DER HISTORIKER IN DER GLOBALEN GEGENWART

    Ein Gespräch mit Jürgen Osterhammel, Träger des Balzan Preises 2018 für Globalgeschichte, über nationale und nationalistische Geschichte, die Angst vor dem Globalen, die Rolle des Historikers heute und Fragen seines Faches.

    © Balzan.org

    Kosmopolit - der Historiker Jürgen Osterhammel, geboren 1952

    Rom/Mailand - Jürgen Osterhammel, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Konstanz (Emeritus seit April 2018), ist als Mitglied einer Reihe von wissenschaftlichen Akademien in Deutschland sowie Italien, Österreich und Großbritannien international vernetzt. Er ist Träger des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste sowie Ehrendoktor des European University Institute EUI (Florenz). Der 66jährige Historiker wurde jetzt mit dem Balzan Preis 2018 „für seine grundlegenden Beiträge zur Globalgeschichte und zu ihrer Definition als eigene Teildisziplin“ – wie es in der Begründung der Internationalen Balzan Stiftung (Mailand/Zürich) heißt – ausgezeichnet. Neben anderem lobte die Jury seinen „eleganten und faszinierenden Schreibstil“.

    weiter zum Artikel

    VON PIERMARINI BIS BOTTA

    240 Jahre Teatro alla Scala in einer kleinen Ausstellung des Scala-Museums

    © Cluverius

    "Für mich ist es das erste Theater der Welt" schrieb Stendhal 1816 - Angelo Inganni malte das Teatro alla Scala im Stil der Romantik 1852

    Mailand (Museo Teatrale alla Scala bis 30.4.2019) - Nachdem das Teatro Regio Ducale innerhalb des Mailänder Herzogspalast 1776 zum dritten Mal ein Opfer von Flammen geworden war, finanzierten Adelige und Bürger der Stadt den Neubau eines Opernhauses - diesmal aus Stein und als Einzelgebäude. Die Landesherrin – damals die Habsburgerin Maria Theresia – genehmigte dafür den Abriss der Kirche Santa Maria alla Scala. Nach Plänen des Architekten Giuseppe Piermarini wurde das neue Opernhaus in nur 23 Monaten in klassizistischen Formen errichtet und im August 1778 mit Europa riconosciuta von Antonio Salieri eröffnet. In ihrer wechselhaften Geschichte war die Bühne ein Spiegel der kulturellen und politischen Zeitläufe. Zugleich war sie kontinuierlich baulichen und strukturellen Veränderungen unterworfen. Bis hin zu den Erweiterungen des Tessiner Architekten Mario Botta, der gerade mit einem Turmbau die Umbauten von 2002/2004 ergänzt. Eine kleine Ausstellung im Scala-Museum verfolgt jetzt 240 Jahre Geschichte von Piermarini bis Botta.

    weiter zum Artikel

    WENN ZUFALL METHODE IST

    10 Jahre Museion Bozen mit einer erfrischenden Ausstellung von John Armleder

    ©Foto Luca Meneghel

    John Armleder beim Aufbau der Ausstellung

    Bozen (Museion bis 6.1.2019) - Es geht tierisch zu. Bär und Gämse sagen sich zwischen blumigen Arrangements gute Nacht. Und über Tannenbäumen schwebt ein Raubvogel. Zehn Jahre nach ihrer Gründung 2008 feiert die Bozener Ausstellungseinrichtung Museion mit einem Auftritt des Schweizer Allroundkünstlers John Armleder (Genf, 1948) sich selbst mit viel Ironie.

    weiter zum Artikel

    In Rom

    © Cluverius

    Rom am Abend - das Pantheon

    Rom Ende November - Die Stare sind wieder da. Sie bilden lebendige dunkle Wolken über der Piazza Venezia. Die Vögel lassen sich mit lautem Geschwätz auf den Bäumen in Parks, längs der Alleen und am Lungotevere nieder. Steigen dann wieder zu schlauchartigen Schwärmen auf, die sich auseinander ziehen und erneut verdichten, als würden sie atmen. Ihr Exkremente vermischen sich auf regennassen Straßen zu einer guanoartigen Paste und das Gehen und Fahren auf dem Kopfsteinpflaster wird zur Rutschpartie. Der Lungotevere dei Vellati musste zur Säuberung für zwei Stunden gesperrt werden.

    weiter zum Artikel

    EIN PILOSOPH AM HERD

    Zu Besuch bei Max Alajmo, dem jüngsten Koch mit drei Michelin-Sternen, im Restaurant Le Calandre in Sarmeola di Rubano (bei Padua).

    © Cluverius

    Pfiffig: Der Koch als Darsteller und als kreativer Intellektueller - Max Alajmo

    Sarmeola di Rubano – Was verbirgt sich hinter diesem Gesicht? Spitzbübisch lächelt Massimiliano (Max) Alajmo aus seine großen braunen Knopfaugen heraus. Man möchte den 44jährigen mit den aufrecht stehenden, kurzen schwarzen Haaren für einen volkstümlichen Schauspieler halten. Ein Komiker, typisch für Venetien und den Raum um Padua, aus dem er stammt. Das Lächeln zeichnet jedoch eine kreative Kochpersönlichkeit aus, der Freundlichkeit und Weisheit zu einem Charakterzug seiner Küche gemacht hat, die er im Dreisterne-Restaurant Le Calandre in Sarmeola di Rubano präsentiert.

    weiter zum Artikel

    in der Scala: Fin de Partie

    Die Welturaufführung der Oper von György Kurtág nach dem Bühnenstück von Samuel Beckett wurde zu einem von der Kritik gefeierten Erfolg

    copyright Teatro alla Scala/Ruth Walz

    Lange Schatten - im Rollstuhl Hamm (Frode Olsen) und sein Diener Clov (Leigh Melrose)

    Mailand (Teatro alla Scala bis 25. 11.) – Fast zehn Jahre lang hat der Österreicher Alexander Pereira den Ungarn György Kurtág umworden, den Plan einer Oper zu Becketts Theaterstück Fine de Partie („Endspiel“) umzusetzen. Jetzt hat der 92jährige Kurtág Wort gehalten. Pereira – Intendant der Scala seit Oktober 2014 – kann so seinen bislang größten Erfolg am Mailänder Opernhaus auskosten. Die Welturaufführung am 15. November in französischer Sprache wurde von der nationalen wie internationalen Presse gefeiert. Ein Verdienst der Künstler, die Kurtágs Vorgabe auf hohem Niveau umzusetzen wussten: Markus Stenz, der das Scala-Orchester leitete, die Sänger, allen voran Frode Olsen als Hamm, Pierre Audi als Regisseur sowie seine Mitarbeiter für Bühne und Licht.

    weiter zum Artikel

    EIN FEST DER GANZEN STADT

    Die UNESCO Bücherstadt Mailand feiert bei der siebten Ausgabe von BookCity Milano mit atemberaubenden über 1300 Terminen die Welt des Buches vom Zentrum bis in die Peripherie.

    © BookCity/Martina-GentilinoMAG

    Eröffnung - Der Start von BookCity 2018 mit Jonathan Coe im Teatro dal Verme

    Mailand (15.11. - 18.11.) - Vier Tage dreht sich jetzt in alles um Bücher. Mit mehr als 1300 (!) Veranstaltungen hat sich BookCity Milano seit der Gründung 2012 zur größten Initiative zur Förderung der Lesekultur in Italien entwickelt. Natürlich treten bei BCM18 dutzendweise Autoren auf – der Engländer Jonathan Coe eröffnete mit einem Meeting im Teatro Dal Verme den Veranstaltungsreigen. Es gibt öffentliche Lesungen in Museen, Diskussionen in Kultureinrichtungen, Workshops in Stadtbibliotheken. Verlage stellen Produktionsketten vor, Buchhändler laden ein, sich mit Fragen des Handels vertraut zu machen.

    weiter zum Artikel

    In Bozen

    copyright Cluverius

    Museion - Seit 10 Jahren Museum für Gegenwartskunst in Bozen

    Bozen im November - Der Walther-Platz ist mit Gittern abgesperrt, bald werden hier die Buden des Weihnachtsmarktes stehen. Der Tannenbaum ist bereits aufgerichtet. Touristen begnügen sich solange mit den Ständen in den Altstadtgassen, an denen Speck und Wurstwaren, Pilze und Maroni angeboten werden. Nieselregen passt zur Jahreszeit. Ungewöhnlich war das Wetter die Tage zuvor. Die Zeitungen berichten von Unwetterschäden. Stürme haben eine Million Kubikmeter Holz umgeworfen, liest man in den Dolomiten. Ganz Südtirol wurde zum Notstandsgebiet erklärt.

    weiter zum Artikel

    in der Scala: Kurtág, Dusapin, Strawinsky

    Eröffnungskonzert des 27. Festivals Milano Musica und eine Kurtág-Ausstellung. Am 15. November kommt es zur Welturaufführung von György Kurtágs Oper „Fin de partie“ (nach Beckett)

    © Milano Musica/ M. Busacca

    Zwiegespräch zwischen Vater und Sohn - György Kurtág Jr. (links) am Synthesizer beim Eröffnungskonzert in der Scala. Am Pult Gergely Madaras.

    Mailand (20.10. bis 26.11.) – „What is the Word“ (Wie soll man sagen) ist der Titel eines Gedichtes von Samuel Beckett aus dem Jahr 1989 – seine letzte Arbeit. Das Gedicht kann als Leitmotiv für das diesjährige Festival Milano Musica gelten, das den Untertitel „György Kurtág. Beckett hören“ trägt. Zur Eröffnung gab es einen Konzertabend in der Mailänder Scala. Auf dem Programm standen „Zwiegespräch“ (Dialog für Synthesizer und Orchester) von György Kurtág und György Kurtág Jr., „Watt“ (für Posaune und Orchester) von Pascal Dusapin und nach der Pause Igor Strawinskys „Petruschka“. Die Filarmonica della Scala dirigierte der Ungar Gergely Madaras. Parallel dazu wurde eine Ausstellung zu Leben und Werk Kurtágs im Foyer der Scala eröffnet.

    weiter zum Artikel

    SCHRIFT AN DER WAND

    Pompeji wurde nicht im Sommer, sondern erst im Herbst 79 n.Chr. zerstört

    © www.pompeiisites.org

    Neue Zeitrechnung:Inschrift, die auf den 17. Oktober 79 verweist

    Rom – Wann wurde Pompeji nach einem Ausbruch des Vesuvs zerstört? Als Datum galt bislang der 24. August 79 n. Chr. als gesichert. Ein Graffito, das jetzt bei einer Ausgrabung entdeckt wurde, bringt die bisherige Zeitrechnung durcheinander. Da wird in einer Kohleinschrift der 17. Oktober genannt. Die antike Stadt kann also erst danach in Schutt und Asche versunken sein.

    weiter zum Artikel

    In Genua

    copyright Cluverius

    Unter milder Herbstsonne - Genua, Blick vom alten Hafen auf die Stadt

    Genua im Oktober – Rund um den alten Hafen scheint die Welt noch in Ordnung. Sobald man aber nur wenig in Richtung Sampierdarena geht, spürt man bereits am Verkehrsaufkommen das Drama Genuas. Der Einsturz des Ponte Morandi am 14. August hat das volkstümliche und industrielle Herz der Stadt getroffen und die „Superba“ praktisch in zwei Hälften geteilt. 43 Menschen starben, 566 Bewohner musste Hals über Kopf ihre Häuser verlassen. Jetzt durften sie für zwei Stunden zurückkehren und in höchstens fünfzig Kartons ein Teil von Hab und Gut sichern und in ihre Notunterkünfte bringen.

    weiter zum Artikel

    DIE RÖTE DES ROTS

    Gerhard Richter macht auf einer Ausstellung in Mantua gemeinsame Sache mit Tizian

    copyright Gerhard Richter 2018 / Foto: Cluverius

    Vom Blitz getroffen  - Gerhard Richter: Verkündigung nach Tizian - Druck auf Aluminium (2018) nach einer Vermalung von 1972

    Mantua - Das ist ein Treffen der besonderen Art: Gerhard Richter, vor 86 Jahren in Dresden geboren, einer der höchst bezahlten lebenden Künstler weltweit, und Tizian Vecellio, 1576 im Alter von 88 Jahren in Venedig gestorben, der Superstar der venezianischen Spätrenaissance im Übergang zum Manierismus. Als Richter 1972 während der Zeit seiner Biennale Beteiligung Tizians Verkündigung in der Scuola di San Rocco gegenüber stand, muss ihn das „wie ein Blitz getroffen haben.“ Das sagt Helmut Friedel, der jetzt im Palazzo Te (Mantua) eine Ausstellung kuratiert, die Richters Beziehung zu Tizian nachspürt und bei der Richter selbst mit Hand angelegt hat.

    weiter zum Artikel

    MARINAS FACE-FAKE

    Maurizio Cattelan wirbt mit Wandbilder in London, New York, Hongkong und Mailand für eine vom ihm kuratierte Ausstellung in Shanghai über Kopien in der Kunst – Eindrücke von einer Mailänder Straßenszenerie

    Nicht original aber originell ?- Werbung für eine Ausstellung in Shanghai auf einer Mailänder Fassade

    Mailand – Von der modernen Architektur Mailands beim Garibaldi-Bahnhof hin in die Altstadt und zum Brera Viertel führt ein Spaziergang durch die sich ganz jugendlich, hip-lebendig gebende lombardische Metropole. Im Corso Garibaldi geht es vorbei an neuen Bars und alten Kirchen, bunten Geschäften und lauten Werbeplakaten, an Straßenmusikanten und Bettlern. Man lässt sich treiben – und bleibt plötzlich stehen. Kurz vor dem Largo La Foppa sieht man sich einem Murales gegenüber, das eine vierstöckigen Häuserwand vollständig füllt. Ein überdimensionales Frauengesicht, das Marina Abramovic ähnelt, blickt entrückt über die Flaneure unten auf dem Corso Garibaldi hinweg. „The artist is present“ steht da geschrieben – der Titel einer legendären Abramovic-Ausstellung in New York 2010. Und unter dem Dachfirst sieht man das Logo des Modeimperiums Gucci und liest Namen „Maurizio Cattelan“.

    weiter zum Artikel

    IN BEWEGUNG

    Fotografien aus der Sammlung der Fondazione MAST in Bologna über Kraft, Geschwindigkeit und Arbeitsbeziehungen in der Moderne

    copyright MAST Bologna

    Frei nach Manets Gemälde "Déjeneur sur l'herbe" das Foto der Renault-Werbung von 1938

    Bologna (MAST bis 13.1. 2018) – Die Welt ist in Bewegung, Geschwindigkeit ist das Zeichen von Fortschritt – wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte (oder der Arbeitgeber). Diese Dynamik versinnbildlicht seit der industriellen Revolution die Maschine. Aber auch die Arbeit ist schneller geworden. Bewegung ist bereits auf dem Weg zu ihr die Regel. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto – nur die happy few können zu Fuß gehen. Und natürlich sind Waren unterwegs, oft über Kontinente hinweg. Über diese Zusammenhänge bietet die Fotoausstellung „Pendulum – Waren und Personen in Bewegung“ in der MAST.Gallery von Bologna kritisches Material vom 19. Jahrhundert bis heute.

    weiter zum Artikel

    GEMÄLDE WIE EIN KINOFILM

    Venedig feiert den manieristischen Maler Tintoretto, der vor 500 Jahren geboren wurde.

     

    copyright Katalog Marsilio

    Prächtige Körperlichkeit - "Susanna e i vecchioni", Öl auf Leinwand 147 x 194 cm, entstanden um 1555 (Wien, Kunsthistorisches Museum/Gemäldegalerie)

    Venedig (Palazzo Ducale/Galleria dell'Accademia bis 6.1. 2019) Tintoretto nannte sich der venezianische Maler Jacopo Robusti. Der Vater, der aus dem toskanischen Lucca stammte, war ein Färber, ein „Tintore“, der Stoffe bearbeitete. Und Tintoretto bedeutet der „kleine Färber“ oder das „Färberlein“. Das klingt bescheiden, doch Bescheidenheit gehörte nicht zu den Charakterzügen des auch als Unternehmer erfolgreichen Jacopo Robusti, der den Namen Tintoretto zu einem Markenzeichen auf dem Kunstmarkt der Lagunenstadt machte. Die feiert jetzt seinen 500. Geburtstag mit zwei Ausstellungen.

    weiter zum Artikel

    NOCH EINMAL IN STOCKHOLM TANZEN

    Zum Tod von Inge Feltrinelli

    Copyright La Repubblica/Fotogramma

    Inge Feltrinelli, Essen 1930 - Mailand 2018

    Mailand - Inge Feltrinelli liebte Farben. Aber sie mussten lebhaft sein, gelb oder orange leuchten, denn die große alte Dame des italienischen, des europäischen Verlagswesens war die Lebhaftigkeit in Person. Lauthals begrüßte sie Gäste in ihrem mit Büchern, Fotos und Zeitungsausschnitten vollgestopften Arbeitszimmer. Begeistert erzählte sie von „ihren“ Autoren. Schwärmte von der nächsten Eröffnung einer Feltrinelli-Buchhandel und lobte die tollen Mitarbeiter, „vor allem die Frauen“, überschwänglich. Vor zwei Wochen wurde in Mailand ein weiterer Feltrinelli-Verkaufspunkt des Formats RED („Read, eat and dream“) eröffnet. Und zum ersten Mal fehlte Inge bei solch einer Veranstaltung. Kurz darauf, am 20. September, ist sie im Alter von 87 Jahren gestorben.

    weiter zum Artikel

    AUSGEZEICHNET

    Die Balzanpreise 2018 gehen u.a. an Jürgen Osterhammel, Detlef Lohse und an die Stiftung Terre des Hommes. Die Verleihung findet im November in Rom statt.

    copyright tdh.ch/simsone

    Ausbildung von Hebammen in Mali - Die Balzan Stiftung ehrt Terre des Hommes mit dem Friedenspreis

    Mailand - Der Historiker Jürgen Osterhammel, Professor Emeritus für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Konstanz, gehört zu den Trägern des Balzan Preises 2018. Wie in Mailand am Sitz der Balzan Stiftung bekannt gegeben wurde, wird Osterhammel im Fachgebiet Globalgeschichte ausgezeichnet.  Zu den Preisträgern gehört auch der Hamburger Physiker Detlef Lohse (geb. 1963), der an der niederländischen Universität Twente unterrichtet. Er wird im Fachgebiet Fluiddynamik prämiert. Weitere Preise gehen an zwei Wissenschaftlerinnen aus Großbritannien (Marilyn Strathern für Sozialanthropologie) und Ungarn (Eva Kondorosi für Chemische Ökologie).

    weiter zum Artikel

    CINEMA TRISTE

    Der Kinobesuch in Italien geht zurück. Vor allem die treuen Besucher fehlen

    Als das Kino noch Träume weckte - "Nuovo Cinema Paradiso", Film von Giuseppe Tornatore (1998)

    Mailand - Während in Venedig auf der Film-Biennale die Goldenen Löwen vergeben werden, verliert das Kino in Italien bei treuen Anhängern. Nach einer gerade vom Statistikamt ISTAT veröffentlichten Untersuchung für das Jahr 2017 hat langfristig die Zahl derjenigen abgenommen, die sieben oder mehr Filme pro Jahr im Kino sehen: 7,7 Prozent (2012: 9,9 Prozent) aller Italiener über 6 Jahre alt. 49,6 Prozent geht mindestens einmal ins Kino. Insgesamt zählt ISTAT 28,4 Millionen Kinobesucher für 92 Millionen Eintritte (- in Deutschland 122 Millionen Eintritte). Die meisten davon in den Regionen des Zentrums (54,5 Prozent) vor denen des Nordens (50,2 Prozent) und denen des Südens/der Inseln (46,8/44,6 Prozent).

    weiter zum Artikel

    „DAS WAR HART“

    Vor 70 Jahren in Italien – Das Urteil im Prozess gegen den deutschen Kriegsverbrecher Herbert Kappler

    Zu lebenslanger Haft verurteilt: SS-Offizier Herbert Kappler, dem später die Flucht aus Italien gelang

    Rom / Mailand – Gut drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird am 20.Juli 1948 beim ersten großen Prozess gegen deutsche Kriegsverbrecher in Italien das Urteil gesprochen. Angeklagt sind der 41jährige Herbert Kappler und einige Untergebene. Dem Leiter des nationalsozialistischen Sicherheitsdienstes SD in Rom wird vor allem die Erschießung von 335 Geiseln im März 1944 sowie die Erpressung der jüdischen Gemeinde zu Schutzzahlungen zur Last gelegt.

    weiter zum Artikel

    GRENZÜBERSCHREITUNGEN

    Hölderlin und Europa - ein Gespräch mit dem Philosophen Markus Ophälders

    "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch" - Friedrich Hölderlin (1770 - 1843)

    Mailand – Was gerade in Berlin, Rom oder Wien beredet und beschlossen wird, lässt an der europäischen Idee, an der politischen und kulturellen Identität Europas zweifeln, wenn nicht sogar verzweifeln. Europa schließt sich nicht nur an seinen Außengrenzen ab, sondern auch zwischen den Staaten der EU werden gerade wieder Schlagbäume aufgestellt, an denen Grenzüberschreitungen abprallen oder durch sie zumindest erschwert werden. Dass man Europa von seinen kulturellen Grundlagen aus anders denken kann, zeigt – ausgehend von einer Tagung in der Villa Vigoni – ein Gespräch mit dem Philosophen Markus Ophälders über Hölderlin.

    weiter zum Artikel

    "DU MUSST MAL RAUS!"

    Wie der deutsche Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Andreas Kipar von Mailand aus grünes Credo umsetzt. Jetzt wurde sein internationales Studio LAND mit einer Sonderauszeichnung des deutsch-italienischen Wirtschaftspreies Mercurio 2018 geehrt

    copyright Studio LAND

    Im Grünen ist es am schönsten - Andreas Kipar, Gründer und CEO des Studios LAND (Landscape, Architecture, Nature, Development)

    Mailand – „Das war bewegend.“ Andreas Kipar, der Gründer des Mailänder Architekturbüros LAND, zeigt auf seinem Smartphone das Video, das er morgens um 5.30 Uhr auf dem Karstgipfel San Michele bei Gorizia aufgenommen hat. Zwei Trompeter, ein Österreicher und ein Italiener, spielten den militärischen Trauergruß „il Silenzio“. Am 29. Juni 1916 hatten hier österreichische Truppen bei einem Morgenangriff zum ersten Mal in großem Stil Giftgas gegen Stellungen der Italiener eingesetzt. Mehrere Tausend Soldaten ersticken, darunter auch viele Österreicher, denn der Wind hatte sich während des Angriffs gedreht und das Gas blies dann den K&K-Truppen selbst ins Gesicht.

    weiter zum Artikel

    NA, ALSO

    Die ausländischen Direktoren italienischer Kultureinrichtungen bleiben im Amt

    copyright Wikipedia

    Der Chef darf bleiben - Palazzo Ducale von Mantua

    Rom / Mailand – Das lange Hin und Her um die Rechtmäßigkeit der Berufung ausländischer Direktoren ist vorbei – sie können im Amt bleiben. Die höchste Instanz innerhalb des Consiglio di Stato – vergleichbar mit dem Bundesverwaltungsgericht in Deutschland – hat mit einen endgültigen Beschluss die Klage gegen Peter Assmann, den österreichischen Direktor des Palazzo Ducale von Mantua zurückgewiesen. In der Begründung heißt es, dass die Berufung ausländischer Persönlichkeiten in Leitungsfunktionen staatlicher Einrichtungen rechtens sei, wenn es sich dabei nicht um Einrichtungen in Militär-, Polizei- und Sicherheitsbereichen handele. Mit der Entscheidung in einem Präzedenzfall sind auch alle weiteren Klagen gegen ausländische Direktoren hinfällig, wie die Tageszeitung la Repubblica berichtet.

    weiter zum Artikel

    BÜHNENTIERE UND HANDWERKER

    Das Theater in Italien zwischen dem „Modell Mailand“, einer lebhaften Provinz und drohender Amateurisierung – ein aktueller Überblick

    copyright Luca del Pia/Teatro Elfo

    Hinter Glas - Elio De Capitani als Othello am Mailänder Teatro Elfo Puccini

    Mailand – Sexy soll das Theater sein, mutig in den Inhalten, spielerisch in den Formen und offen im Umgang mit dem Publikum. Wer wollte Marco Paolini, einem wichtigen Vertreter des teatro narrativo, des Erzähltheaters widersprechen? Der Dramaturg und Schauspieler nahm kürzlich an einem Forum des Corriere della Sera teil, auf dem über den Zustand des italienischen Theaters debattiert wurde. Da konnte man Klagen über Klagen hören: Die Spielpläne würden sich Jahr für Jahr gleichen, Klassiker nicht auf neue Art befragt, Gegenwartsstücke ohne Widerhaken geboten. Man verschließe sich neuen Dramaturgien und Ausdrucksformen. Und Masse ginge vor Klasse.

    weiter zum Artikel

    KUNST ALS GLOBALE HEIMAT

    Mit dem Projekt Imago Mundi hat die Fondazione Benetton ein weltumspannendes Archiv der Gegenwartskunst aufgebaut. Dafür wurde jetzt in Treviso ein eigenes Museum eingerichtet ( – und in Triest ist eine weitere Ausstellung zu sehen).

    copyright Cluverius

    Die ganze Welt im kleinen Format - Imago Mundi Besucher in Triest

    Treviso/Triest (bis 20.6. bzw. 2.9.) – Kunst überschreitet mentale wie geographische Grenzen. Zugleich stehen die einzelnen Werke im inneren Zusammenhang mit den Gesellschaften, in denen sie geschaffen werden. Diesen doppelten Aspekt spiegelt eine der erstaunlichsten Kunstsammlungen wieder, mit der unter dem Titel Imago Mundi bei der Fondazione Benetton seit etwa acht Jahren ein stetig wachsendes Archiv internationaler Gegenwartskunst entstanden ist. Grundlage sind originale Werke der bildenden Kunst in einem kleinen Format mit den Maßen 10 mal 12 Zentimeter, kaum größer als eine Handfläche.

    weiter zum Artikel

    In Treviso

    copyright Cluverius

    Von Bächen und Kanälen durchflossen - die Altstadt von Treviso

    Treviso, Anfang Juni - Venetien ist eine wasserreiche Region, aber wenige Städte im Nordosten Italiens werden von so vielen Bachläufen und Kanälen durchquert wie Treviso. Das ist eine Folge einiger Karstquellen, die hier kräftig sprudeln und ihre Wasser in immer neue Arme („cagnani“) verzweigen. Hinzu kommt noch der Sile-Fluss, den es dann zum Meer zieht, wo er bei Jesolo in die Adria mündet. So begleitet eine Grundmelodie, ein stetes Rauschen, Glucksen und Sprudeln von Wassern das Leben der rund 85.000 Einwohnern dieser sympathischen Stadt, denen eine gewisse Lebenslust nachgesagt wird. An Lebenswert hat jedenfalls die Innenstadt in den vergangenen Jahren gewonnen- kulturell wie urban.

    weiter zum Artikel