach einer Vermalung von 1972

    Mantua - Das ist ein Treffen der besonderen Art: Gerhard Richter, vor 86 Jahren in Dresden geboren, einer der höchst bezahlten lebenden Künstler weltweit, und Tizian Vecellio, 1576 im Alter von 88 Jahren in Venedig gestorben, der Superstar der venezianischen Spätrenaissance im Übergang zum Manierismus. Als Richter 1972 während der Zeit seiner Biennale Beteiligung Tizians Verkündigung in der Scuola di San Rocco gegenüber stand, muss ihn das „wie ein Blitz getroffen haben.“ Das sagt Helmut Friedel, der jetzt im Palazzo Te (Mantua) eine Ausstellung kuratiert, die Richters Beziehung zu Tizian nachspürt und bei der Richter selbst mit Hand angelegt hat.

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    MARINAS FACE-FAKE

    Maurizio Cattelan wirbt mit Wandbilder in London, New York, Hongkong und Mailand für eine vom ihm kuratierte Ausstellung in Shanghai über Kopien in der Kunst – Eindrücke von einer Mailänder Straßenszenerie

    Nicht original aber originell ?- Werbung für eine Ausstellung in Shanghai auf einer Mailänder Fassade

    Mailand – Von der modernen Architektur Mailands beim Garibaldi-Bahnhof hin in die Altstadt und zum Brera Viertel führt ein Spaziergang durch die sich ganz jugendlich, hip-lebendig gebende lombardische Metropole. Im Corso Garibaldi geht es vorbei an neuen Bars und alten Kirchen, bunten Geschäften und lauten Werbeplakaten, an Straßenmusikanten und Bettlern. Man lässt sich treiben – und bleibt plötzlich stehen. Kurz vor dem Largo La Foppa sieht man sich einem Murales gegenüber, das eine vierstöckigen Häuserwand vollständig füllt. Ein überdimensionales Frauengesicht, das Marina Abramovic ähnelt, blickt entrückt über die Flaneure unten auf dem Corso Garibaldi hinweg. „The artist is present“ steht da geschrieben – der Titel einer legendären Abramovic-Ausstellung in New York 2010. Und unter dem Dachfirst sieht man das Logo des Modeimperiums Gucci und liest Namen „Maurizio Cattelan“.

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    IN BEWEGUNG

    Fotografien aus der Sammlung der Fondazione MAST in Bologna über Kraft, Geschwindigkeit und Arbeitsbeziehungen in der Moderne

    copyright MAST Bologna

    Frei nach Manets Gemälde "Déjeneur sur l'herbe" das Foto der Renault-Werbung von 1938

    Bologna (MAST bis 13.1. 2018) – Die Welt ist in Bewegung, Geschwindigkeit ist das Zeichen von Fortschritt – wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte (oder der Arbeitgeber). Diese Dynamik versinnbildlicht seit der industriellen Revolution die Maschine. Aber auch die Arbeit ist schneller geworden. Bewegung ist bereits auf dem Weg zu ihr die Regel. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto – nur die happy few können zu Fuß gehen. Und natürlich sind Waren unterwegs, oft über Kontinente hinweg. Über diese Zusammenhänge bietet die Fotoausstellung „Pendulum – Waren und Personen in Bewegung“ in der MAST.Gallery von Bologna kritisches Material vom 19. Jahrhundert bis heute.

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    GEMÄLDE WIE EIN KINOFILM

    Venedig feiert den manieristischen Maler Tintoretto, der vor 500 Jahren geboren wurde.

     

    copyright Katalog Marsilio

    Prächtige Körperlichkeit - "Susanna e i vecchioni", Öl auf Leinwand 147 x 194 cm, entstanden um 1555 (Wien, Kunsthistorisches Museum/Gemäldegalerie)

    Venedig (Palazzo Ducale/Galleria dell'Accademia bis 6.1. 2019) Tintoretto nannte sich der venezianische Maler Jacopo Robusti. Der Vater, der aus dem toskanischen Lucca stammte, war ein Färber, ein „Tintore“, der Stoffe bearbeitete. Und Tintoretto bedeutet der „kleine Färber“ oder das „Färberlein“. Das klingt bescheiden, doch Bescheidenheit gehörte nicht zu den Charakterzügen des auch als Unternehmer erfolgreichen Jacopo Robusti, der den Namen Tintoretto zu einem Markenzeichen auf dem Kunstmarkt der Lagunenstadt machte. Die feiert jetzt seinen 500. Geburtstag mit zwei Ausstellungen.

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    NOCH EINMAL IN STOCKHOLM TANZEN

    Zum Tod von Inge Feltrinelli

    Copyright La Repubblica/Fotogramma

    Inge Feltrinelli, Essen 1930 - Mailand 2018

    Mailand - Inge Feltrinelli liebte Farben. Aber sie mussten lebhaft sein, gelb oder orange leuchten, denn die große alte Dame des italienischen, des europäischen Verlagswesens war die Lebhaftigkeit in Person. Lauthals begrüßte sie Gäste in ihrem mit Büchern, Fotos und Zeitungsausschnitten vollgestopften Arbeitszimmer. Begeistert erzählte sie von „ihren“ Autoren. Schwärmte von der nächsten Eröffnung einer Feltrinelli-Buchhandel und lobte die tollen Mitarbeiter, „vor allem die Frauen“, überschwänglich. Vor zwei Wochen wurde in Mailand ein weiterer Feltrinelli-Verkaufspunkt des Formats RED („Read, eat and dream“) eröffnet. Und zum ersten Mal fehlte Inge bei solch einer Veranstaltung. Kurz darauf, am 20. September, ist sie im Alter von 87 Jahren gestorben.

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